Zürich
«Im Moment sitzen die Leute auf ihrem Geld»

Die Banken zahlen kaum noch Zinsen, die Wirtschaftslage ist unsicher. Was tun mit Erspartem? An der Zürcher Finanzmesse gibt es Tipps.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Besucher an der Finanzmesse: Wohin mit dem Geld?mts

Besucher an der Finanzmesse: Wohin mit dem Geld?mts

«Grüezi, ich habe 50000 Franken auf der Seite, möchte das Geld anlegen aber möglichst nichts verlieren. Was raten Sie mir?» Die Dame am Messestand des Geldinstituts Rothschild macht grosse Augen: «Sie wollen nichts verlieren? Das ist schlecht, dann muss man gar nicht an die Börse», sagt sie. Ohnehin richte sich Rothschild nur an institutionelle Anleger, mit Fokus auf Europa. Staatsanleihen seien derzeit ganz schlecht, Unternehmensanleihen höher bewertet, aber mit dem Risiko verbunden, dass Unternehmen in Konkurs gehen. Selbst gesunde Unternehmen seien derzeit an der Börse tief bewertet. «Im Moment sitzen die Leute auf ihrem Geld», erklärt sie – und rät dem potenziellen Privatanleger, sich an seine Hausbank zu wenden.

Also weiter zum Stand der Postfinance mit der 50000-Franken-Frage. «Sie könnten selber E-Trading machen», schlägt der Berater des gelben Riesen vor. «Wir haben eine entsprechende Online-Plattform im Angebot.» Zu aufwändig? «Dann wäre ein Obligationenfonds mit geringem Aktienanteil denkbar.» In den letzten fünf Jahren habe das eine Rendite von 3 Prozent erbracht. Als noch konservativere Option empfiehlt er das E-Depositenkonto mit 1 Prozent Zins. Das sei immer noch höher als die 0,25 Prozent, die normale Bankkonten derzeit abwerfen würden.

Vorsichtige Kunden

Nach den Boomjahren 2003 bis 2007 folgten strube Zeiten: Die Bankenkrise von 2008, ein kurzer Aufschwung, dann die Schuldenkrise diverser Staaten. Resultat: «Die Kunden sind sehr vorsichtig geworden», sagt der Postfinance-Berater. «Unsicherheit ist da.» Dabei wäre es angesichts der tiefen Zinsen nicht unbedingt die beste Idee, sein Geld zu horten.

Die Dame am Stand der Zürcher Kantonalbank preist Investitionen in Nachhaltigkeits-Fonds an: So könne man etwa in kleine und mittlere Solarenergie-Unternehmen investieren. Oder in soziale Firmen, die gut für ihr Personal sorgen. «Die Nachfrage nach solchen Fonds nimmt zu», stellt sie fest – allerdings ohne Rendite-Zahlen zu nennen. Zum Abschied meint sie noch: «Wer das Geld für seine Pension braucht, lässt es besser auf dem Konto.»

Ein UBS-Berater eröffnet sein Referat mit einer persönlichen Bemerkung: Er stamme aus einer klassischen Banker-Familie, schon sein Vater habe während 40 Jahren zuerst für den Bankverein, dann für UBS gearbeitet. «Aber eine Situation wie heute, mit rekordtiefen Zinsen und dieser Unsicherheit hat er nie erlebt.» Fazit des jungen UBS-Beraters: «Investitionen sollten logisch und simpel sein.» So wie UBS-Allrounder, ein Fonds-Angebot, das sich an den klassischen vier Phasen von Konjunkturzyklen orientiert: Aufschwung – Boom – Abschwung – Rezession. Je nachdem, in welcher Phase die Wirtschaft gerade sei, werde der Fonds mehr mit den dafür Erfolg versprechenden Titeln bestückt, wobei die für die anderen Phasen typischen Titel immer auch noch darin enthalten blieben. So sollten einseitige Risiken vermieden werden.

«Die wissen gleich viel wie wir», flüstert ein Rentner, der dem Vortrag zuhört, seinem Nachbarn zu. Früher habe er den Beratern mehr vertraut, erklärt er später im Gespräch. «Jetzt höre ich ihnen zu und bilde mir dann eine eigene Meinung.» In den letzten Jahren habe er auf diese Weise keinen einzigen Franken verloren: «Ich habe immer rechtzeitig verkauft, manchmal völlig entgegen den Empfehlungen der Bankberater.»