Was aussieht wie ein kleiner, runder Radiowecker, ist tatsächlich ein Notrufgerät. Es heisst Caru. Es ermöglicht auch im höheren Alter sicheres Wohnen zu Hause. So erlernt das unscheinbare Gerät mittels Sensordaten von Raumparametern das Normalverhalten des Bewohners. Das alles ohne, dass man etwas am Körper tragen muss.

Susanne Dröscher, Gründerin des Zürcher Startups Caru, erklärt, wie das funktioniert: «Nimmt die Temperatur drastisch ab und die Luftqualität wird besser, so lüftet der Nutzer wahrscheinlich gerade das Zimmer. Steigen die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur und die Luftqualität sinkt, so kocht er vielleicht.» Aufgrund solcher registrierten Daten, die ohne Kameraaufnahmen gesammelt werden, erkennt das Gerät verändertes Verhalten oder Inaktivität des Nutzers. Tritt eine solche Situation ein, baut Caru automatisch eine Sprachverbindung zu einer Vertrauensperson oder einer Notrufzentrale auf. Um zum Beispiel nach einem Sturz aktiv Hilfe zu holen, kann der Bewohner auch einen Notrufknopf betätigen oder einfach um Hilfe rufen. Caru nimmt das wahr und informiert Dritte.

2018 auf dem Markt erhältlich

Die Lernzeit des rundlichen Gerätes ist abhängig vom Nutzerverhalten. «Die Einstellzeit dauert von einigen Tagen bis hin zu wenigen Wochen. Hat ein Nutzer einen regelmässigen Tagesablauf, ist die Lernphase kürzer», sagt Dröscher. Datensicherheit und Transparenz schreibt das Startup gross. Das Gerät zeigt deshalb an, ob es sich in der Lernphase befindet oder diese bereits abgeschlossen hat. Ausserdem kann der Nutzer jederzeit auf einer Plattform im Internet den Verlauf des Lernprozesses einsehen.

Während der Lernphase kann über das Gerät ohne Einschränkungen aktiv ein Notruf abgesetzt werden – sei es durch einen Hilferuf oder den Notfallknopf. Generell informiert Caru aber immer zuerst den Nutzer über einen lokalen Alarm in Form eines Licht- und Tonsignals. Der Nutzer kann diesen quittieren, in dem er auf den Notfallknopf drückt oder «Stopp» ruft. Tut er das nicht, gibt das Gerät in einem zweiten Schritt einen Notruf nach aussen ab. «Das ist eine Sicherung für allfällige Fehlalarme und ein weiterer Beitrag dazu, dem Nutzer die Kontrolle über das Gerät zu belassen», so Dröscher.

Zu Hause alt werden

Derzeit befindet sich das Produkt in der Testphase. Unter anderem prüft das Zürcher Jungunternehmen die Anwendung mit 48 potenziellen Nutzern im Alter von 65 Jahren und älter. In einem Altersheim ist das Gerät ebenfalls als Rufanlage im Testeinsatz. «Wir arbeiten unter Hochdruck an der seriellen Herstellung und werden Caru Mitte 2018 lancieren», so Dröscher. Dann soll das Gerät in einem Servicemodell angeboten werden. Je nach Bedürfnissen kann der Nutzer verschiedene Funktionen wählen und so das Abonnement individuell anpassen. Die genauen Preise will das Unternehmen Anfang des nächsten Jahres kommunizieren.

«Menschen sollen auf die Art alt werden, wie sie es sich wünschen, denn nur dann bleiben sie ein aktiver Teil der Gesellschaft», sagt Dröscher. Gerade unabhängiges und sicheres Wohnen sei eine Grundvoraussetzung dafür. Wohl deshalb wurde das patentierte Internet-der-Dinge-System bereits mit einem Innovationspreis der Nürnberger Altenpflegemesse 2017 ausgezeichnet. Dort erhielt das Gerät auch die Bezeichnung «Mitbewohner der Zukunft».