Limmat und Sihl sind die grössten Naturgefahren im ganzen Kanton Zürich. Das alte Wehr am Platzspitz in Zürich, wo diese Flüsse zusammenfliessen, ist für künftige Hochwassersituationen aber nicht mehr gerüstet. Nun wird es für 20 Millionen Franken erneuert.

Die Idylle trügt. "Der Platzspitz könnte zum Brennpunkt einer Katastrophe werden", sagte Baudirektor Markus Kägi (SVP) am Freitag vor den Medien. Sihl und Limmat seien die Naturgefahren Nummer eins.

Im Jahr 2005 beispielsweise entging die Stadt Zürich nur um Haaresbreite einer Katastrophe. Hauptbahnhof und Shopville wurden beinahe überflutet. Bei einem Hochwasser drohen alleine in der Stadt Schäden von 6,7 Milliarden Franken.

Das Wehr beim Platzspitz, mit dem der Abfluss aus dem Zürichsee gesteuert wird, hat bei der Verhinderung von Überflutungen eine zentrale Funktion. Es schützt die Gemeinden entlang des Zürichsees vor Überschwemmungen und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Situation auch limmatabwärts unter Kontrolle bleibt.

Wehr kann zusammenklappen

Dieses Wehr ist allerdings schon fast 70 Jahre alt und sogar noch mit Holz abgedichtet. Die zwei aufstellbaren Klappen lassen Wasser durch und sind oft schlecht steuerbar. Gibt es von der Sihl zu viel Wasser und somit zu viel Druck, kann das Wehr zudem zusammenklappen und muss mit Druckluft wieder aufgerichtet werden. Ansonsten käme es zu einer Flut in Richtung Limmattal und Aargau.

"Eine Erneuerung ist unumgänglich", sagte Kägi. Viel Zeit lassen kann sich der Kanton nicht. "Eine rasche Inbetriebnahme ist anzustreben." Bis 2024 soll das Wehr erneuert sein. Der Kanton rechnet damit, dass sich der Bund an den Kosten beteiligt. Von den insgesamt 20 Millionen Franken soll er bis zu 45 Prozent übernehmen.

Geplant ist, das alte, mit Holz abgedichtete Dachwehr durch ein Sektorwehr aus Metall zu ersetzen. Die äussere Erscheinung des Wehrs wird sich dadurch kaum verändern. Auch in Zukunft soll stets etwas Wasser über beide Wehrfelder fliessen.

Kägi rechnet damit, dass allein die Erneuerung des Wehrs 13 Millionen kosten wird. Teil dieses Projekts ist auch ein Fischpass für 3,5 Millionen Franken, der den Fischen ermöglichen soll, den Weg von der Limmat hinauf in den Zürichsee zu finden. Diese Strecke sollen die Tiere über ineinandergreifende, runde Becken bewältigen.

Alte Brücke wird versetzt

Die restlichen 3,5 Millionen werden verwendet, um den historischen Mattensteg zu versetzen und an seiner Stelle eine Zufahrtsbrücke zu bauen. Ziel dieser Aktion ist es, die alten Platanen im Park vor Lastwagenpneus zu schützen. Diese Bäume, die teilweise schon im Jahr 1786 dort standen, würden die Bodenverdichtung durch die Baulastwagen wahrscheinlich nicht überleben.

Über die beiden Fussgängerbrücken können die Lastwagen jedoch auch nicht, da sie nicht für solche Belastungen konzipiert wurden. Der Kanton entschied sich deshalb, den Mattensteg, der zum Sihlquai führt, abzubrechen und an seiner Stelle eine stabile Zufahrtsbrücke zu bauen.

Der historisch wertvolle Mattensteg, der für die Landesausstellung im Jahr 1883 gebaut wurde, erhält 80 Meter weiter flussaufwärts - also näher beim Hauptbahnhof - einen neuen Standort. So können die Bäume vor Lastwagenpneus geschützt werden und der Platzspitz wird noch besser erreichbar. Für Kägi "der Fünfer und s Weggli".

Der Kanton Zürich ist seit geraumer Zeit daran, den Hochwasserschutz verbessern. Neben der Erneuerung des Wehrs am Platzspitz baut er auch einen Hochwasser-Entlastungsstollen zwischen der Sihl bei Langnau am Albis und dem Zürichsee bei Thalwil.