Zürich

Hormonfleisch auf Zürcher Tellern? Aber sicher!

Etwas über 1000 Tonnen Hormonfleisch werden pro Jahr in die Schweiz importiert. Häufig handelt es sich um «Edelstücke».

Etwas über 1000 Tonnen Hormonfleisch werden pro Jahr in die Schweiz importiert. Häufig handelt es sich um «Edelstücke».

In der Schweiz darf Fleisch nicht mit Hilfe von Hormonen hochgezüchtet werden. Der Import ist aber zugelassen. Eine SVP-Kantonsrätin findet das stossend. Sie ist nicht allein.

SVP-Kantonsrätin Sandra Bos­sert (Wädenswil) hat unter dem Titel «Hormonfleisch auch auf Zürcher Tellern?» eine Anfrage eingereicht. So ahnungslos, wie es im ersten Moment erscheinen mag, ist Bossert allerdings nicht. Sie weiss, dass die Schweizer Bäuerinnen und Bauern in der Fleischproduktion keine hormonellen Mittel einsetzen dürfen. Hormone werden zur Förderung des Wachstums verwendet. Und es ist der Kantonsrätin auch bewusst, dass solches Fleisch sehr wohl aus dem Ausland in die Schweiz importiert werden darf.

Diese Ungleichbehandlung stört Bossert. Anders läuft es in der EU: Wie in der Schweiz darf dort Fleisch nicht mit hormonellen leistungsfördernden Mitteln produziert werden. Die EU verbietet gleichzeitig den Import von Hormonfleisch. Die Haltung der EU hat zu einem langjährigen Handelsstreit mit den USA geführt. Bemühungen, den Import von Hormonfleisch in die Schweiz zu verbieten, scheiterten 2016 im Nationalrat. Eine Motion wurde mit 97 zu 83 abgelehnt. 49 der Nein-Stimmen kamen von der SVP, also von den Parteikolleginnen und Parteikollegen von Sandra Bossert. Die Schweiz importiert jährlich rund 1000 Tonnen Hormonfleisch.

Für Hormonfleisch gilt in der Schweiz eine Deklarationspflicht. Sie ist abhängig vom Herkunftsland des Fleisches. Erlaubt das Herkunftsland den Einsatz von hormonellen Mitteln, muss das Fleisch in den Verkaufsregalen und auch auf der Speisekarte im Restaurant grundsätzlich entsprechend deklariert sein.

Deklarationspflicht entfällt

Da beim importierten Fleisch oftmals nicht nachgewiesen werden kann, ob die Mittel tatsächlich eingesetzt wurden, wird bei der Deklaration eine Kann-Formulierung verwendet. Also: «Kann mit hormonellen Leistungsförderern erzeugt worden sein.» Es gibt allerdings Ausnahmefälle, in denen die Deklarationspflicht entfällt. In Ländern wie den USA – sie erlauben hormonelle Leistungsförderer, gibt es staatliche Programme, die garantieren, dass bei der Produktion keine hormonellen Stoffe zur Leistungsförderung eingesetzt wurden. Entsprechend darf solches Fleisch ohne Deklaration betreffend der hormonellen Leistungsförderer verkauft werden.

Der Schweizer Tierschutz (STS) lehnt Haltungssysteme ab, in denen Fleisch mit Leistungsförderern erzeugt wird. Im Vordergrund steht dabei nicht so sehr die Gesundheit der Konsumenten, wie Stefan Flückiger, Geschäftsführer Agrarpolitik beim STS, sagt. Vielmehr geht es der Organisation ums Tierwohl. Laut STS wird solches Fleisch «in industrieller Massentierhaltung und oft unter prekären Bedingungen produziert».

Misstrauen gegenüber Gastro

Grundsätzliche Bedenken hegt auch der Konsumtenschutz. «Es gibt zweifellos einen Grund, dass das Fleisch in der Schweiz nicht auf diese Weise produziert werden darf», sagt Josiane Walpen, die Leiterin Ernährung beim Konsumentenschutz. Es sei deshalb auch nicht einzusehen, weshalb solche Produkte in der Schweiz doch verkauft würden. Einerseits sei nicht klar, ob Hormonfleisch gesundheitsschädlich sei, andererseits wolle man diese Art von Landwirtschaft nicht unterstützen.

Während die Grossverteiler weitgehend auf Fleisch verzichten würden, welches mit hormonellen Leistungsförderern produziert worden sei, ortet Walpen mögliche Defizite in der Gastronomie. Denn das Fleisch verschwinde vor allem in diesem Kanal und werde erst noch ungenügend deklariert. Da seien die kantonalen Labors in der Pflicht. Sie müssten prüfen, ob die Deklarationspflicht eingehalten wird.

Zur Frage, wie häufig die Fleischdeklaration im Rahmen der Kontrollen in Gastrobetrieben gerügt wird, kann Kantonschemiker Martin Brunner nichts sagen. «Die Deklaration wird zwar bei jeder Kontrolle überprüft, die Anzahl der Mängel wird aber nicht statistisch ausgewertet.»

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