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«Im Knast. Ein Bericht»: Ehemaliger Pöschwies-Häftling klagt Justiz an

Ein verurteilter Mörder und ehemaliger Insasse des grössten Schweizer Gefängnisses schildert in einem neuen Buch gravierende Missstände.

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Keystone

Mediziner, die Kranke nicht behandeln, sadistische Psychologen, schikanierende Wärter: So soll ein afrikanischer Mithäftling während Monaten über höllisches Bauchweh geklagt haben. Der zuständige Gefängnisarzt jedoch sei untätig geblieben. «Er tat die Schmerzen mit der Diagnose Luft im Bauch ab. Er teilte den Werkmeistern mit, es handle sich um einen Simulanten», heisst es im Buch.

Zwei Wochen später sei der Mann gestorben – an einem fortgeschritten Krebsgeschwür in der Magengegend. Hinter dem Buch mit dem Titel «Im Knast. Ein Bericht» steht ein verurteilter Mörder, der über ein Jahrzehnt, vor allem in den Nullerjahren, hinter Gittern sass und seit wenigen Jahren frei ist. Er schreibt unter dem Pseudonym Simon Volkart. «SonntagsBlick» hat den Mann getroffen. Gegenüber der Zeitung, der die Identität des Mannes bekannt ist, gibt Volkart offen zu, dass es auch fiktive Teile im Buch gebe: Die Deliktgeschichte und der Prozess des Ich-Erzählers sind erfunden. «So will ich meine Identität schützen», sagt er.

Hauptsächlich im Interesse seiner Familie. Die Zürcher Justizdirektion teilt zu den Vorwürfen mit: «Es ist für uns unmöglich, auf den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung zu reagieren, wenn ein geschildertes Ereignis derart weit zurückliegt, wir nicht einmal den Namen des Gefangenen kennen und viele der damaligen Mitarbeitenden gar nicht mehr für uns tätig sind.» (AZ)