Zürich

Im Fall Mörgeli haben viele versagt

Aeppli nimmt in der Affäre Mörgeli eine zweifelhafte Rolle ein. Zu diesem Schluss kommt die Aufsichtskommission.

Aeppli nimmt in der Affäre Mörgeli eine zweifelhafte Rolle ein. Zu diesem Schluss kommt die Aufsichtskommission.

Der von der Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit einstimmig verabschiedete Bericht rollt den Fall Mörgeli neu auf und kommt zum Schluss: die meisten Beteiligten haben versagt.

Um die Ereignisse am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich aufzuklären, hat die ABG im letzten halben Jahr alle Involvierten teils mehrmals befragt. Den daraus entstandenen Bericht hat die Kommission einstimmig abgesegnet und nun den Medien präsentiert.

Nach Meinung der ABG tragen in erster Linie die obersten Führungsorgane der Universität die Verantwortung für die Eskalation rund um die Entlassung Mörgelis. Die Vorgesetzten hätten «mit ihren Handlungen und Unterlassungen kollektiv versagt», stellte ABG-Mitglied Willy Haderer (SVP) fest. Insbesondere die Rolle der Präsidentin des Universitätsrates, Regierungsrätin Regine Aeppli, erscheint zweifelhaft. Sie soll die Kündigung Mörgelis angeordnet, und damit ihre Kompetenzen überschritten haben.

Der Bericht macht aber ebenso klar, dass bereits lange vor der Entlassung des Medizinhistorikers und SVP-Nationalrats Christoph Mörgeli schwere Fehler begangen wurden. So hat der frühere Leiter des Instituts, Beat Rüttimann, kaum Interesse am Bereich Medizinalgeschichte gezeigt und auch die Führung seines Mitarbeiters stark vernachlässigt. Iris Ritzmann, die später die Leitung interimistisch innehatte, konnte die Defizite nicht beseitigen.

Als Flurin Condrau im Februar 2011 die Leitung des Instituts übernahm, fand er ein Institut vor, das keinesfalls seinen Ansprüchen entsprach. Auch die Leistungen Mörgelis bemängelte er. Seine Beanstandungen wurden jedoch nicht gehört, weder von Dekan Klaus Grätz noch von Sebastian Brändli, dem Chef des Hochschulamtes und Aktuar des Universitätsrates.

Ebenso, heisst es weiter im Bericht, schien niemand die Brisanz um die Person Mörgeli im Zusammenhang mit der steigenden Gefahr der Eskalation erkennen zu wollen. Nach einem ersten Mitarbeitergespräch mit Mörgeli im Februar 2012 gleiste Condrau eine Zielvereinbarung auf. Würde diese bis im September nicht erreicht, sollte eine sechsmonatige Bewährungsfrist in Kraft treten. Dies beurteilte die ABG als richtiges Vorgehen. Es sei jedoch «ungeschickt», dass Condrau bereits zuvor in Gesprächen verlauten liess, Mörgeli werde die Ziele nicht erreichen.

Iris Ritzmann wird vorgeworfen, dies gegenüber dem «Tages-Anzeiger» bekannt gemacht zu haben, der die Affäre Mörgeli am 12. September 2012 mit einem Artikel ins Rollen brachte.

Aussage gegen Aussage

Knapp eine Woche nach der Publikation – die «Schweiz am Sonntag« hatte inzwischen berichtet, Mörgelis Entlassung sei bereits beschlossene Sache – kam es zu einer Sitzung mit Regine Aeppli, Rektor Andreas Fischer und einer Personalverantwortlichen. Darin soll Aeppli ihre Kompetenzen überschritten und die Kündigung Mörgelis angeordnet haben. Aeppli bestreitet dies. Gemäss dem ABG-Bericht fällt auf, dass sich die Aussagen des Rektors und der Personalverantwortlichen decken und es keinen Grund gebe, wieso diese die Unwahrheit sagen sollten. Weiter kritisiert die ABG eine Aussage Aepplis gegenüber der Fernsehsendung «Rundschau». Im Verlauf des Interviews sprach sie von einer Bewährungsfrist von sechs Monaten, die man Mörgeli auferlegt habe. Kritik übt die ABG zudem am Vorgehen des Universitätsratsmitglieds Kathy Riklin, die in ihrer Eigenschaft als Nationalrätin wiederholt gegenüber Medien das Verhalten Mörgelis beanstandete.

Stärkung der Unileitung

Zu Mörgeli und Ritzmann äusserte sich die ABG nicht weiter. Sie wolle nicht in laufende gerichtliche Verfahren eingreifen. Die Kommission gab jedoch Empfehlungen. Unter anderem regt sie an, die Kommunikationsverantwortlichen der Universität künftig in die Entscheidungsfindung einzubeziehen und die Universitätsleitung als Kollegialbehörde zu stärken. Letzteres hat die Führung der Uni bereits umgesetzt.

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