Kirchgemeinde Männedorf

«Ich würde mich sofort bewerben» – mit ironischem Stellenbeschrieb zum neuen Pfarrer

Die Kirchgemeinde Männedorf will mit einem unkonventionellen Inserat einen neuen Pfarrer suchen. (Symbolbild)

Die Kirchgemeinde Männedorf will mit einem unkonventionellen Inserat einen neuen Pfarrer suchen. (Symbolbild)

Mit einem unkonventionellen Inserat sucht die Reformierte Kirchgemeinde einen neuen Pfarrer. Auf den ironische Stellenbeschrieb haben sich bereits sechs Bewerber gemeldet.

«Sie predigen am allerliebsten in einer leeren Kirche? Perfekt! Engstirnige Kirchenpflege? Unmotivierte Pfarrkollegen? Gelangweilte Mitarbeitende? All das bieten wir!» Mit diesen Worten sucht die Reformierte Kirchgemeinde Männedorf in einem Inserat im «Bref», dem Magazin der Reformierten, einen neuen Pfarrer.

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Was auf den ersten Blick nach einem schlechten Scherz oder unglücklichen Fehler aussieht, ist in Wahrheit die bewusste Strategie der Pfarrwahlkommission, um Aufmerksamkeit für ihr Stelleninserat zu generieren. «Wir suchen eine unkonventionelle Person im Alter von 30 bis 40 Jahren mit erfrischenden Ideen», sagt Kirchenpflegerin Beate-Christina Hagen. Die Idee für die verbale Provokation stammt von ihr. «Man muss auffallen, sonst geht man unter.»

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Die Pfarrwahlkommission besteht aus je fünf Mitgliedern der Kirchenpflege und der Kirchgemeinde, den amtierenden Pfarrern sowie dem Sozialdiakon und der Kirchgemeindeschreiberin. Einige der Mitglieder seien am Anfang zwar skeptisch gewesen. Schliesslich habe man sich aber einstimmig für das unkonventionelle Inserat ausgesprochen.

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Kontroverse auf Twitter

Angst davor, potenzielle Kandidaten durch den negativen Beschrieb zu vergraulen, habe man keine. «Spätestens ab dem zweiten Satz wird klar, dass der Text ironisch gemeint ist», sagt Hagen. Die Gottesdienste der Reformierten Kirchgemeinde Männedorf gehörten zu den am besten besuchten in der Region. Man wolle gezielt moderne Personen ansprechen, die das Inserat mit Humor zu nehmen wüssten. Sicherheitshalber ist auf der Website der Kirche aber noch ein herkömmlicher Stellenbeschrieb aufgeschaltet.

Dass die Anzeige nicht bei allen gut ankommt, zeigen die Reaktionen auf dem sozialen Netzwerk Twitter. Dort gehen die Meinungen stark auseinander. Mirja Zimmermann, Pfarrerin aus Sumiswald, etwa schreibt: «Bitte sagt mir, dass das nicht so gedruckt wurde, nicht ernst gemeint ist oder ich an einer Sehschwäche leide.» Sie fühle sich als Pfarrerin nicht ernstgenommen. «Ich finde es echt nicht witzig. Reale Probleme werden ins Lächerliche gezogen.»

Bewerberinteresse geweckt

Hagen betont, dass die Pfarrwahlkommission mit dem Inserat niemanden verletzen wollte. Die Meinung der amtierenden Männedörfler Pfarrer sei mitberücksichtigt worden. «Sie fanden die Idee gut», sagt die Kirchenpflegerin. Andere User sind von der aussergewöhnlichen Anzeige begeistert. Tobias Grassmann, ein Pfarrer aus dem deutschen Göttingen, twittert: «Würde ich gerade eine Pfarrstelle in der Schweiz suchen, würde ich mich sofort bewerben.»

Tatsächlich scheint die Anzeige das Zielpublikum anzusprechen. In gut einer Woche sind bei der Pfarrwahlkommission bereits sechs Bewerbungen eingegangen. Zur Freude von Hagen sind die Anschreiben teilweise im gleichen ironischen Tonfall formuliert wie das Inserat.

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