Zürich

«Hotel Suff» ist Bürgerlichen zu teuer und Linken zu radikal

«Hotel Suff»

«Hotel Suff»

Die Stimmberechtigten der Stadt Zürich beantworten am 30. November die Frage, wo stark Betrunkene und Bekiffte ausgenüchtert werden sollen. Kritiker der Ausnüchterungszellen gibt es in beiden politischen Lagern mit unterschiedlichen Gründen.

Die Stadtregierung möchte dies in der Zentralen Ausnüchterungsstelle (ZAS) tun und diese definitiv in Betrieb nehmen. Kritiker bemängeln deren Kosten und äussern auch freiheitsrechtliche Bedenken.

Die ZAS, im Volksmund "Hotel Suff" genannt, existiert seit vier Jahren. Sie ist ein schweizweit einmaliger Pilotbetrieb bei der Urania-Polizeiwache in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs.

Von der Polizei werden dort schwer Alkoholisierte und Personen im Drogenrausch eingeliefert, die sich und/oder andere gefährden. Unter medizinischer Betreuung können sie ausnüchtern.

Früher landeten diese Leute auf den Regionalwachen sowie in den Notfallaufnahmen der Spitäler. Niemand bestreitet, dass diese Örtlichkeiten nicht geeignet sind. Ebenso unbestritten ist, dass seit Einführung der ZAS das Spitalpersonal, die Rettungskräfte und die Polizei deutlich entlastet werden und ihre eigentlichen Aufgaben erfüllen können.

Gegner links und rechts

Gegen die definitive Einführung der ZAS unter dem neuen Namen ZAB (Zürcher Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle) per 1. April 2015 hat sich, trotz des unbestrittenen Nutzens, dennoch eine breite politische Front gebildet.

Auf der bürgerlichen Seite lehnen SVP, FDP und CVP den definitiven ZAB-Betrieb ab, auf der linken Seite Grüne und AL. Ja zur ZAB sagen SP und GLP, ebenso die Berufsverbände der Pflegefachkräfte, der Spitalärzteschaft und der Polizeibeamten der Stadt Zürich.

Insbesondere an der Kostenfrage scheiden sich die Geister. Wer in die ZAB gebracht wird, muss sich an den Sicherheitskosten beteiligen. Diese betragen, je nach Aufenthaltsdauer, bis zu 600 Franken.

Diese Beteiligung ist nach Ansicht der Bürgerlichen viel zu gering angesichts der anfallenden Kosten von rund 1750 Franken. Die AL hingegen fordert den Nulltarif.

Schwer wiegen für die AL auch freiheitsrechtliche Überlegungen. Der polizeiliche Gewahrsam sei ein so schwerer Eingriff in die persönliche Freiheit, dass er nur als letztes Mittel eingesetzt werden sollte.

Grundsätzlich brauche es jedoch keine "Krippe für Besoffene". Und auch verwirrte Personen, die zukünftig ebenfalls in der ZAB gebracht werden sollen, gehörten nicht da hin.

Sinnvolle Lösung

Die Befürworter der ZAB betonen deren grossen Nutzen. Sie sei eine sinnvolle und kostengünstige Lösung. Der jährliche Nettoaufwand für den definitiven Betrieb wird auf 1,2 Millionen Franken veranschlagt. Zudem müssen noch bauliche Anpassungen für 1,3 Millionen Franken vorgenommen werden.

Geöffnet sein soll die ZAB täglich von 22 Uhr bis 12 Uhr des Folgetages. Die Stadt Zürich rechnet mit jährlich etwa 1000 Klientinnen und Klienten in der ZAB. Konkret abgestimmt wird über den Erlass einer Verordnung für deren definitive Einrichtung.

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