Beat Schaub prägt das Zürcher Nachtleben seit 35 Jahren: als DJ an den Plattentellern, als Veranstalter der Lollipop- und vieler anderer Partys, als (Mit-)Gründer der legendären Clubs Luv und Pasadena. Nebenbei trug er einst massgeblich zum Fall des korrupten Chefbeamten Raphael Huber und der Polizeistunde bei. Nun lanciert er im «Mascotte» ein neues Partylabel namens Calle Ocho – und erhält unter dem gleichen Titel seine eigene DJ-Radio-Show auf Radio105. Der Titel erinnert an ein Kubaner-Quartier und -Festival in Miami. Zum Interview in einem kargen Raum seiner Firma Tendance Events in ZürichWollishofen offeriert Schaub Wodka und Champagner. Wir nehmen dann aber doch beide Café.

Herr Schaub, Sie sind seit Mitte der 1970er-Jahre Discjockey (DJ). Keine Ermüdungserscheinungen?

Beat Schaub: Überhaupt nicht. Der Profi-DJ wurde eigentlich erst mit Techno geboren. Mir war die Sache nie so geheuer, dass ich mich vom Auflegen abhängig gemacht hätte. So kam ich nie unter Erfolgszwang. Mit dem Disco-Revival Mitte der 1990er-Jahre kam die Geburtsstunde von VitaminS. Ich legte fortan nicht mehr als Beat Schaub auf, sondern als Marke. Das war eine gute Erfahrung. Ich merkte, dass ich unter verschiedenen Markennamen auftreten konnte, die verschiedene Stile repräsentierten. Das gibt mir eine grosse künstlerische Freiheit.

Ihr Spektrum als DJ und Partymacher reicht von Disco über Schlager bis hin zu Latin. Sie treten unter verschiedenen Künstlernamen auf, als DJVitaminS und als DJPapi Electric. Was ist ihre Identität?

Für mich ist dieses Markendenken ganz normal. Ende der 1980er-Jahre machte ich Brandmanagement für Spezialbiere. Dieses Denken übertrug ich dann aufs Musikalische. Hey, ich habe so viele Sachen gern! Ich will kein Disco-DJ sein, kein Latin-DJ, kein R&B-DJ, kein House-DJ, ich will alles sein – weil ichs liebe! Papi Electric entstand, nachdem ich am Caliente-Festival in Havanna als VitaminS Latin und Reggaeton auflegte. Das wurde über StarTV in der Schweiz verbreitet. Als ich aus Havanna zurückkam, fragte man mich: Legst du nicht mehr Disco auf? Die Party-Veranstalter waren verunsichert. Da merkte ich: Ich muss das klar trennen: Papi Electric legt Latin auf, VitaminS macht Disco und bei den Lollipop-Partys, wo ich selber nicht auflege, gibts Schlager, schräge Sachen.

Wie kam es zu Calle Ocho, Ihrem neusten Partylabel?

Das geht auf meinen Kuba-Aufenthalt vor zehn Jahren zurück. Dort liess ich Latin-Dance und Reggaeton laufen, und die liessen mich fast nicht mehr aus dem Club. Arnold Meyer war dort und sagte: «Das musst du in Zürich machen.» Im «Kaufleuten» begann ich dann mit Abenden, an denen ich die klassischen Latin-Sachen mit neueren, vom Paartanz losgelösten Stilen mischte. Das läuft inzwischen seit acht Jahren. Das Aha-Erlebnis hatte ich 2004 im Ausgangsviertel von San Juan (Puerto Rico). Aus der einen Bar kam Reggaeton, aus der anderen «We Will Rock You» von Queen. Die Beats passten genau zusammen. Da machte es bei mir Klick. Ich wollte einen urbanen Latin-Abend haben. Calle Ocho ist das Resultat davon. Ich bin überzeugt, wir stehen damit am Anfang einer neuen Bewegung.

So macht man also ein Partylabel?

Dahinter müssen Emotionen stecken. Wenn ich damit untergehe, stirbt ein Teil von mir. So etwas entsteht nicht auf dem Reissbrett. Oft schubst mich auch mein Umfeld dazu an.

Bei wie vielen Partylabels haben Sie im Moment die Finger im Spiel?

Acht: Viva La Disco in der «Alten Börse» in Zürich, Flashdance im «Bolero» in Winterthur, Lollipop im «Palais X-Tra», Ritmo Rico im «Kaufleuten», Après Ski …

Wo ist denn das?

Das kann ich nicht sagen. Es ist noch nicht definitiv bestätigt. Aber es wird in Zürich sein.

Die Konkurrenz in der Zürcher Partyszene ist enorm. Was brauchts, um sich da zu behaupten?

Wer die besten Kommunikationswege hat, kommt am nächsten an die Leute heran. In meiner Datenbank sind Angaben von 20000Leuten, die an unseren Partys kurze Fragebögen ausgefüllt haben. Die werden von mir nach ihren Präferenzen bedient. Man muss ein guter Gastgeber sein. Das habe ich schon als Barkeeper gelernt. Du kannst noch so gute Drinks mixen: Wenn sich der Gast nicht wohlfühlt, wenn er ins Lokal kommt, hast du schon verloren. Wir haben etwa 20Leute, die an den Partys mit den Gästen reden, um zu erfahren, was ihre Bedürfnisse sind.

Wie viele Leute sind eigentlich die Strippenzieher der Zürcher Partyszene?

Schwer zu sagen. Das ist so ein Kuchen von vielleicht 20, 25Leuten. Irgendwie sind alle vernetzt miteinander und meistens schon lange dabei.

Sie sind 51Jahre alt und immer noch als DJ unterwegs. Was machen Sie privat?

Eigentlich nicht viel. Seit ein paar Jahren bin ich verheiratet, Kinder habe ich bisher nicht. Etwas Sport. Herumliegen, nichts tun – das finde ich total cool. Zusammen mit einem Kollegen habe ich ein kleines Boot auf dem Zürichsee. Das ist toll zum Chillen. Drei Tage pro Woche bin ich im Büro. Alle meine Marken sind geschützt. Nur schon der administrative Aufwand dafür ist riesig. Das sieht niemand. Aber es ist ähnlich wie in der Pharmaindustrie: Es braucht viel, um eine Marke aufzubauen. Irgendwann musst du die Produktionskosten dann wieder reinholen.

Ab 3. März ist DJPapi Electric donnerstags von 23 bis 24Uhr auf Radio105 zu hören. Sein Partylabel Calle Ocho startet am 12.März im «Mascotte» in Zürich.