Bildungspolitik
Höhere Löhne für Lehrpersonen

Der Kantonsrat will Klassenlehrer für ihren Zusatzaufwand entschädigen. Dies als Massnahme, den Lehrerberuf wieder attraktiver zu machen.

Oliver Steinmann
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Limmattaler Zeitung

Dass in der Zürcher Bildungspolitik nicht alles zum Besten steht, wurde den Parlamentariern am Montag noch vor Sitzungsbeginn vor Augen geführt. Die Aktion «Schule im Sinkflug» hatte zu einer Demonstration aufgerufen – wer das Rathaus betreten wollte, musste sich durch eine stattliche Menge drängen, die Papierflieger in der Luft schwenkte.

Der Protest zeigte Wirkung: Alle Fraktionen waren gewillt, an der bestehenden Situation etwas zu ändern, um die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern. In einem ersten Schritt wurden die Salärbestimmungen in der Lehrpersonalverordnung (siehe Kasten) mit 110 zu 47 Stimmen revidiert.

Maximallohn unerreichbar

Es waren vor allem vergangene Sparrunden, welche eine Anpassung nötig machten. Weil mehrfach auf den automatischen Stufenanstieg verzichtet worden war, können viele Lehrer den Maximallohn heute gar nicht mehr erreichen. Susanna Rusca Speck (SP, Zürich) wies darauf hin, dass Zürich seine Lehrer mittlerweile schlechter bezahle als die Nachbarkantone: «Wir müssen die Saläre dringend konkurrenzfähiger machen.»

Man bürde mit dieser Revision den Gemeinden zusätzliche Kosten auf, monierte hingegen Rolf Zimmermann (SVP, Zumikon). «Die SVP will nicht schlecht bezahlte Lehrer. Aber sie will vor allem motivierte Lehrer.» Zielführender sei es, die Schulreformen drastisch zu reduzieren. Aus Sicht von Bildungsdirektorin Regine Aeppli haben die Gemeinden allerdings kaum Anlass zum Protest: Schliesslich hätten sie von den vergangenen Sparrunden auch finanziell profitieren können. Mit 155 zu 0 Stimmen hat der Kantonsrat auch ein Postulat gutgeheissen, das die Funktion der Klassenlehrer und -lehrerinnen aufwerten will. Sie sollen eine Zulage erhalten und in der Volksschule mit zwei, an Mittel- und Berufsschulen mit einer Pflichtlektion weniger entschädigt werden. «Die Verantwortung, welche diese Personen übernehmen, ist viel höher als bei Fachlehrkräften», konstatierte Samuel Ramseyer (SVP, Niederglatt). Für ihn sei einleuchtend, dass dies, wie in der Privatwirtschaft, in irgendeiner Form abgegolten werden müsse.

Dem mochte niemand widersprechen – ausser Regierungsrätin Aeppli. «Jede Lektion weniger kostet den Kanton 40 Millionen Franken pro Jahr.» Wer solches fordere, müsse auch bereit sein, das nötige Geld zu sprechen.

Probezeit von drei Monaten

Mit 83 zu 81 Stimmen nur ganz knapp angenommen wurde ein Postulat der FDP, das die Einführung einer dreimonatigen Probezeit für Lehrer verlangt.

Seitens der SVP, aber auch der Grünen wurde befürchtet, dass Berufseinsteiger versucht sein könnten, gleich zu Beginn «den Bettel hinzuschmeissen». Eine knappe Mehrheit entschied sich jedoch, die Lehrpersonen den übrigen Staatsangestellten gleichzustellen.

Mit 108 Nein- zu 53 Ja-Stimmen lehnte es der Rat hingegen klar ab, Neulinge im Lehrerberuf gezielt zu entlasten. Und auch die Idee von Andreas Erdin (GLP, Wetzikon), für Fachpersonen der Bildungsdirektion obligatorische Schnupperwochen in Klassenzimmern einzuführen, wurde mit 128 zu 34 Stimmen wuchtig verworfen.

Viele Interessenten

Nachdem den ganzen Morgen lang der Zustand der Schule in düsteren Farben ausgemalt worden war, war es an Regine Aeppli, doch noch etwas Optimismus zu verbreiten. So schlimm könne es um die Attraktivität des Berufsfeldes nicht stehen, bemerkte sie. Für die neue Lehrerausbildung für Quereinsteiger hätten sich nämlich innert kürzester Zeit 2000 Interessenten gemeldet.