Ruhestörung
Hupen, schreien, feiern – und doch kaum Lärmklagen wegen der Fussball-WM

Erstaunlich: Die Fussball-WM führt in den Zürcher Gemeinden trotz vieler Public Viewings und teilweise zeitlich spät angesetzter Spiele bis jetzt kaum zu Lärmbeschwerden. Nur an einem Ort herrscht fast jeden Tag eine Art Ausnahmezustand.

Thomas Münzel
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Auch in Winterthur – auf dem Bild feiern Nati-Fans den 2:0-Sieg 2006 gegen Südkorea – wurden bis jetzt nur vereinzelte Lärmklagen verzeichnet.

Auch in Winterthur – auf dem Bild feiern Nati-Fans den 2:0-Sieg 2006 gegen Südkorea – wurden bis jetzt nur vereinzelte Lärmklagen verzeichnet.

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Die Bewohner des Kantons Zürich scheinen ein besonders tolerantes Völkchen zu sein. Denn wie sonst lässt es sich erklären, dass nach gut einer Woche Fussball-WM, nach meist spannenden und nervenaufreibenden Spielen am Abend und in der Nacht, auf den Polizeiposten der Gemeinden und Städte bis jetzt nur ganz vereinzelt Lärmklagen eingetroffen sind?

Noch keine einzige entsprechende Beschwerde erhielten beispielsweise die Polizeibehörden in den Gemeinden Bülach, Dübendorf und Horgen. «Ich bin sehr überrascht, dass es bis jetzt noch keine Lärmklage gegeben hat», sagt Rolf Baer, langjähriger Leiter der Gemeindepolizei Horgen. Insbesondere im Direktvergleich zu früheren internationalen Fussball-Grossereignissen sei die aktuelle Fussball-WM bis jetzt «ausserordentlich ruhig» verlaufen. Voll des Lobes über die eigene Bevölkerung ist der Bülacher Polizeichef Roland Engeler. Trotz mehrerer Public Viewings im Ort, habe man bis heute keinerlei Beschwerden zu verzeichnen gehabt. «Es läuft wunderbar.»

«Sehr vernünftige Bürger»

Die Stadtpolizei Dübendorf spricht im Zusammenhang mit dem WM-Lärm von «sehr vernünftigen Bürgerinnen und Bürgern» - und auch davon, dass man als Hüter von Recht und Ordnung mit den offiziellen Ruhezeiten während der WM etwas «grosszügiger umgehe».

Selbst in der Stadt Zürich ist es bis jetzt verhältnismässig ruhig geblieben. «Wir haben bis heute nur ganz vereinzelt Lärmklagen im Zusammenhang mit der Fussball-WM erhalten», sagt Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Einige wenige hätten sich jedoch durch den Lärm auf der Strasse oder über zu laute WM-Fans in Restaurationsbetrieben gestört gefühlt. Zudem habe es auch einzelne gewalttätige Auseinandersetzungen im Rahmen der Fussball-WM gegeben, sagt Bisa.

Alles in allem gehe aber das sportliche und mediale Grossspektakel in der Stadt Zürich sehr gesittet und ruhig über die Bühne. Mit einer bekannten Ausnahme. In der Langstrasse steigt fast jeden Abend im Anschluss an die Spiele ein Fest mit Hupen, Trillerpfeifen und tanzenden Fussballfans auf der Strasse. Bisa bestätigt: «Teile der Langstrasse mussten wegen des grossen Fanaufmarsches aus Sicherheitsgründen beinahe täglich bis zu vier Stunden gesperrt werden.»

In Winterthur gibt es zwar keinen solchen Hotspot wie die Langstrasse. Dafür gibt es aber einige sehr gut besuchte Public Viewings. Trotzdem sind auch in Winterthur bis jetzt nur vereinzelte Lärmklagen zu verzeichnen gewesen. Aber: «Die heisse Phase der WM kommt ja erst noch», lässt die Stadtpolizei vielsagend verlauten.