Herr Girod, mit über 80 000 Stimmen sind sie auf dem guten vierten Platz gelandet – deutlich vor GLP-Kandidat Martin Bäumle. Aber der Rückstand auf SP, FDP und SVP bleibt doch auch enorm. Lässt sich dieser Rückstand noch aufholen?

Bastien Girod: Im ersten Wahlgang sind alle von ganz unterschiedlichen Positionen aus gestartet. Die drei grossen Parteien lagen weit voran. Die Medien hatten mich als Aussenseiter eingestuft. Im Hinblick auf einen zweiten Wahlgang ist die Ausgangslage nun anders. Alle verbleibenden Kandidaten werden von der gleichen Linie aus starten. Die Chancen sind damit anders verteilt.

Sie treten also wieder an?
Ich will erst einmal eine Nacht drüber schlafen, bevor ich mich festlege.

Im Ernst? Bei diesem guten Resultat?
Die Partei wird am Montagabend im Volkshaus entscheiden, wie es weitergeht. Die Ausgangslage sieht gut aus, es dürften wohl noch drei Personen antreten. Aber es geht ja um den Ständerat, die sogenannte "chambre de reflexion", da kann man nicht aus den Emotionen heraus einen Entscheid fällen (lacht).

Bastien Girod Nationalrat Grüne

Bastien Girod Nationalrat Grüne

Sie rechnen im zweiten Wahlgang also mit drei Kandidaten, also dass neben den Grünen die FDP und SVP antreten werden?
Das war das Szenario, auf das ich im Wahlkampf immer verwiesen habe, dass dies unsere Chance wäre.

Zwei linke Zürcher Sitze im „Stöckli“, das wird doch eine Illusion bleiben?
Es geht nicht um die Frage von links oder rechts. Sonst wäre ja auch Daniel Jositsch von der SP nicht schon im ersten Wahlgang gewählt worden. Er hat Stimmen von uns Grünen erhalten, aber auch von bürgerlichen Wählern. Im Ständerat geht es nicht um Parteien, sondern um Personen und ihre Haltungen.

Aber die Grünen vertreten im Kanton keine Mehrheitspositionen, im Nationalrat haben sie wieder verloren.
Der Wahlkampf im Nationalrat war eher seicht. Da gewinnen die finanzstarken, grossen Parteien. Es stehen aber relevante Fragen im Raum, wie Fluglärm, Rentenreform, bezahlbarer Wohnraum.Im Ständeratswahlkampf werden diese thematisiert. Da kann sich der Zürcher Wähler entscheiden, ob er die bürgerlichen Kräfte weiter stärken will oder doch lieber auf Kräfte setzt, die nach Lösungen sucht, die auch vermitteln will.