Winterthur

Impfgegner sind mit einem Stand an der Familienmesse Famexpo

Maren Eppenberger (links) und Daniel Trappitsch vom «Netzwerk Impfentscheid» an der Famexpo.

Maren Eppenberger (links) und Daniel Trappitsch vom «Netzwerk Impfentscheid» an der Famexpo.

In der Schweiz ist Impfskepsis weit verbreitet. Davon profitiert das «Netzwerk Impfentscheid», die grösste Gruppe von Impfgegnern. Wer sind sie? Ein Besuch an der Famexpo in Winterthur.

Zwischen Baby-Nuggis, Plüschtieren und Ständen, die über die Vorteile von Stammzellen aus Nabelschnurblut informieren, steht dieses Wochenende der schlichte Stand des Netzwerks Impfentscheid an der Familienmesse «Famexpo» in den Eulachhallen in Winterthur. Das Netzwerk ist schweizweit der grösste Verein von Impfgegnern. Es sind gute Zeiten für sie: Laut einer noch unveröffentlichten repräsentativen Umfrage der Universität Lugano ist Impfskepsis in der Schweiz weit verbreitet. So glaubt jeder Vierte, dass das Immunsystem durch die Impfungen in der Kindheit belastet werde.

Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet die Impfskepsis als eine der grössten Bedrohungen für die Gesundheit der Weltbevölkerung. Gleichzeitig ist die Zahl der Masernfälle auf einem neuen Höchststand. In der Schweiz wurden in diesem Jahr bereits 138 Fälle gemeldet – das sind dreimal so viele wie im ganzen letzten Jahr. In Deutschland wird über ein Impfobligatorium diskutiert.

Dass sich die Masern wieder ausbreiten konnten, hat auch mit Impfgegnern wie dem Netzwerk Impfentscheid zu tun. Der 2011 gegründete Verein mit Sitz in Buchs SG zählt rund 1200 Mitglieder. Mit deren Beiträgen erzielen sie einen sechsstelligen Jahresumsatz. Ihr Ziel laut der Website: «Betroffene und Engagierte treffen selbst die Entscheidung für die kritische Betrachtung der aktuellen Impf-Situation, der Impf-Propaganda und einseitigen Information der Bevölkerung.»

Am Stand in den Eulachhallen wartet, im rosa Hemd, flankiert von zwei Frauen, die treibende Kraft der Impfgegner auf Besucherinnen und Besucher: Daniel Trappitsch, Naturheilpraktiker aus St. Gallen, Jahrgang 1965, ist Gründungsmitglied, ehemaliger Präsident und jetziger Geschäftsführer des Netzwerks.

Veredeltes Wasser
Trappitsch wurde 2012 schweizweit bekannt, als er das Referendum gegen die im Parlament unbestrittene Änderung des Tierseuchen- und Epidemiegesetzes erzwang. Mit dem neuen Gesetz sollten die Behörden besser gegen übertragbare Krankheiten vorgehen können. Trappitsch warnte im Abstimmungskampf vor «Impfzwang» und internationalem Einfluss. Gebracht hat es nicht viel: Die Bevölkerung stimmte dem Gesetz klar zu. Trappitsch ist auch noch Geschäftsführer der Libertarian AG, die auf ihrer Homepage «Trinkwasser-Veredelung» anbietet.

Seit über fünf Jahren ist das Netzwerk Impfentscheid an der Famexpo vertreten. Jährlich seien sie an 10 bis 15 Messen präsent. Es lohne sich: «Das Publikum hier ist perfekt.» Er zeigt mit einer Handbewegung auf die vorbeischlendernden Jung-Eltern mit ihren Kinderwagen. Daneben organisiert der Verein Vorträge und berät in Rechtsfragen zur «Impfaufklärungspflicht der Ärzte». Die Mitglieder kämen aus der ganzen Bevölkerung. «Bei uns sind auch impfkritische Ärzte, die sich aber nicht outen möchten», behauptet Trappitsch.


Wie viel Einfluss hat das Netzwerk und wie gefährlich ist es? Laut Beda Stadler, emeritierter Professor für Immunologie der Universität Bern, ist die Gruppe gut vernetzt: «Der Verein ist weit verzweigt mit Esoterik-Gruppen bis in die germanische neue Medizin.» Gefährlich findet er, dass Impfgegner heute im Internet und den sozialen Medien übervertreten seien. «Wenn Sie Impfkritik googeln, erscheinen die seriösen Informationen erst weit unten.» Hinzu komme, dass die Aussagen von Wissenschaftlern mit jenen der Impfgegner auf die gleiche Ebene gestellt werden: «Fakten werden mit Meinungen gleichgesetzt.»

Famexpo ist neutral
Warum dürfen Impfgegner an der Famxpo einen Stand haben? «Wir sind grundsätzlich neutral. Bei uns dürfen alle ausstellen, die Produkte oder Dienstleistungen für Eltern anbieten», sagt Famexpo-Sprecherin Cornelia Stutz. «Solange etwas nicht sektiererisch oder rassistisch ist, sehen wir keine Einwände.» Sie weist darauf hin, dass auch das Bundesamt für Gesundheit in der Vergangenheit vor Ort war, da habe man Podiumsdiskussionen über das Impfen durchgeführt.

In Besucherbefragungen habe man weiter auch kritische Rückmeldungen zum Stand des Netzwerks erhalten. «Wir möchten aber niemanden beeinflussen, jeder soll sich seine eigene Meinung bilden können.» Es sei den Eltern schliesslich selbst überlassen, ob sie Trappitsch zuhören oder zum nächsten Stand weitergehen.

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