Sonderschulung erfolgt in verschiedenen Formen: Manche Kinder besuchen eine Sonderschule, andere werden im Rahmen einer Regelklasse speziell unterstützt, wieder andere gehen in eine Tagessonderschule oder ein Schulheim. In Ausnahmefällen erhält ein Kind während maximal sechs Monaten Einzelunterricht.

2015 hatten 65 der etwa 200 Schulgemeinden Sonderschulungsquoten von mehr als 5 Prozent, wie Marion Völger, Chefin des kantonalen Volksschulamtes, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärte. In fünf Gemeinden waren es sieben bis zehn Prozent.

Die Ursachen seien unterschiedlich. Eher gering wirke sich der Sozialindex aus. Wichtiger seien "historisch gewachsene Besonderheiten der Zuweisungsverfahren" und die "Integrations- und Separationskultur der Schulgemeinden".

Laut Völger ist für den Entscheid Sonderschulung oder nicht das Verfahren "Schulische Standortgespräche" verbindlich. Die Zuweisung zur Sonderschulung erfordert zudem eine schulpsychologische Abklärung.

Letztlich entscheidet die zuständige Schulpflege. Eine einmal angeordnete sonderpädagogische Massnahme muss jährlich überprüft werden. Sie wird nur so lange wie nötig aufrecht erhalten.

Über die Kosten der Sonderschulung gibt es nur teilweise Angaben. So verfügt der Kanton namentlich über keine Zahlen zu den Kosten der zunehmenden Sonderschulung in Regelklassen, weil für deren Finanzierung die Gemeinden zuständig sind.

Analyse und Massnahmenplan

Auf verschiedenen Ebenen bemühen sich Kanton und Gemeinden, die Sonderschulungsquoten nicht weiter ansteigen zu lassen. Dazu gehört das Standardisierte Abklärungsverfahren (SAV), das seit Schuljahr 2013/14 gestaffelt eingeführt wurde. Das von der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz entwickelte Instrument gewährleistet einheitliche Strukturen der Abklärung in den Gemeinden.

Zudem hat der Kanton Kontakt zu Gemeinden aufgenommen, die eine Quote von 3,5 Prozent und mehr aufweisen. Die dortigen Gegebenheiten werden gemeinsam analysiert und ein individueller Massnahmenplan zur Stabilisierung oder Senkung der Sonderschulungsquote erstellt. Nach zwei Jahren wird laut Völger überprüft, ob er greift.

Zu den kontaktierten Gemeinden gehört Winterthur, wie der "Landbote" am Montag berichtete. Der zuständige Winterthurer Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) strebt demnach eine Sonderschulungs-Quote von vier Prozent an. Heute liegt sie bei über fünf Prozent.

Dieser Wert kann nicht für jede Gemeinde gelten. Er muss laut Völger individuell festgelegt werden - gerade in kleinen Gemeinden könnten ein paar wenige Kinder die Quote in die Höhe treiben. Über den ganzen Kanton gesehen, seien vier Prozent aber durchaus realistisch.