Zürich

Im Schloss von Bierbrauer Hürlimann wird nun Chinesisch gebüffelt

Schloss Sihlberg in Zürich Enge: Hier sollen Schweizer für Geschäfte mit Chinesen ausgebildet werden.

Schloss Sihlberg in Zürich Enge: Hier sollen Schweizer für Geschäfte mit Chinesen ausgebildet werden.

Das Schloss Sihlberg soll ein Brückenkopf nach China werden. Hier hat sich die New Huadu Business School (NBS) eingerichtet. Die Buisness-Schule will Schweizer Kaderleuten das Geschäften mit China beibringen.

Es ist ein Haus mit Geschichte: Albert Heinrich Hürlimann liess die Villa im Enge-Quartier bauen, als er seine Bierbrauerei von Feldbach hierhin verlegt hatte. Wie damals Hürlimann verlegen auch heute nicht wenige Unternehmen ihre Produktion oder ihre Wachstumshoffnungen. Nur tun sie es – im Zuge der Globalisierung – über weitere Distanzen: nach Asien.

Wegen der kulturellen Unterschiede ist es nicht leicht, als Schweizer zum Beispiel in China Geschäfte zu machen. Deshalb sind die Anstrengungen gross, Kontakte zwischen den Ländern zu knüpfen, sich ein Grundwissen der Sprache und der Gepflogenheiten des anderen Landes anzueignen.

Es gibt Berater, Kurse, Austauschprogramme. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) unterhält unter anderem ein bilaterales Wissenschafts- und Forschungsprogramm mit China. 13 Millionen Franken betrug das Budget für den Zeitraum 2008 bis 2012. Im Jahr 2012 waren 1000 chinesische Studenten an Schweizer Hochschulen eingeschrieben.

China und die Schweiz wollen voneinander lernen. Nicht nur, weil China ein wichtiger Exportmarkt für die Schweiz ist (2011: Exporte für 14,7 Milliarden Dollar und Importe für 7,4 Milliarden), und die Chinesen die neue Hoffnung des Schweizer Tourismus sind. Nicht nur, aber auch.

Eine Schule mit grossem Budget

Mit der New Huadu Business School kommt erstmals eine chinesische Schule in die Schweiz, um den Kaderleuten hierzulande beizubringen, wie man erfolgreich mit China Geschäfte macht. Hinter der Schule steht die New Huadu Charity Foundation, die in China weitere drei Business-Schulen betreibt: in Peking, Schanghai und Fuzhou.

Die Stiftung ist nach eigenen Aussagen eine der grössten Chinas. Das Budget erlaubt es, den amerikanischen Nobelpreis-Träger Edmund Phelps als Schuldirektor zu engagieren. Phelps ist Direktor am Zentrum für Kapitalismus und Gesellschaft an der renommierten Columbia Universität. Er ist heute und morgen anwesend bei den Feierlichkeiten auf dem Sihlberg.

Laut NBS-Mediensprecherin Claudia Zingg lernen die Studenten der Business School – Zielgruppe sind Kaderleute von Firmen in der Schweiz – Chinesisch, sie sollen die Kultur Chinas verstehen und die Gepflogenheiten der Chinesen. Das alles innerhalb von zwei Jahren. Sie sagt: «Man kann nicht mit unserem Mindset nach China gehen und gleich Business machen.» Deshalb soll die Ausbildung an der NBS in die Tiefe gehen, ohne dass die viel beschäftigten Geschäftsleute das Land verlassen müssen.

Monatlich werden chinesische Professoren für viertägige Kurse eingeflogen. Seinen Sprachlehrer kann man für Einzellektionen übers Internet zuschalten, wenn man im Tagesablauf eine halbe Stunde Zeit hat. Als wäre das nicht genug, stellt Zingg noch etwas in Aussicht: Mit der Zugehörigkeit zur NBS eröffnet sich für Schweizer Businessleute ein grosses Netzwerk von NBS-Sudenten und -Absolventen in China.

Was zählt, ist die Marke

Zur Eröffnung der Schule in Zürich hat der Schweizer Botschafter in China eine Note verfasst. Ausserdem ist der chinesische Vizeminister für Bildung anwesend, ebenso wie Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) und weitere chinesische Ehrengäste. Die NBS überlässt nichts dem Zufall.

Ehrengäste hin, Netzwerk her: «Am Ende zählt der Brand der Schule», sagt Roger Moser von der Universität St. Gallen (HSG). Er ist Direktor des Asia Connect Centers der HSG, welches mit Beraterfirmen und der Handelsförderungsorganisation Osec zusammenarbeitet, um Schweizer Unternehmen das Geschäft mit Asien zu erleichtern. Moser hat in Indien und China gelebt, geforscht und gelehrt. Lehre und Forschung lassen ihn immer noch regelmässig in die zwei Länder reisen. Mit dem Asia Connect Center hilft er auch asiatischen Unternehmen, in der Schweiz Fuss zu fassen.

Er sagt, die New Huadu Business School sei keine Konkurrenz für Angebote, wie sie die HSG und die Beraterfirmen machen. Er sieht die NBS als Ergänzung. Moser sagt aber auch, dass diese Schule die logische Fortführung des Geschäftsmodells China sei. Die Stiftung habe erkannt, dass man in diesem Bereich Geld verdienen könne: Indem die Chinesen selbst den Ausländern beibringen, wie man im Reich der Mitte Geschäfte macht. «Die Logik ist wie immer in China», sagt Moser, «glasklar». Das gleiche Vorgehen beobachtet er in der Hotellerie: Chinesische Investoren kaufen Schweizer Hotels, in denen chinesische Touristen übernachten. Auch für ein chinesisches Einkaufszentrum für chinesische Touristen gab es in der Schweiz schon Pläne.

Laut dem HSG-Experten ist für die NBS entscheidend, dass sie gute Dozenten hat und das Netzwerk in China tatsächlich genutzt werden kann. Es reiche aber nicht, nur Absolvent einer Schule zu sein, um tragfähige Geschäftsbeziehungen zu knüpfen. «Bei uns kommt das Vertrauen mit dem Geschäft», sagt Moser, «in China ist es das Gegenteil: Das Geschäft kommt mit dem Vertrauen.» Dieses Vertrauen müsse man sich erarbeiten. Auch für einen Kenner wie Roger Moser ist das ein schwieriger und langwieriger Prozess.

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