Zürich
Immer mehr Passagiere, aber weniger Gewinn am Flughafen Zürich

Solide Zahlen, wenig rosige Aussichten: So lässt sich die Situation des Flughafens Zürich zusammenfassen. Neben dem starken Franken, der den Passagieren die Shoppinglaune verdirbt, hat der Flughafen vor allem ein beginnendes Kapazitätsproblem. Die Politik müsse hier dringend eine Lösung finden.

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Die Aussichten des Flughafens Zürich beschreibt Flughafen-Chef Stephan Widrig als "weniger rosig"

Die Aussichten des Flughafens Zürich beschreibt Flughafen-Chef Stephan Widrig als "weniger rosig"

Keystone

Der Flughafen Zürich verzeichnete im vergangenen Jahr einen neuen Passagierrekord. 26,3 Millionen Flugreisende wurden 2015 gezählt. Das sind 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im laufenden Jahr wird ein weiterer Anstieg um rund 3 Prozent erwartet.

Dennoch stufte Flughafen-Chef Stephan Widrig an der Medienkonferenz vom Freitag die Aussichten als "weniger rosig" ein. In Spitzenzeiten bestünden bereits Engpässe, weitere zeichneten sich angesichts des prognostizierten Mobilitätswachstums ab.

Das derzeitige Passagierwachstum wird noch ermöglicht, weil die Fluggesellschaften grössere Maschinen mit mehr Sitzplätzen einsetzen. Die Zahl der Bewegungen bleibt derweil in etwa gleich. Diese Entwicklung lässt sich laut Widrig aber nicht beliebig fortsetzen. Deshalb müsse die Frage beantwortet werden, wie sich der Flughafen Zürich weiter entwickeln könne.

Der Kanton redet dennoch mit

Einen möglichen Weg zeigt der luftfahrtpolitische Bericht des Bundesrates (Lupo) auf, der kürzlich präsentiert wurde. Dieser sieht vor, dass sich der Bund stärker einbringt: Er will im sogenannten Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) den Landesflughäfen verbindliche Ziele vorschreiben.

Es gehe darum, dass der Bund die langfristigen Ziele vorgebe und dafür den Raum sichere, sagte Widrig. Konkrete Entscheide, beispielsweise wie geflogen wird, seien damit aber noch nicht gefällt. Der Regierungsrat des Kantons Zürich bestimme via Betriebsreglement die anwendbaren Flugrouten und Ruhezeitfenster mit.

Wie langfristig die offensichtlichen Engpässe zu beheben seien, müsse die Politik beantworten, sagte Widrig weiter. Im Raum stehen seit längerem etwa Pistenumbauten, etwa der Bau von Schnellabrollwegen und Verlängerungen oder die Einführung neuer Flugrouten, wie etwa der Südstart geradeaus.

Starker Franken verdirbt Shoppinglaune

Finanziell blickt der Flughafen auf ein grundsätzlich gutes Jahr zurück. Der Umsatz erhöhte sich auf 989 Millionen Franken, was einem Plus von 2,6 Prozent entspricht. Die Erträge aus dem Fluggeschäft stiegen um 3,6 Prozent an, insbesondere dank der gestiegenen Zahl der Lokalpassagiere.

Im Nicht-Fluggeschäft stieg der Umsatz allerdings nur um 0,8 Prozent. Vor allem die Transferpassagiere waren wegen des starken Frankens weniger in Shoppinglaune.

Weniger Gewinn wegen Schallschutzprogramm

Unter dem Strich verdiente der Flughafen trotz höherem Umsatz weniger Geld: Der Gewinn beträgt für das vergangenen Jahr 179,8 Millionen Franken. Das ist ein Minus von 13 Prozent. Wie Finanzchef Daniel Schmucki vor den Medien ausführte, löste vor allem die Ausweitung des Schallschutzprogrammes höhere Kosten aus. Ohne diese Sonderkosten würde der Gewinn bei 215,3 Millionen Franken liegen.

Der am Freitag präsentierte Jahresabschluss wird auch die Aktionäre - unter anderem den Grossaktionär Kanton Zürich - freuen. Die ordentliche Dividende soll von 13.50 auf 15 Franken erhöht werden. Zudem wird eine Zusatzdividende von 16 Franken beantragt.