Oktoberfest

Im Dirndl ans Oktoberfest: was Schürzenjäger wissen sollten

Reni Allemann hat aus dem Boom der Schweizer Oktoberfeste ein Geschäft gemacht. Sie verkauft bayrische Trachten an Freunde der Wiesn.

Es mag auf den ersten Blick unpassend erscheinen, am Tag vor der Street Parade über bayerische Trachten zu berichten. Doch während die Techno-Parade nur einmal im Jahr stattfindet und nur Zürich in ihren Bann zieht, haben sich Oktoberfeste nach Münchener Vorbild landauf, landab in den letzten Jahren immer mehr ausgebreitet. Und mit dem Boom der Oktoberfeste, deren Saison bereits im September beginnt, ist auch die Tradition von Dirndl und Lederhosen von Bayern in die Schweiz übergeschwappt.

Reni Allemann hat daraus ein Geschäft gemacht: Seit vier Jahren tingelt die Thurgauerin, die in Zürich lebt, durchs Land, um Besucherinnen und Besucher von Schweizer Oktoberfesten stilecht einzukleiden. Es begann am Oktoberfest in Baden, wo sie vor vier Jahren arbeitete. «Anfangs vermietete ich die Trachten nur», sagt die 30-Jährige. Doch immer öfter sei sie gefragt worden, ob man die Dirndl, Lederhosen und karierten Hemden auch kaufen könne. Neben dem Direktverkauf an Oktoberfesten baute sie ihr Online-Geschäft wiesnshop.ch auf. Im vergangenen Juli eröffnete Allemann auch einen Showroom in Wallisellen. Seit einem Jahr ist der Handel mit bayerischen Trachten nun ihr Vollzeitjob.

«Schleife links, Glück bringt’s»

Die Konkurrenz ist gross: Auch Grossverteiler wie Lidl, Vögele, C&A oder der Online-Handel Zalando haben inzwischen Oktoberfest-Mode im Angebot. Doch die Nachfrage steigt offenbar weiter: «Langsam wird es ein No-Go, in Jeans und Turnschuhen ans Oktoberfest zu gehen», hat Allemann beobachtet. Anfangs sei die Kundschaft vor allem weiblich gewesen. Jetzt ziehe das Geschäft auch bei den Männern an.

Beim gestrigen Medientermin anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums der Mutter aller Schweizer Oktoberfeste, des Zürcher Oktoberfests auf dem Bauschänzli, weihte Allemann in die Zeichensprache der Dirndl ein: «Dirndl-Schleife links bedeutet gemäss alter Schürzenregel auf dem Oktoberfest: Die Frau ist Single und einem Flirt möglicherweise nicht abgeneigt. Schleife rechts heisst, sie ist vergeben. Trägt sie die Schleife in der Mitte, heisst das, sie ist Jungfrau.» In einem Merksatz zusammengefasst: «Schleife links, Glück bringt’s. Und Schleife rechts ist schlecht.»

Nun ja. Für Schürzenjäger mag dies nützliches Wissen sein. Vor allem, wenn die Blasmusik im Bierzelt lärmt und verbale Kommunikation erschwert. Am
20. Zürcher Oktoberfest auf dem Bauschänzli, das am 9. Oktober beginnt, wird dafür übrigens eine original Münchener Band zuständig sein: Die zehnköpfige Platzl Oktoberfestkapelle spielt während des einmonatigen Fests auf dem Bauschänzli tagtäglich stundenlang durch, bis das Festzelt um 23 Uhr schliesst.

Bier aus Rheinfelden

Auch die Kellnerinnen werden direkt von der Wiesn, wie das grösste Volksfest der Welt in München auch heisst, aufs Zürcher Bauschänzli importiert. Fred Tschanz, der vor drei Jahren verstorbene Bauschänzli-Pächter, legte grossen Wert auf ein möglichst originalgetreues Abbild der Wiesn in Zürich. Seine Enkelin Stéphanie Portmann führt das Unternehmen in seinem Geist weiter.

Nur beim Bier lässt die bajuwarische Authentizität noch immer zu wünschen übrig: Es kommt nicht aus München, sondern von einer Rheinfelder Grossbrauerei, an die die Bauschänzli-Wirtschaft vertraglich gebunden ist, wie Wirt Ralph Bolli auf Anfrage erklärt. Doch es werde eigens fürs Zürcher Oktoberfest gebraut.

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