Wärmering-Affäre
"Ich will einen stressfreien Job" – Stadtrat Matthias Gfeller tritt zurück

Das Herz macht nicht mehr mit: Der Winterthurer Stadtrat Matthias Gfeller (Grüne) tritt in erster Linie aus medizinischen Gründen zurück. Der Druck der vergangenen Monate sei zu gross geworden, sagte Gfeller am Montag vor den Medien.

Merken
Drucken
Teilen
Matthias Gfeller ist in den vergangenen Monaten schwer unter Beschuss geraten.

Matthias Gfeller ist in den vergangenen Monaten schwer unter Beschuss geraten.

Keystone

Der 60-jährige Grüne Politiker leidet seit Jahrzehnten an Herzproblemen. Seit etwa 1970 gerät sein Herz immer wieder aus dem Takt. 2003 liess er sich wegen Rhythmusstörungen auch operieren. Seither nimmt er Medikamente, mit denen die Störungen fast vollständig in Schach gehalten werden können.

Der Druck der vergangenen Monate im Zusammenhang mit den Energie-Abstimmungen war aber zu viel: Gfeller leidet seit kurzem auch noch unter Vorhofflimmern. Dieses tritt vor allem bei körperlicher Anstrengung auf, hat aber auch Einfluss auf seine Konzentrationsfähigkeit und macht müde.

Gfeller will keine zweite Operation

Er könnte sich erneut operieren lassen, sagte Gfeller. "Aber ich habe mich dagegen entschieden. Ich will lieber einen stressfreien Job und mit meiner Gesundheit sorgfältiger umgehen als jetzt."

Gfeller tritt deshalb bis Mitte 2017 von seinem Amt zurück. Bis zu den Wahlen im Jahr 2018 will er nicht warten. Sein Arzt rate ihm davon ab, da die Belastung wohl zu gross wäre, sagte Gfeller.

Was er nach seinem Abgang machen will, weiss der Grüne bereits. Er möchte sich als Berater für Raumplanung selbständig machen und für Gemeinden im Raum Winterthur tätig werden.

"Ich habe zu wenig kommuniziert"

Gfeller gab sich an der Medienkonferenz durchaus auch selbstkritisch. Von acht Volksabstimmungen in seiner zehnjährigen Amtszeit habe es nach zweien eine Stimmrechtsbeschwerde gegeben, bei Biorender und beim Energie-Contracting. Das sei zugegeben eine etwas hohe Quote. "Und ein drittes Mal will ich das nicht erleben."

Den Ergebnissen der Administrativuntersuchung, die am Dienstag publiziert wird, wollte Gfeller nicht vorgreifen. Er räumte aber ein, dass er in Bezug auf den Wärmering zu wenig kommuniziert habe. "Ich hätte den Gesamtstadtrat besser informieren müssen", sagte er.

In Sachen Biorender ärgere er sich heute noch, dass er die Brisanz unterschätzt habe. "Ich bin aber erleichtert, dass mir keine Rechtsverletzungen vorgeworfen werden." Er werde deshalb erhobenen Hauptes aus diesem Amt scheiden.

Bei beiden Abstimmungen wird Gfeller vorgeworfen, wichtige Informationen über die finanzielle Lage der Energie-Unternehmen zurückgehalten zu haben.

Eigener Kandidat noch unklar

Sein Amt will Gfeller ohne zeitliche Vakanz an seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin übergeben. Ob die Grünen für die Ersatzwahl mit einem eigenen Kandidaten antreten, ist noch unklar.

Man werde mit den "fortschrittlichen Kräften" SP, EVP und teilweise den Grünliberalen Gespräche führen und sich auf einen Kandidaten einigen, sagte Präsident Reto Diener. Am 25. Oktober soll bereits ein Nominations-Entscheid fallen.

Den eigentlichen Wahltermin gibt die Stadt am Dienstag bekannt, wenn die Ergebnisse der Administrativuntersuchung veröffentlicht werden.

Ruhegehalt bis 63

Gfeller wird auch nach seinem Abgang Geld von der Stadt Winterthur erhalten. Weil er das 55. Altersjahr bereits hinter sich hat, erhält er ein Ruhegehalt bis zu seinem vollendeten 63. Altersjahr. Danach folgt dann die Rente der Pensionskasse, die sich nach den üblichen Bestimmungen richtet. Eine Abgangsentschädigung erhält er nicht.