Stadtratswahlen
Hodel trifft «interessierte Bevölkerung» auf öffentlicher Tramfahrt

Der Grünliberale Daniel Hodel wollte im Miet-Tram die «interessierte Bevölkerung» treffen. Die Werbetrommel wurde kräftig gerührt. Der Stadtratskandidat gab zwar zu, Aussenseiter zu sein, aber nicht chancenlos.

Michael Rüegg
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Prost auf den Wahlauftakt: Die GLP steigt mit Daniel Hodel fast zwei Monate später in den Ring als die FDP.

Prost auf den Wahlauftakt: Die GLP steigt mit Daniel Hodel fast zwei Monate später in den Ring als die FDP.

Michael Rüegg

Die «programmatische Tramfahrt» mit dem «10-Punkte-Programm für Zürich» hat gerade ihr Ende genommen. Vor dem Tram am «Bellevue» steht Grünliberalen-Gründerin Verena Diener und dankt einer Handvoll Journalisten «für Ihre Unterstützung». Dann folgt Runde zwei.

Die Haltestelle heisst «Fonduetram», doch gerührt wird hier die Werbetrommel. Und zwar für Daniel Hodel, Stadtratskandidat der GLP. Der Anlass nennt sich «öffentliche Tramfahrt». Gemäss Einladung will Hodel mit der «interessierten Bevölkerung ins Gespräch» kommen. Im Fahrzeuginneren schenkt der 41-Jährige Weisswein ein und verteilt ihn unter seinen Parteikollegen, er selber nippt an einem Glas Apfelsaft. Belegte Brötchen machen die Runde. Auf der Höhe Rudolf-Brun-Brücke ereilt ihn der Ruf einer jungen Frau: «Du musst jetzt dein 10-Punkte-Programm präsentieren.»

Stadtratswahlen

Am 3. März 2013 wählt die Stadtzürcher Stimmbevölkerung einen Nachfolger für den abtretenden Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP). Um den Sitz kämpfen neben Daniel Hodel (GLP) auch Marco Camin (FDP) und Richard Wolff (Alternative Liste). Die Limmattaler Zeitung stellt die Kandidaten in loser Folge vor. (az)

Hodel stellt sich in die Mitte des Waggons. Er sagt hallo und «wir können das ja bilateral machen». Denn die «interessierte Bevölkerung» besteht aus einem neuen Parteimitglied, dessen Hodel sich spontan annimmt.

Der Kandidat legt los: «Wenn ich gewählt werde, stärkt das Mitte- Links», lautet sein erster Satz. Erste Überraschung. Nun konnte man doch in verschiedenen Zeitungen lesen, Hodel vertrete stramm die rechte Parteilinie. Er spricht von den Dogmen rechts und links, die die GLP nicht interessierten. Und er erwähnt die Aufträge, die der Stadtrat erhalten habe, von der 2000-Watt-Gesellschaft, Städteinitiative, Kinderbetreuung.

«Camin hat sich ein grünes Mäntelchen umgelegt»

Was ihn denn von anderen Kandidaten unterscheide, fragt der Neue. Camin sei halt ein typischer FDPler, sagt Hodel. «Er hat sich zwar ein grünes Mäntelchen umgelegt, aber interessiert sich nur bedingt für Ökologie.» Das spüre man klar aus seinen Voten. Und die Abgrenzung von Wolf sei auch einfach, der sei ganz Links.

Ihm werde Nähe zur SVP nachgesagt. Ob das stimme, will der Vertreter der interessierten Bevölkerung wissen. Hodel holt aus: «Wir stehen halt mehr auf der Seite der Sparer.» Doch einseitig will er die Sparpolitik seiner Partei nicht verstanden wissen. Sparen, so tönt es, will er vor allem Energie. Und was die GLP geisselt, sind «Luxusprojekte», wie es im Wahlflyer heisst. Was damit gemeint sei? Zum Beispiel das neue Hardturmstadion, es sei zu teuer. Die Mine des Neuen – offenbar ein Fussballfan – verfinstert sich.

Eine Sitzreihe weiter diskutiert eine Parteigänger-Runde über das Thema Wohnen. Er würde sich das Haus, das er gekauft habe, als Mieter nicht leisten können, sagt einer. Und ein anderer macht sich Sorgen um seinen ökologischen Fussabdruck, wenn sein Sohn aus dem 3-Personen-Haushalt auszieht. Dann seien sie nur noch zwei Leute auf 80 Quadratmetern. Das sei ja nicht so viel, meint eine junge Frau.

Während das Tram via Hochschulquartier und Kirche Fluntern eine grosse Schlaufe fährt, erläutert Hodel die Idee der GLP, die Mehrwertsteuer abzuschaffen und durch eine Steuer auf nichterneuerbaren Energien zu ersetzen. Das Ganze sei zwar noch nicht ausgereift, aber gut. Die Umsitzenden geben ihm begeistert recht.

Im Kantonsrat ist Hodel bisher nicht aufgefallen. Bis auf die Budgetdebatte, wo er ausgerechnet den GLP-Antrag vertreten musste, der selbst Sparpartner SVP zu weit ging: Streichung der längst überfälligen neuen Stellen bei der Kantonspolizei. Aus wahltaktischer Sicht, räumt Hodel ein, sei das nicht ideal gewesen. Auch hätte er sich wohl etwas häufiger zu Wort gemeldet, wenn er gewusst hätte, dass eine Kandidatur für den Stadtrat anstehe.

Thema Verkehr: Er wolle den Langsamverkehr fördern, sagt Hodel. Aber er sei auch für Kostenwahrheit beim öffentlichen Verkehr. Dann müssten halt, so der Kandidat, andere Wege gefunden werden, damit sich alle ein Zugbillett leisten könnten. Der Neue will wissen, was Hodel von den Verkehrsberuhigungen wie Schwellen hält, «die der Schwellen-Ruedi» (gemeint ist Ruedi Aeschbacher, der von 1978 bis 1994 Stadtrat war) eingeführt hatte. Davon wisse er nichts, sagt Hodel – kein Wunder, der gebürtige Urner lebte damals noch fernab der Stadt, die er nun mitregieren zu gedenkt.

Und regieren will er wirklich. Er glaubt, dass seine Chancen reell sind. Aussenseiter sei er, gibt er zu, aber nicht chancenlos. Von Kollegen danach gefragt, ob er seine Firma aufgeben müsste, sagt er: «Ja, ich darf als Stadtrat nicht einmal im Verwaltungsrat bleiben.» Darf, ohne Konjunktiv.