Laut Polizeiangaben vom Sonntag hatten sich kurz nach 23 Uhr beim besetzten Binzareal an der Uetlibergstrasse mehrere hundert Personen versammelt. In der Folge wuchs die Menschenmenge auf "weit über 1000 Personen" an. Darunter befanden sich auch Linksautonome und Personen aus der Hausbesetzerszene, wie es in der Mitteilung heisst.

Kurz nachdem sich der Demonstrationszug in Bewegung gesetzt hatte, kam es zu ersten Sachbeschädigungen. So wurden unter anderem die Regionalwache Wiedikon und diverse umliegende Gebäude durch Schmierereien und eingeschlagene Fensterscheiben beschädigt.

Die Polizei drängte die Demonstranten mit Gummischrot, Reizstoff und einem Wasserwerfer zurück. Der Demozug zog darauf weiter und setzte im Kreis 4, insbesondere in der Umgebung der Langstrasse, Container und Autos in Brand, die durch die Feuerwehr von Schutz & Rettung gelöscht werden mussten.

Geschäfte geplündert

Mehrere Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt und Geschäfte geplündert, wie die Polizei schrieb. Nach weiteren Einsätzen von Gummischrot und Reizstoff zog sich die immer noch mehrere hundert Personen umfassende und laut Polizei "sehr aggressive Menschenmenge" gegen 2 Uhr ins Binzareal zurück.

Verhaftet wurde niemand, wie es bei der Stadtpolizei auf Anfrage hiess. Bisher seien auch keine Meldungen über Verletzte eingegangen.

Das ehemalige Fabrikgebäude auf dem Binzareal wird seit 2006 besetzt und als alternatives Wohn- und Kulturzentrum genutzt. Die Demonstranten hatten am späten Samstagabend zu einer unbewilligten Kundgebung aufgerufen. Sie wollten als Reaktion auf die angekündigte Räumung "ein Zeichen setzen", wie sie in einer Mitteilung schrieben.

Am Sonntagabend teilten die Organisatoren weiter mit, dass der Demonstrationszug fröhlich verlaufen sei, bis zu dem Moment, in dem die Polizei "ohne Vorwarnung mit übermässigem Tränengas- und Gummischroteinsatz" die Menge in Panik versetzt habe. Der Einsatz habe ein Choas verursacht, welches nicht mehr zu überschauen gewesen sei.

Leupi: "Mitgegangen, mitgehangen"

Der Stadtzürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) verurteilte die Ausschreitungen in aller Schärfe. "Dieser Gewalt- und Zerstörungszug durch Wiedikon und den Kreis 4 kann nur als kriminell bezeichnet werden", wird Leupi in einer Mitteilung des Polizeidepartements zitiert.

Offenbar sei die Gewalt von einer relativ kleinen Kerngruppe ausgegangen. Bedenklich sei aber, dass die grosse Zahl der Mitläufer sich nicht deutlich von der Gewalt distanziert habe. "Hier gilt klar der Grundsatz: Mitgegangen, mitgehangen." Die Binz-Aktivisten hätten sich mit dieser nächtlichen Gewalteskalation "mehr als diskreditiert", betonte Leupi.