Lädelisterben

Höngg: Ein Quartier kämpft mit Quartiermarketing gegen das Lädelisterben

In Höngg hat Einzug gehalten, was in der Agglomeration längst Realität ist: das Lädelisterben. Immer öfter müssen die Hönggerinnen und Höngger mit ansehen, wie alteingesessene Geschäfte die Tore schliessen.

Zürich wird gerne als Wirtschaftsmotor bezeichnet, als urbanes Zentrum, wo aus Geld und Kreativität Erfolg entsteht. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn während die Stadt in der City, im Norden und Westen vor Lebendigkeit vibriert, verschwinden andere Quartiere zusehends in der Versenkung. Höngg ist so ein Stadtteil, wo nicht mehr viel Aufregendes passiert. Früher ein aktives Quartier mit eigenständiger Infrastruktur, ist es heute auf dem Weg, eine Schlafgemeinde innerhalb der Stadtgrenzen zu werden.

Denn in Höngg hat Einzug gehalten, was in der Agglomeration längst Realität ist: das Lädelisterben. Immer öfter müssen die Hönggerinnen und Höngger mit ansehen, wie alteingesessene Geschäfte die Tore schliessen.

Oft stehen die Lokale danach selbst an bester Lage leer, nicht selten dauert es Jahre, bis sie wieder vermietet werden. Und wenn einmal ein neues Geschäft nach Höngg zieht, ist es meist schnell wieder verschwunden. «Sie kommen und gehen», sagt Fredy Haffner. Er ist Verlagsleiter der Quartierzeitung, die dem Thema eine Artikelserie gewidmet hat, und Mitglied des Vereins Handel und Gewerbe Höngg (HGH).

Nur gerade zwei Geschäfte hätten es in den letzten fünf Jahren geschafft, sich zu etablieren, sagt er. Alle anderen Neuzugänge seien wieder eingegangen. Sie hinterlassen im Quartier unschöne Lücken, das Erscheinungsbild des Zentrums leidet. Das schmucke Höngg wirkt zunehmend einsam. Und ungepflegt. Denn ungenutzte Liegenschaften ziehen Vandalen an, die Rollläden und Fassaden verunstalten. Nicht gerade eine Einladung an mögliche Investoren.

«In Höngg macht sich Trägheit breit. Die Abwärtsspirale dreht sich», sagt Robert Werlen, Präsident des HGH. Es sei höchste Zeit, Gegensteuer zu geben. Um der Bevölkerung den Puls zu fühlen, hat der HGH Anfang Jahr zusammen mit einer Beratungsfirma eine Umfrage durchgeführt, an der über 1000 Personen teilgenommen haben. Die Ergebnisse wurden gestern präsentiert. Sie zeigen, dass fast die Hälfte der Hönggerinnen und Höngger das Lädelisterben mit Sorge beobachten. Sie sagen, das Angebot der Fachgeschäfte sei in den letzten Jahren schlechter oder sogar massiv schlechter geworden.

Alt und vermögend

«Wir spüren, dass wir kein Boomquartier sind», sagt Haffner. Höngg wächst schon lange nicht mehr. Die Einwohnerzahl liegt konstant bei rund 21 000 Personen. Diese sind überdurchschnittlich vermögend, aber auch überdurchschnittlich alt. Obschon derzeit eher wieder mehr Familien nach Höngg ziehen, ist es kein Pflaster, das junge, innovative Geschäfte anzieht.

Das wollen die Gewerbler nun ändern. Denn ihre Umfrage zeigt, dass die Höngger gerne im Quartier einkaufen. 83 Prozent tun das mindestens einmal in der Woche. Und sie würden ein breiteres Einkaufsangebot schätzen. Der HGH will deshalb ein «Netzwerk Höngg» ins Leben rufen.

Ziel ist, dass Gewerbler, Hausbesitzer und Einwohner gemeinsam Quartiermarketing und Standortförderung betreiben. Auch lokale Politiker will man ins Boot holen, sodass sie Themen wie etwa die schwierige Verkehrssituation im Zentrum in den Gemeinderat tragen können.

Der städtische Gewerbeverband begrüsst diese Bemühungen. Die Umfrage sei ein gutes Instrument, das auch andere Stadtteile einsetzen sollten, sagt Präsidentin Nicole Barandun (CVP). Höngg sei nicht alleine mit seinen Problemen. «Wenn wir das belegen können, gibt das dem Anliegen auf städtischer Ebene viel mehr Gewicht.»

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