Anfang 2014 beschlagnahmte das Veterinäramt des Kantons Zürich einen Schäferhund-Labrador-Mischling. Sein Frauchen wehrte sich gegen diese Massnahme bis vor Bundesgericht. Dort bekam die Hundehalterin im September 2016 recht. Die Behörden hätten prüfen müssen, ob man den Hund an eine Drittperson herausgeben könnte.

Das Bundesgericht wies die Sache zum erneuten Entscheid ans Verwaltungsgericht zurück. Einen Monat später gab das Verwaltungsgericht die Sache mit einem entsprechenden Auftrag ans Veterinäramt weiter. Doch erst dann zeigte sich, dass die Gerichte vergebliche Arbeit geleistet hatten. Der Hund war nämlich bereits am 22. Februar 2016 eingeschläfert worden.

Tierleid vermieden

An besagtem Tag wurde am Schäferhund-Labrador-Mischling in einer Kleintierklinik eine Untersuchung unter Narkose durchgeführt. Der Grund: Obschon man dem Tier Schmerzmittel verabreicht hatte, konnte es kaum mehr gehen. Man hätte dem Hund beidseitig ein künstliches Hüftgelenk einsetzen müssen. Dazu kamen weitere Gebrechen wie ein bösartiger Tumor im Auge und eine beginnende Niereninsuffizienz. Zudem war es zu einem neuen Bissvorfall mit einer Tierpflegerin gekommen.

Aus der Tierklinik nahm man umgehend Rücksprache mit dem Veterinäramt und dort ordnete eine Tierärztin die Tötung des Hundes an, der noch immer narkotisiert war. Die Hundehalterin wurde nicht in den Entscheid einbezogen. Im Nachhinein versäumte es das Veterinäramt zudem die Hundebesitzerin oder die Gerichte über die Euthanasierung (Einschläferung) des Tieres zu informieren.

Die Hundehalterin reichte gegen die Tierärztin Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs ein. Das Obergericht hatte deshalb zu entscheiden, ob die Staatsanwaltschaft zur Strafverfolgung ermächtigt werden soll.

Amt durfte entscheiden

Nachdem man der Halterin ihren Hund weggenommen hatte, lag die Verantwortung für das Tier beim Veterinäramt, hält das Obergericht in seinem kürzlich publizierten Urteil fest. Dies umfasse auch den Entscheid, ob und wann der Hund von seinem offensichtlichen Leiden zu Erlösen sei. Das Veterinäramt müsse ebenso entscheiden, ob dem Tier Leiden zu ersparen sei, das durch medizinische Eingriffe entstehe.

In diesen Fragen hätten die Fachpersonen des Veterinäramts ein Ermessen. «Die Euthanasierung war jedenfalls nicht abwegig», steht ihm Urteil. Das gelte auch für den Fall, dass ein Gutachter nachträglich zu einer anderen Einschätzung gelangen sollte.

Es gebe keinen Hinweis, dass sich die Tierärztin mit der Euthanasierung des Hundes einen unrechtmässigen Vorteil verschaffen wollte. Ebenso wenig sei es ihre Absicht gewesen, der Hundehalterin einen unrechtmässigen Nachteil zuzufügen. Es liegt mit anderen Worten kein Amtsmissbrauch vor. Das Obergericht hat folglich keine Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilt.

Schlecht kommuniziert

Ohne Kritik kommt das Veterinäramt nicht weg. So bezeichnet das Obergericht die «nicht offene Kommunikation» gegenüber der Hundehalterin und den Gerichten sowie die um ein Dreivierteljahr verzögerte Mitteilung der Euthanasierung als «problematisch».

Deutlichere Worte hat Thomas Faesi, der abgetretene Ombudsmann des Kantons Zürich, in seinem aktuellen Rechenschaftsbericht gefunden. Die Hundehalterin hatte sich auch an ihn gewendet. Er bezeichnete das Verhalten des Veterinäramts als «nicht nachvollziehbar».