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«Ich habe eigentlich gar nicht nach Dinosauriern gesucht»

Der Zürcher Uni-Professor Marcelo Sanchez hat in den Anden Knochen eines der frühesten Dinosaurier entdeckt. Die Fachwelt spricht von einer Sensation. Ihn interessieren jedoch eher Säugetiere.

Heinz Zürcher
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Marcelo Sanchez mit einem Modell des Laquintasaura venezuelae.

Marcelo Sanchez mit einem Modell des Laquintasaura venezuelae.

Adrian Ritter/UZH

Herr Sanchez, was ist aussergewöhnlich an Ihrem Fund?

Marcelo Sanchez: Aus der Zeit vor 200 Millionen Jahren sind nur wenige Dinosaurierarten bekannt. Der Fund eröffnet neue Möglichkeiten, um zu erfahren, wie sich diese ausgestorbenen Reptilien entwickelt und ausgebreitet haben. Bislang fand man im nördlichen Teil Südamerikas keine Fossilien. Man ging davon aus, dass die Tropen für die Dinosaurier zu unwirtlich waren. Speziell ist auch die hohe Dichte an Knochenelementen, die wir gefunden haben. Daraus konnten wir mindestens vier Exemplare identifizieren. Ein Beweis dafür, dass diese Dinosaurier in Gruppen lebten.

Wie sind Sie auf die Knochen gestossen?

Das ist wirklich aussergewöhnlich. Ich habe die Gesteinsbrocken, in denen die Fossilien waren, vor 20 Jahren während meiner Studienzeit entdeckt. Erst in den letzten Jahren habe ich mit Forscherkollegen die Knochen genauer untersucht und bin zu diesen Resultaten gelangt.

Wo lagen die Fossilien in der Zwischenzeit?

Sie waren in Venezuela in einem Museum untergebracht. Sie auszuleihen und zu untersuchen war sehr kompliziert. Sie gehören ja dem Staat Venezuela.

Wie wussten Sie überhaupt, wo Sie suchen mussten?

Es gab vage Hinweise aus der Bevölkerung. Ich lief dann mit dem Hammer in der Hand die Gegend ab und hielt nach jenen Steinen Ausschau, die Fossilien enthalten könnten. Ich habe eigentlich gar nicht nach Dinosauriern gesucht und hoffte vielmehr, auf Knochen von Säugetieren zu stossen.

Wie haben Sie reagiert, als Sie auf die Dinosaurier-Knochen gestossen sind?

Ich habe mich gefreut und gejubelt. Mir wurde aber schnell bewusst, dass damit die Arbeit erst richtig anfängt.

Der Laquintasaura venezuelae, den Sie benannt haben, hat die Grösse eines Huhns. Wäre Ihnen ein grosser T-Rex-Knochen nicht lieber gewesen?

Nein, gar nicht. Knochen von grossen Tieren sehen zwar spektakulär aus, für die Wissenschaft sind kleinere Fossilien aber interessanter. Sie geben viel mehr Hinweise auf den Ursprung einer Tierart.

Haben Sie sich schon immer für Dinosaurier interessiert?

Ich habe mich eigentlich gar nicht für Dinosaurier interessiert. Mein Hauptinteresse gilt den Säugetieren aus dieser Zeit. Wichtiger ist mir aber, die Evolution zu verstehen und zu erfahren, woher Tiere und wir Menschen stammen. Dazu einen Beitrag zu leisten – darin sehe ich meine Aufgabe.

Wie geht Ihre Arbeit weiter?

Mit meinen Kollegen werde ich versuchen, den Fund weiter zu untersuchen, um mehr über die Anatomie dieser Dinosaurierart zu erfahren und den Stammbaum zu rekonstruieren. Für Geologen ist auch eine präzisere Datierung der Steine relevant.

Sind denn die Fossilien nun in Zürich?

Nein, die Originale mussten in Venezuela bleiben. Wir haben aber Kopien, die wir ab morgen im Paläontologischen Museum der Universität Zürich ausstellen. Ausserdem werden wir in einer Vitrine ein 3-D-Modell des Dinosauriers zeigen.