Ausschreitungen

Hooligan-Konkordat: Ausschreitungen vor dem Cupfinal haben ein Nachspiel

GZ-Fans marschieren vor dem Cup-Final durch die Strassen von Bern

GZ-Fans marschieren vor dem Cup-Final durch die Strassen von Bern

Nach den Ausschreitungen der Fans aus Zürich und Basel vor dem Cupfinalhat die Diskussion um das Hooligan-Konkordat an Dringlichkeit gewonnen. Das Problem der Fanmärsche ist jedoch nicht im Konkordat geregelt.

Noch lange bevor die Entscheidung im Cupfinal 2013 im Berner Stade de Suisse fiel, war eine mögliche Vorentscheidung auf politischer Ebene gefallen. In der Berner Altstadt provozierten sich Pfingstmontag gewaltbereite Fans des FC Basel und von GC. Sie waren einzig durch die Baustelle in der Marktgasse getrennt.

Über die Absperrungen hinweg bewarfen sie sich mit Steinen und Petarden und versuchten die Bauzäune einzureissen. Drei Wochen vor der Abstimmung über das sogenannte Hooligan-Konkordat im Kanton Zürich machten die gewaltbereiten Fans heftig Werbung für ein Ja zur Vorlage.

GC verurteilt «aufs Schärfste»

Der Zürcher Rekordmeister ist gegen den Beitritt zum Konkordat. Gestern versuchte sich die Vereinsführung in Schadensbegrenzung. In einer Mitteilung schrieb sie gestern: «Der Grasshopper-Club Zürich bedauert es, dass es im Vorfeld zum Cupfinal in der Berner Innenstadt zu Ausschreitungen gekommen ist und verurteilt diese aufs Schärfste.»

Der Zürcher Regierungsrat äussert sich nicht mehr im Zusammenhang mit der Abstimmung über das Konkordat vom 9. Juni. Das erklärte Urs Grob, der Sprecher der Zürcher Sicherheitsdirektion, gestern auf Anfrage.ne Konfrontation der Fans vor ihrem Marsch zum Stadion verhindern wollen und den Baslern den Kornhausplatz in der Nähe des Zytgloggeturms als Treffpunkt zugewiesen; die GC-Fans sollten sich auf dem Bärenplatz gleich vor dem Bundesplatz versammeln.

Doch laut Berner Polizei installierten sich die Basler entgegen der Abmachung mit der Polizei auf dem Waisenhausplatz, der nur durch die Baustelle auf der Marktgasse vom Bärenplatz getrennt ist. «Versuche, die Fans nach dem Kornhausplatz zu leiten, schlugen fehl», teilte die Polizei mit.

Als die GC-Anhänger etwas später eintrafen, eskalierte die Situation in kurzer Zeit. Die Polizei schilderte es so: «Mehrere Vermummte suchten von Beginn weg die Konfrontation mit den gegnerischen Fans. Die Einsatzkräfte mussten massiv Gummischrot, Pfefferspray und auch Tränengas einsetzen, um die Gruppierungen getrennt zu halten und die Situation zu beruhigen.»

GC-Sprecher Adrian Fetscherin erklärte auf Anfrage: «Der Zusammenprall der beiden Fanlager war nur möglich, weil aus uns unbekannten Gründen der Basler Anhang auf den Waisenhausplatz, statt dem vereinbarten Kornhausplatz gelotst wurde.»

«Schwarzer Tag für Fussball.»

Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) verkündete in der gestrigen Ausgabe der «Berner Zeitung», es werde in Bern künftig keine Fanmärsche mehr geben. Er sprach von einem «schwarzen Tag für den Fussball», welcher der beste Beweis dafür sei, dass Bern das Hooligan-Konkordat brauche. Denn: «Damit würden solche Spiele bewilligungspflichtig und wir hätten eine Handhabe gegen die Fanmärsche.»

In Bern ist die Diskussion über den Beitritt zum Hooligan-Konkordat noch in vollem Gange. Zwar hat der Grosse Rat den Beitritt zum verschärften Konkordat beschlossen, aber im April ergriff ein Komitee das Referendum gegen den Entscheid. SP und Grüne unterstützen das Referendum. Sicherheitsdirektor Nause nutzt die Gunst der Stunde. Das Konkordat jedoch regelt die Fanmärsche nicht – diese gelten als Demonstrationen und sind bereits heute bewilligungspflichtig.

So ist es Praxis in Zürich. Im Dialog mit den Fanbeauftragten der Teams bewilligt die Polizei die Märsche. Fetscherin erklärte gestern: «GC hofft, dass es trotzdem für Bern ein schöner Tag gewesen ist, zumal in der Folge alles friedlich verlief und der Cupfinal zu einem Volksfest wurde.»

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