Sie ist seit der Fussball-EM 2008 der grösste Sportanlass in Zürich. Vom 12. bis 17. August findet im Zürcher Letzigrund die Leichtathletik-Europameisterschaft statt.

1400 Sportlerinnen und Sportler aus 50 Nationen reisen an, zudem 800 Betreuungspersonen. Rund 2000 Medienleute werden über den Anlass berichten. 25 000 Besucher und Besucherinnen werden pro Tag im Stadion erwartet, und 370 Millionen Zuschauer in ganz Europa dürften die Wettkämpfe am Fernseher mitverfolgen.

Tickets gibt es noch. Und auch Hotelzimmer, abgesehen von der Flughafen-Region. Denn hier sind die Athletinnen und Athleten untergebracht. Dies hat mit einer Vorgabe von European Athletics, dem Europäischen Leichtathletikverband, zu tun. Er verlangt Gleichbehandlung der Sportler.

Gleich weit vom Stadion weg

Dazu gehört, dass alle Länderdelegationen in etwa gleich weit entfernt von der Wettkampfstätte untergebracht sind, erklärt Janine Geigele, Medienverantwortliche der Zürcher EM. Da es beim Letzigrund nicht genügend grössere Hotels hat, um allen einen kurzen Weg ins Stadion zu ermöglichen, haben nun alle vom Flughafen eine längere, aber zumindest gleich lange Anfahrt. Davon profitieren die Medienleute, welche so problemlos in Stadionnähe einquartiert werden können.

Das Hauptquartier befindet sich im Mövenpick-Hotel Zürich-Airport. Hoteldirektor Stephan Flury freut sich schon. Sein Hotel brächte er vermutlich auch so voll, sagt er. Aber die Sportler verheissen Abwechslung. Ansonsten lebt man hier vor allem von Gruppen. Die Flughafen-Hotels bieten hierfür eine genügende Grösse, während in der Stadt Zürich eher der Individualtourist absteigt.

Jörg Arnold führt in Zürich den «Storchen» und präsidiert den Verband der Zürcher Hoteliers, der neben der Stadt auch Flughafenregion, Limmattal und Zürichsee umfasst. Er schätzt, dass der sportliche Grossanlass im ganzen Verbandsgebiet für eine gute Auslastungen sorgen wird. Dass aber gleich alle Hotels ausgebucht sind, glaubt er nicht.

Er betont vor allem den Werbeeffekt des Anlasses. «Er ist gigantisch», sagt er. Logisch daher, dass auch Zürich Tourismus die Gelegenheit nutzen will. Zum Beispiel werden den Medienleuten Informationen und Videomaterial zur Verfügung gestellt, erklärt Milena Brasi, Mediensprecherin bei Zürich Tourismus. «So werden die schönsten Seiten Zürichs in Millionen Haushalte übertragen.»

Viele neue Hotels

Die internationale Aufmerksamkeit kommt für die Zürcher Hotellerie gerade rechtzeitig. Sie ist immer noch dabei, die Folgen der Finanzkrise zu verdauen, die sich mit einer Verzögerung vor allem in den Jahren 2011 bis 2013 bemerkbar gemacht hat. Den Deutschen zum Beispiel, der in Zürich sein Geld besuchen kommt, gibt es nicht mehr. In letzter Zeit zeigen die Übernachtungszahlen nun aber wieder leicht aufwärts.

Hotelierverbands-Chef Arnold hofft, dass damit der Tiefpunkt überschritten ist. Der Tourist hat gegenüber der Geschäftsperson als Gast etwas zugelegt, schätzt er. Nach wie vor seien aber etwa sechs von zehn Hotelgästen Geschäftsleute.

Als Herausforderung nennt er die vielen neuen Hotels: beim Flughafen das «Dorint» und mit dem «Kamea» kommt bald ein weiteres dazu; in Zürich die Hotels «Sheraton», «Renaissance» und «25 hours» sowie ab voraussichtlich 2016 das «Motel One».

Die Ketten kamen, weil hier gute Durchschnittspreise erzielt werden, sagt Arnold. Zudem lockte die Aussicht auf ein Kongresszentrum, das ab 2020 jährlich rund 300 000 zusätzliche Logiernächte hätte bringen sollen. Heute erscheint das Kongresszentrum als Illusion, der Preisdruck steigt. «Aber Jammern bringt nichts», sagt Arnold. «Wir müssen uns den Herausforderungen stellen.»