Das Tempo hat Laura Schacht aus ihrer norddeutschen Heimat mitgebracht. Hinter der Bar im 35. Stock des Prime Towers hantiert sie so flink; eh man sichs versieht, ist das Glas gefüllt. «La Caoba» nennt sie den Drink, den sie für die Schweizer Meisterschaft kreiert hat. Das ist Spanisch für Mahagoni, denn so sieht er aus. «Für mich spiegeln verschiedene Geschmacksrichtungen auch verschiedene Farben und Gefühle wider, daher denke ich oft in Farbkategorien, wenn ich an neuen Drinks arbeite», erklärt Schacht.

Die 24-Jährige arbeitet seit der Eröffnung des «Clouds» im Dezember 2011 an der Bar. Davor war sie im «Tao’s» und im «Blue Monkey» beschäftigt. Bartender ist ihr zeitraubender Nebenjob. Eigentlich kam Schacht nach Zürich, um an der Uni Publizistik zu studieren. Nun ist sie in den letzten Atemzügen für den Bachelor.

Angefangen hat alles mit der Hausbar bei ihren Eltern und ein paar Cocktail-Büchern, die herumstanden. Gelernt hat sie ihr Handwerk «on the Job». Nun arbeitet Schacht am Feinschliff ihrer Kreationen, die sie morgen in Madrid servieren wird. Für die Disziplin «Food Pairing» muss sie einen neuen Drink erfinden, der zu iberischem Rohschinken passt. Er kommt im hohen Martini-Glas daher, mit Noten von gerösteten Mandeln und Butter sowie einer Prise indonesischem Kubebenpfeffer. «Vielleicht kommt noch ein Spritzer Cedro-Zitrone hinzu», spricht sie, und schon quetscht sie ein Stück Schale über dem Glas aus. Winzige Tröpfchen ätherischer Öle legen sich auf die Oberfläche der Flüssigkeit.

Hinter der jungen Bartenderin steht die Spirituosenwand, die Flaschen aufgereiht auf etwa so vielen Regalen wie der Prime Tower Stockwerke hat. Nun tüftelt sie an neuen Ideen, wenn sie nicht gerade in der Küche des Restaurants steht und mit dem Küchenchef über Zutaten und Aromanoten philosophiert.

Häufig findet Schacht ihre Zutaten nicht fixfertig im Regal. Für den «La Caoba» hat sie Rum mit geröstetem Schwarzbrot aromatisiert. «Es gibt jede Menge Sirups und Liköre zu kaufen, aber vieles kann man selber und besser herstellen», findet Schacht. «Wer Gurkengeschmack haben will, soll keinen Gurkensirup, sondern frische Gurken verwenden», findet sie. Dass man dabei auf Regionalität und Saisonalität achtet, versteht sich für Schacht von selbst: «Sind keine frischen Erdbeeren erhältlich, gibt es auch keine Drinks mit Erdbeeren.»

Wenn Schacht nicht arbeitet oder gerade in der Uni sitzt, streift sie durch die Delikatessabteilungen von Globus und Jelmoli, auf der Suche nach Inspiration.

Und welche Gäste sind ihr die liebsten? «Oft die Gäste am Tresen, die probieren am ehesten etwas Neues aus.»