Tonhalle Maag
Im Kreis 5 folgen auf den Baulärm die Klänge Beethovens

Der Bau der Tonhalle im Kreis 5 ist komplex – die Zugluft darf nicht lauter sein, als ein zu Boden fallendes Blatt Papier.

Lina Giusto (Text) und Severin Bigler (Fotos)
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"Ab Ende September tönt es hier um einiges klassischer" - so wird der Besucher bei der Baustelle begrüsst.
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Nach dem Kassenbereich gelangt der Besucher ins Foyer - wo einst die Bässe der Diskothek Härterei wummerten.
Die Konzerthalle ist mit Fichtenholz ausgekleidet. Die Arbeiten sind noch im vollen Gange.
Ein Rundgang durch die Tonhalle-Maag-Baustelle
Leere Kabelbinder zeugen davon.
Die Lüftungskanäle sind abgeschrägt, damit die einströmende Luft keinen allzugrossen Lärm verursacht.
Die Korpusse der Notenbibliothek warten bereits darauf, gefüllt zu werden.
Präsident der Tonhalle-Gesellschaft, Martin Vollenwyder und Architekt Harald Echsle (rechts) führten durch die künftige Tonhalle Maag.

"Ab Ende September tönt es hier um einiges klassischer" - so wird der Besucher bei der Baustelle begrüsst.

SEVERIN BIGLER

In 131 Tagen erklingt im Fichtenholzsaal der Tonhalle Maag im Zürcher Kreis 5 die neunte Sinfonie von Beethoven. Es wird das erste Konzert im für drei Jahre interimistischen Saal des Tonhalle Orchesters nahe der Hardbrücke sein. Wie sich am gestrigen Rundgang auf der Baustelle zeigt: Die Arbeiten laufen auch Hochtouren, die rund vierzig Arbeiter hämmern, sägen, bohren und streichen.

Trotzdem gibt es bis zum 7. Juli, dem Einzugstag der Tonhalle Gesellschaft in das Industriegebäude , noch viel zu tun. Martin Vollenwyder, Präsident der Tonhalle-Gesellschaft Zürich, versichert, dass der Bau im Plan liegt: «Ich habe zur Zeit einen guten Schlaf.» Das dürfte nicht immer so gewesen sein: Die Dimension des Baus von Konzertsaal, Zugangsfoyer, Klangraum, Garderoben, Einspiel- und Aufenthaltsräumen für Musiker und Sänger, Umkleideräume, Instrumenten- und Notenlager sowie Büros für die Administration, ist immens.

Klassik trifft auf Fichte und Eiche

Dazu sagt Vollenwyder: «Wir können nicht nur Bauen, wir können das Ganze auch bezahlen.» Insgesamt 10 Millionen Franken kostet der Ausbau, wovon 1,65 Millionen Franken von der Stadt Zürich übernommen werden. Wie Vollenwyder sagt, übernehmen Private und Stiftungen den Rest. Für den laufenden Betrieb rechnet Vollenwyder mit jährlich 1,5 Millionen Franken. Die Miete ist dabei nicht mit eingerechnet. Diese trägt während der Spieldauer in der Tonhalle bis 2020 die Stadt Zürich. Die Tonhalle Maag wird zudem ausserhalb der Spielzeiten auch an Dritte vermietet.

«In der Zeit zwischen Bezug und Eröffnungskonzert wird ein Akustiker den Konzertsaal auf Herz und Nieren prüfen.»

Harald Echsle, Architekt der Tonhalle Maag

Seit Beginn diesen Jahres ist der Umbau der ehemaligen Diskothek Härterei und der dahinterliegenden Halle im Gang. Die einstige Disco wird künftig als Foyer der Tonhalle Maag dienen. Von dort aus gelangen die Besucher in den rechteckigen Konzertsaal aus Holz. Wobei Harald Echsle von Spillmann Echsle Architekten die Form relativiert: «Es ist ein rechteckiger Raum ohne rechte Winkel.» Der Saal m mit einer Eichenparkettfläche kann flexibel bestuhlt und die Bühne multifunktional eingesetzt werden. Insgesamt finden hier 784 Personen Platz.

Das Obergeschoss mit fix bestuhltem Rang für den Chor bietet auf dem Balkon und den Längsgalerien für weitere 440 Personen Platz. Wie der akustische Raum klingen wird, werden die ersten Orchesterproben, die im August stattfinden zeigen. «In der Zeit zwischen Bezug und Eröffnungskonzert wird ein Akustiker den Konzertsaal auf Herz und Nieren prüfen», so Echsle. Dieser werde dann die einzelnen hölzernen Einbauten, wie die kubischen Deckenplatten so justieren und regulieren, dass der Konzertsaal seine Klangqualität entfalten könne.

Für Aufmerksamkeit sorgen knapp 500 offene Löcher im Boden des Saals. Fussballgrosse Öffnungen, mit abgeschrägtem Kanal, sind ersichtlich. Bald ist klar: Es handelt sich um die Bodenlüftung. Dass die Kanäle jedoch abgeschrägt in den Boden gebohrt wurden, wirft Fragen auf. Vollenwyder erklärt: «Wenn die Luft schräg in den Raum strömt, verursacht sie rund drei Dezibel weniger Lärm, als wenn sie senkrecht aus dem Boden kommt.» Die Lüftung im leeren Saal dürfe maximal 25 Dezibel betragen, ergänzt Echsle. Zum Vergleich: Dieser Pegel entspricht in etwa einem zu Boden fallenden Blatt Papier. Das sei eine der akustischen Anforderungen beim Konzertsaal. Wie sich Beethovens Neunte im säulenfreien Holzraum – einer der grössten seiner Art – entfaltet, darauf dürften sich Orchester und Besucher wohl gleichermassen freuen.