Melanie Brugger hat ihre Leidenschaften zum Beruf gemacht: Kunst und Kochen. Alle paar Wochen mutiert ihr Wohnzimmer in Zürich zur Gaststube. Dann finden sich bis zu zehn angemeldete Gäste an «Mel’s Table» ein und lassen sich von der 35-Jährigen gegen Entgelt kulinarisch verwöhnen. An den Wänden hängen grossformatige Kunstwerke, die sie mit Acrylfarben selbst gemalt hat. Manche der Gemälde-Sujets bringt sie auch auf den Teller: So wird etwa das grüne Oval auf der Leinwand zu Erbsenschaumsuppe und das weinrote zu Randenschaumsuppe.

Am Anfang war das Buch

Angefangen hat alles mit dem Buch, das die gelernte Textildesignerin und diplomierte visuelle Gestalterin vor einigen Jahren veröffentlichte: «Kochen = Kunst» lautet der programmatische Titel. Darin transformierte Brugger ihre gemalten Kunstwerke in kulinarische Kreationen und stellte die Fotos davon einander gegenüber, ergänzt mit Rezepten. Das Konzept überzeugte: Das Buch erhielt mehrere Preise, unter anderem den «World Cook Book»-Award für das weltweit beste Titelcover und das innovativste Kochbuch im deutschsprachigen Raum.

Gleichzeitig mit der Buchvernissage wagte Brugger den Sprung in die Selbstständigkeit. Seither kocht sie als Störköchin bei ihren Kunden zu Hause, lädt zu sich an «Mel’s Table» ein und wirkt als Catering-Service. Je nach Auftrag bringt sie dabei auch ihre Kunstwerke mit und bietet visuelle Konzepte an.

Praktikum beim Starkoch

Eine Kochlehre absolvierte sie nicht. Die Leidenschaft fürs Kochen nahm sie aus der Küche ihrer Mutter mit. «In der Familie wurde das Kochen am Sonntag immer zelebriert. Meistens durfte ich auch einen Gang übernehmen.»

Mit 13 Jahren habe sie ihren ersten Fünfgänger gekocht. Später, auch als Vorbereitung auf ihr Buch, absolvierte Brugger Praktika beim Starkoch Jacky Donatz und in einem 5-Sterne-Hotel in Saas-Fee. Abgeschreckt vom bisweilen ruppigen Umgangston in den Küchen der Gastro-Tempel zog sie es vor, ihre eigene Chefin zu werden.

«Die ersten drei Jahren waren nicht immer ganz einfach», erinnert sie sich. Inzwischen ist sie seit über sechs Jahren selbstständig im Geschäft – und es läuft. Für grössere Aufträge kann Brugger auf bis zu 25 Personen an Servicepersonal und Köchen zurückgreifen. Kleinere Anlässe erledigt sie allein.

Ein eigenes Restaurant kam für sie nie infrage: «Das wäre mir zu wenig abwechslungsreich.» Als Störköchin und Gastgeberin in den eigenen vier Wänden könne sie individueller auf die Kunden eingehen und immer wieder neue Gerichte kreieren.

Der Blick in fremde Kühlschränke

Interessanter Nebenaspekt: «Es ist auch spannend zu sehen, wie meine Kunden wohnen und wie ihr Kühlschrank aussieht», sagt sie. Weiter ins Detail gehen will sie nicht – Kundengeheimnis. Gefragt, ob sie es komisch finde, bei anderen Leuten zu Hause zu kochen oder wildfremde Menschen in ihrer eigenen Stube zu bekochen, sagt Brugger: «Ich bin eine offene Person und gerne in Gesellschaft.» Schlechte Erfahrungen habe sie damit bisher fast nie gemacht.

Dafür sei bisweilen Improvisationsgabe gefragt. Etwa bei jenem Kunden, der einen Apéro buchte, obwohl sie ihm zu einem Apéro riche geraten hatte: «Am Schluss hatte ich alles verwertet, was ich zur Hand hatte, und spritzte zuletzt als exotische Kombination Wasabi-Schaum in Schoggi-Becher.»

Das Improvisieren liegt ihr: «Ich koche immer aus dem Bauch», sagt sie. Ihre asiatische Herkunft – Brugger stammt ursprünglich aus Bangladesch – spiele dabei höchstens eine Nebenrolle. Ihr Schwerpunkt sei die französisch-mediterrane Haute Cuisine, zum Teil fusioniert mit asiatischen Ingredienzen.

Ausstellung im Mai geplant

Inspiration hole sie sich, indem sie in schönen Kochbüchern blättere oder bei Spitzenköchen essen gehe. Die Zürcher Gastronomie kommt bei der Störköchin nicht allzu gut weg: «Für das, was geboten wird, sind die Preise oft sehr stolz, und die Qualität schwankt vielfach – oder der Service ist nicht sehr freundlich.»

Bruggers nächstes Projekt stellt ihre Kunst in den Vordergrund: «Im Mai will ich endlich wieder eine Ausstellung meiner Bilder machen. Dazu hatte ich letztes Jahr keine Zeit.» Doch ganz ohne kulinarische Genüsse wird auch dieser Anlass nicht stattfinden: «Klar gibts einen Apéro.»

Weitere Informationen im Internet unter www.mel-b.ch oder Tel. 078 628 07 16.