Zürich
Ideenwettbewerb von Elon Musk: Erfolg für ETH-Studenten mit Transportmittel der Zukunft

Überraschung am Hyperloop-Wettbewerb des Tesla-Gründers Elon Musk: Das Team der ETH Zürich holt sich den dritten Platz.

Patrick Züst
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Die ETH-Studenten am Wettbewerb von Elon Musk in Los Angeles.

Die ETH-Studenten am Wettbewerb von Elon Musk in Los Angeles.

Twitter/Swissloop

In einer Viertelstunde von Zürich nach Genf: Das verspricht ein Team der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) und entwickelt dafür eine aerodynamische Kapsel, welche dereinst mit 270 Metern pro Sekunde durch Vakuumröhren rasen soll.

Das revolutionäre Transportsystem nennt sich Hyperloop und wurde im Jahr 2013 von Elon Musk erdacht. Er, der Gründer von Tesla und SpaceX, sieht im futuristischen Rohrpost-System das Transportmittel der Zukunft, welches schneller, umweltfreundlicher, sicherer und erst noch billiger sein soll als alle heutigen Alternativen. Deshalb hat Musk interessierte Studenten auf der ganzen Welt dazu aufgerufen, Prototypen der futuristischen Kapseln zu bauen. Die ETH Zürich ist eines von rund 1200 Teams, welche sich dieser Herausforderung angenommen hatten. Und es ist eines von lediglich 25 Teams, welche vergangenes Wochenende zum finalen Wettbewerb ins kalifornische Hawthorne eingeladen wurden.

Dort bestand «Swissloop» die extensiven Sicherheitsprüfungen mit Bravour und sicherte sich so einen von nur drei Startplätzen für das abschliessende Rennen am Sonntag. Die ETH-Studenten durften vom Sieg in diesem prestigeträchtigen Rennen träumen.

 Elon Musk (im weissen T-Shirt), der Gründer von SpaceX und Tesla, verfolgt die Kapsel des ETH-Teams am SpaceX-Hyperloop-Wettbewerb in Kalifornien. 

Elon Musk (im weissen T-Shirt), der Gründer von SpaceX und Tesla, verfolgt die Kapsel des ETH-Teams am SpaceX-Hyperloop-Wettbewerb in Kalifornien. 

Reuters

Leider waren Batterien leer

Aber im entscheidenden Moment versagte die Technik: Statt dass die 3,5 Meter lange Kapsel wie geplant auf mehrere hundert Stundenkilometer beschleunigte, blieb sie stillstehen. Wegen unvorhergesehener Wartezeiten fielen nämlich die Batterien der Kapsel aus, wodurch auch die Antennen nicht mehr funktionierten. Von ausserhalb der Röhre liess sich das Gerät so nicht mehr steuern. In einem zweiten Anlauf schafften es die Schweizer dann zwar noch auf eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern – ohne Vakuum, dafür mit ihrem berüchtigten Raketenantrieb. Gegen das Gewinner-Team der Technischen Universität München, welches seine Kapsel auf 324 Stundenkilometer beschleunigte, war man damit aber chancenlos.

Obwohl die Veranstaltung am Sonntag aus Schweizer Sicht ein unglückliches Ende nahm, ist der dritte Rang trotzdem eine grossartige Leistung. Dass die ETH bei solchen Wettbewerben vorne mitmischen kann, darf man zwar erwarten; in Sachen Ingenieurwesen gehört die Hochschule zu den besten der Welt. Aber bereits der Finaleinzug war eine grosse Überraschung. Das Team hat sich zuerst nämlich gar nicht für das Rennen qualifiziert: «Während einer Planungsphase hatten wir intern mit diversen Problemen zu kämpfen und konnten deshalb nicht liefern, was die Organisatoren erwarteten», erklärt CEO Luca Di Tizio. Trotzdem habe man sich entschieden, die Kapsel fertigzubauen. «Als dann nachträglich doch noch die definitive Einladung kam, war das der Lohn für all die Strapazen.»

Es ging nur ums Tempo

Bereits im Januar führte Elon Musk mit seiner Firma SpaceX einen Wettbewerb in ähnlicher Form durch, damals allerdings ohne Schweizer Beteiligung. Während dort noch eine Jury anhand verschiedener Kriterien den Sieger bestimmte, zählte dieses Mal nur noch die Höchstgeschwindigkeit. Die meisten Teams, darunter auch Swissloop, haben beim Bau ihres Prototyps den Fokus deshalb nicht auf reale Anwendungen gelegt, sondern auf ein möglichst hohes Tempo. «Unsere Kapsel ist mit dem heutigen Bauplan nicht skalierbar», sagt Di Tizio.

Dennoch will man das Projekt weiterverfolgen: Bald wird die Hightech-Maschine wieder zurück in die Schweiz geschifft, wo man sie während der kommenden Monate bei diversen Anlässen präsentiert. Die ETH wird zudem acht Studenten ermöglichen, die Kapsel in einem Vollzeitpensum weiterzuentwickeln. Die Ankündigung von Elon Musk, dass man den Hyperloop-Wettbewerb zukünftig jährlich durchführen wird, kommt deshalb gerade richtig.

Gemäss dem Visionär sei es vermutlich möglich, die Kapseln in der 1,25 Kilometer langen Teströhre auf mehr als Schallgeschwindigkeit zu beschleunigen. Ob es das Schweizer Team Swissloop sein wird, das diese Grenze erstmals durchbricht, wird sich zeigen. Seit dem vergangenen Wochenende ist klar, dass man auf gutem Weg dahin ist.