Zürcher Gemeinderat

Hohe Kosten fürs Stadion Zürich sorgen für Diskussionen

So soll das neue Stadion Zürich aussehen. Über die Kosten von 225 Millionen Franken stritt gestern das Stadtparlament. visualisierung zvg

So soll das neue Stadion Zürich aussehen. Über die Kosten von 225 Millionen Franken stritt gestern das Stadtparlament. visualisierung zvg

225 Millionen Franken für ein neues Stadion und 103 Millionen für eine Wohnsiedlung auf dem Hardturmareal beantragt der Zürcher Stadtrat. Nach der Debatte am Mittwochabend im Stadtparlament liegt der Ball nun beim Volk

Das Zürcher Stadtparlament debattierte am Mittwochabend ausgiebig darüber, wie die Kosten zu senken seien, sprach sich aber klar für das Stadion- und Wohnprojekt aus. Das letzte Wort haben die Stadtzürcher Stimmberechtigten am 22. September.

«Jetzt oder nie»

Schon zu Beginn der Parlamentsdebatte hatten Exponenten der Parteien durchblicken lassen, dass sie trotz Kritik an den hohen Kosten grünes Licht für das Stadionprojekt auf der Hardturmbrache geben würden.

Die SP sprach sich ohne Wenn und Aber für das Projekt aus. Michael Baumer, Fraktionschef der FDP, meinte: «Wenn wir noch in dieser Generation in Zürich ein Fussballstadion bauen wollen, müssen wir jetzt zustimmen.»

Das Wort von der «letzten Chance» nach 15 Jahren Planungen für ein neues Hardturmstadion wurde zum Grundtenor des Abends. «Es fällt nicht leicht, so viel Geld in die Hand zu nehmen. Aber wenn wir es jetzt nicht tun, ist das Projekt eines neuen Fussballstadions vom Tisch», warb Hochbaudepartements-Vorsteher André Odermatt (SP) für die Vorlage des Stadtrats.

«Es ist ein Projekt für Generationen. Vielleicht werden noch unsere Enkelkinder dort spielen.»

«Jetzt oder nie», rief AL-Gemeinderat und Stadtratskandidat Richard Wolff in den Saal. Projekte wie ein neues Kongresszentrum und eine neue Eishockey- und Volleyballarena müssten zugunsten des Fussballstadions zurückgestellt werden, fügte er an.

Von einer «letzten Chance für ein Zürcher Fussballstadion» sprach auch die SVP in ihrer Fraktionserklärung – und kündigte an, der Vorlage zuzustimmen. Nur, falls «Detailanträge linker Parteien zu Ungunsten unserer Ideen», namentlich die von den Grünen geforderte Reduktion der Anzahl Parkplätze, eine Mehrheit fänden, wäre das Gesamtprojekt «ernsthaft gefährdet.»

Dazu sollte es nicht kommen: Der Antrag der Grünen, bei den 370 Parkplätzen in der Tiefgarage unter dem geplanten Stadion Abstriche zu machen, blieb ohne Chance. Auch die Absicht der Grünliberalen, durch Verzicht auf separate Fankurven für die GC- und FCZ-Fans 6,2 Millionen Franken zu sparen, fand keine Mehrheit.

9 Millionen weniger Reserven

Hingegen sprach sich eine knappe Mehrheit für den Antrag der bürgerlichen Parteien aus, die Baukosten-Reserven von 30 auf 21 Millionen Franken zu senken. Dadurch reduziert der Gemeinderat den Stadionkredit von 225 auf 216 Millionen Franken.

Grundsätzlich in Frage stellte nur Bernhard Piller (Grüne) das Stadionprojekt: «Warum braucht Zürich zwei Stadien? Warum soll die Stadt das bezahlen? Und warum muss ein Wohnprojekt damit verknüpft sein», fragte er. Piller blieb ein einsamer Mahner.

Die Zürcher Profiklubs GC und FCZ drängen schon lange auf ein «richtiges» Fussballstadion. Der als Leichtathletikstadion konzipierte Letzigrund, wo sie seit 2008 ihre Spiele austragen, sei zu wenig stimmungsvoll, so der Tenor.

Das nun geplante Stadion Zürich nach den Plänen des Badener Architekturbüros Burkhard Meyer hat steile Zuschauerränge bis nahe ans Spielfeld. Es fasst bei nationalen Spielen 19 500 Zuschauer, wobei die Clubs 7500 Stehplätze durchgesetzt haben. Bei internationalen Partien stehen 16 000 Sitzplätze zur Verfügung.

Das Stadion- und das Wohnprojekt sind eng miteinander verknüpft. Der Grund: Die Stadt hat das Hardturmareal der Credit Suisse abgekauft, um darauf ein Fussballstadion zu bauen.

Für den Fall, dass das Stadionprojekt scheitert, hat sich die Grossbank vertraglich ein Rückkaufrecht ausbedungen. Ein eigenes Stadionprojekt mit kommerzieller Mantelnutzung hatte die CS 2009 nach jahrelangem Rechtsstreit aufgegeben.

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