Wozu klaut jemand ein Radargerät? Auf diese Frage lieferten gestern am Bezirksgericht Meilen die zwei geständigen Angeklagten unterschiedliche Antworten: Der 39-jährige Petr H. gab zuerst an, er wisse es nicht, er sei lediglich als Chauffeur dabei gewesen. Auf Nachfrage: für die Wohnungseinrichtung. Das Gerät habe aus drei Kästen bestanden.

Sein Komplize, der 29-Jährige Lukas P., sprach von einem Witz, dann davon, dass sie auf Drogen gewesen seien, als sie vom Gerät fotografiert wurden. Da sei ihnen nichts anderes in den Sinn gekommen, als es mitzunehmen. Leicht dürfte ihnen dies nicht gefallen sein. Die etwa ein Meter hohe mobile Geschwindigkeitsmessanlage im Wert von 90  000 Franken wiegt zwischen 50 und 60 Kilo.

Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hatte H. im letzten Frühling innert eines Monats neun Diebstähle begangen, P. sieben. Die Deliktsumme: gut 108 000 Franken.

Geklaut haben sie hauptsächlich elektronische Geräte, so in Pfäffikon SZ und Lachen, zuletzt in einem Elektronikfachmarkt in Dietikon.

Nebst dem bandenmässigen Diebstahl waren sie auch einzeln unterwegs: So liess H. in einem Warenhaus zwei Lederjacken mitgehen, P. drang in Jona in eine Garage ein, wo er ein 4300-fränkiges Fahrrad entwendete.

Die beiden gebürtigen Tschechen waren als Touristen in die Schweiz eingereist und bei Bekannten im Kanton Schwyz untergekommen.

Sie fielen bereits vor der Einbruchsserie auf: H., indem ihm der Führerausweis entzogen wurde, P. durch einen ersten Einbruch.

Überraschendes Bekenntnis

Die Einzelbefragung vor Gericht zeigte: Eine langjährige Bekanntschaft, Drogen und Diebstähle verbinden die beiden. P., der keinen Beruf gelernt hat, finanziert seinen Lebensunterhalt und seine Drogensucht seit Jahren mit Einbrüchen.

In seiner Heimat erwartet ihn wegen weiterer Delikte eine langjährige Haftstrafe. «Ob er ein Berufsverbrecher sei», fragte ihn der Gerichtspräsident.

Nein, gab er grinsend zur Antwort, als Professioneller wäre er nicht im Gefängnis gelandet. Er konsumiere seit 10 Jahren Crystal Meth.

Während der Verhandlung sorgte er für eine Überraschung: Er bekannte sich nebst der gestandenen Diebstähle zu zehn weiteren. Ein Bekenntnis weiterer Taten ist in der Anklage im abgekürzten Verfahren nicht vorgesehen – und um je ein solches handelte es sich gestern.

In beiden Fällen hatten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung abgesprochen und sich vorgängig auf ein Strafmass geeinigt, weil die Angeklagten geständig waren.

«Es tut mir leid»

H., der seine Strafe derzeit in Horgen absitzt, zeigte sich reuig. «Es tut mir sehr leid. Es wird nicht wieder vorkommen», sagte er. Der gelernte Glaser war bis zu seiner Einreise als Buschauffeur tätig.

Nach Absitzen seiner Strafe wolle er sich in Tschechien Arbeit suchen und sich um seine pflegebedürftige Mutter kümmern.

Er wurde wie ausgehandelt zu 18 Monaten unbedingt und einer Busse von 200 Franken verurteilt – auch wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Wie P. hatte er Drogen eingeführt und konsumiert.

Mit seinen zwei Vorstrafen in Tschechien wurde er relativ hart bestraft. Denn auch für P. waren 18 Monate unbedingt vorgesehen, trotz Vorstrafenregister mit mindestens 15 Vergehen.

Mit seinem Fall muss sich die Staatsanwaltschaft erneut beschäftigen. P. wurde zurück in Haft nach Zürich gebracht, wo es ihm nach eigenem Bekunden gefällt.

Das gestohlene Radargerät ist wieder im Einsatz. Laut Uetiker Gemeindeverwaltung war nach der Konfiszierung aber ein erheblicher Aufwand nötig.