Herr Keser, mit elf Fallschirmspringern sind sie in Beromünster (LU) abgehoben. Dabei haben Sie ein Fahrwerk verloren. Wie haben Sie diese Situation erlebt?

Luca Keser: Nach 100 Metern habe ich einen ersten Schlag verspürt. Das Flugzeug neigte sich daraufhin nach rechts. Ich konnte diese unübliche Fluglage korrigieren und den Startvorgang fortsetzen.

Wie genau ist Ihnen das gelungen?

Durch mein Geschick und meine Routine habe ich instinktiv richtig gehandelt.

Waren Sie während dem Start nicht unter Schock?

Nein, dafür hatte ich keine Zeit. Ich habe auch schnell gemerkt, dass ich in der Luft die volle Kontrolle über den Flieger habe. In meinem Kopf drehte sich alles darum, wie ich die elf Fallschirmspringer sicher aus dem Flugzeug bringe.

In dieser Maschine sind der Pilot und die elf Fallschirmspringer abgehoben.

In dieser Maschine sind der Pilot und die elf Fallschirmspringer abgehoben.

Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe über Beromünster einen normalen Anflug vollzogen, sodass die Fallschirmspringer abspringen konnten. Sie haben bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Durch den Verlust des Fahrwerkes gab es ein Loch in der Landeklappe, das Sie gesehen haben. Es war auch für sie eine Erleichterung, als sie springen konnten. Dann befasste ich mich allein mit dem Problem, wie ich wieder landen kann.

Hatten Sie nie Angst?

Es ist mein Job als Pilot, Verantwortung für die Personen an Bord zu übernehmen und zu schauen, dass sie wieder sicher auf den Boden kommen. An mich selber habe ich in diesem Moment gar nicht wirklich gedacht.

Welche Massnahmen haben Sie in der Luft ergriffen?

Ich habe den Notfall der Luftsicherung gemeldet. Ich hatte Glück, weil an diesem Tag noch ein Flieger der Luftwaffe unterwegs war. Der Pilot konnte eine visuelle Inspektion an meinem Flieger vornehmen und die Schäden einschätzen. Diese Dritteinschätzung war extrem wichtig. So erfuhr ich auch, dass kein Treibstoff ausgelaufen war.

Sie haben Treibstoff abgelassen. Wieso?

Damit ich Gewicht verliere und das Feuerrisiko reduzieren konnte. Falls die Landung nicht geklappt hätte und ein Feuer ausgebrochen wäre, wäre es fatal gewesen, hätte ich noch viel Sprit im Tank gehabt.

Sie sind dann in Richtung Dübendorf geflogen.

Naheliegender wäre Emmen gewesen. Die haben aber Betriebsferien, weshalb sie für einen solchen Fall nicht bereit gewesen wären. Und auch in Buochs wäre man für die Bergung des Fliegers nicht vorbereitet gewesen. Deswegen flog ich nach Dübendorf. Dort waren bereits alle alarmiert und auch die Rega stand bereit.

Mit welchem Gefühl setzten Sie zur Landung an?

Es war sehr speziell. So etwas kann man nicht trainieren. Der Verlust eines Fahrwerkes ist sehr aussergewöhnlich. Ich habe mir schon Gedanken gemacht, weil ja auch die Feuerwehr und Sanität parat standen. Dann aber habe ich mich fokussiert, um das Beste aus der Situation rauszuholen. Ich habe das Triebwerk in der Luft abgeschaltet, da so ebenfalls das Feuerrisiko reduziert werden konnte. Und die Flugbahn war ja genug lang.

Dann kam das Aufsetzen.

Ja, das war ein komisches Gefühl. Im Cockpit war es ruhig, weil ich das Triebwerk ausgeschaltet habe. Ich setzte das linke Rad auf den Boden auf und probierte so lange wie möglich, den Flieger in dieser Position zu halten. Das hat geklappt. Ich war sehr erleichtert, als das Flugzeug zum Stehen kam.

Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?

Zuerst habe ich nicht realisiert, was ich gerade gemacht habe. Ich ging schnell aus dem Flieger, weil die Gefahr eines Feuers immer noch bestand. Dann habe ich bei der Bergung des Fliegers geholfen. Erst am späten Abend habe ich wirklich bemerkt, was geschehen war.

Ist schon klar, was die Ursache für den Verlust des Fahrwerkes war?

Nein, das weiss ich noch nicht. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle untersucht den Vorfall. Es ist noch offen, ob es etwa Materialmüdigkeit, Überbelastung oder ein Konstruktionsfehler war.

Wie steht es um den Flieger?

Er ist stark beschädigt, kann aber repariert werden.

Haben Sie nun Angst, wieder zu fliegen?

Nein, ich fliege schon, seit ich 16 Jahre alt bin und probiere, professionell damit umzugehen. Ich ging auch zwei Tage nach dem Unfall wieder in die Luft. Das hat mir geholfen, den Vorfall zu verarbeiten und mich abzulenken.