Dass Felix Kilchsperger ein Samichlaus aus Überzeugung ist, sieht man seinen Augen an. Sie strahlen, wenn er von seiner Aufgabe erzählt. «Wissen Sie», sagt er, während er an Adventspostern, Tannästen und lebensgrossen Samichlausfiguren vorbeigeht: «Wenn dies ein Job wäre, den man das ganz Jahr machen könnte, dann wäre ich am liebsten immer Samichlaus.»

Der Uitiker schwärmt von den gut erzogenen Kindern und Jugendlichen, die dem Samichlaus viel respektvoller und freundlicher begegneten als noch vor zehn Jahren. Wenn er sagt, es gäbe «nichts Schöneres» als Samichlaus zu sein, glaubt man es ihm sofort.

Nie mehr davon losgekommen

All das Schöne beginnt in perfekt organisierten Räumen unter dem Zürcher Strassenverkehrsamt. Hier, in der Samichlauszentrale, werden Anrufe entgegengenommen, Einsatzpläne gemacht, Mahlzeiten gekocht, Kostüme geändert und Bärte mit Lockenwicklern in Ordnung gebracht. «Die Logistik ist gewaltig», sagt Kilchsperger.

Morgen geht es dann so richtig los mit dem Chlauseinzug an der Zürcher Bahnhofstrasse. Danach sind die Chläuse bis Mitte Dezember im Einsatz.

Kilchsperger gehört zum Inventar

Seit bald 40 Jahren ist Kilchsperger selber jeden Winter in der roten Robe unterwegs und seit fünf Jahren macht er zusätzlich die Öffentlichkeitsarbeit für die St.Nikolausgesellschaft der Stadt Zürich.

Angefangen hat alles mit einem privaten Einsatz als Samichlaus, damals, als seine beiden Söhne – einer davon ist Fernseh- und Radiomoderator Roman Kilchsperger – noch klein waren.

Bald nachdem er auf die «schönen Chläuse» der St.Nikolausgesellschaft aufmerksam gemacht wurde, steckte er schon selber in einem der roten Mäntel mit dem goldenen Logo. «Seither bin ich nicht mehr davon losgekommen», erzählt er.

Nachfrage steigt jedes Jahr

Dass er sofort als Samichlaus einsteigen durfte, war ungewöhnlich. Normalerweise muss zuerst ein mindestens zweijähriges Praktikum als Schmutzli absolviert werden. Schliesslich wolle man den Kunden nur allerbeste Qualität bieten, so Kilchsperger.

Dass die Rechnung aufgeht, bestätigen die Rückmeldungen: Letztes Jahr wurden fast 1000Einsätze absolviert. Beschwerden gingen nur zwei ein – wovon eine «absolut ungerechtfertigt war», wie Kilchsperger anfügt. «Wir sind unglaublich stolz auf unsere Leute», sagt er.

Genügend davon zu finden, ist jedoch nicht einfach: Um alle der 1300 Anfragen pro Saison erfüllen zu können, brauchte die St.Nikolausgesellschaft noch mehr als die rund 280 Aktiven – darunter 35Trios aus je einem Samichlaus, Schmutzli und Fahrer. «Die Nachfrage nach Samichläusen steigt jährlich», so Kilchsperger.

Doch nicht nur Familien, Vereine und Firmen werden besucht: Rund 1000Chlaussäckli verschenkt die St.Nikolausgesellschaft jährlich an Bedürftige; Alterszentren und Behindertenheime werden kostenlos besucht. «Sehr eindrücklich» sei das, erzählt Kilchsperger.

Sowieso sei man «rundum sozial eingestellt», sagt er: Allfällige Gewinne werden an gemeinnützige Organisationen gespendet, der eigene Sozialdienst «Gebende Hand» unterstützt das ganze Jahr durch schnell und unbürokratisch Menschen in Not.