Street Parade 2014

Hochbetrieb für die Sanitäter und Ruhe für die Vögel

Eines der Lovemobile bahnt sich seinen Weg durch die Menge.

Eines der Lovemobile bahnt sich seinen Weg durch die Menge.

Um die 950'000 haben am Samstag rund ums Zürcher Seebecken lautstark und fröhlich gefeiert. Die ohrenbetäubende Musik machte klar: Es ist Street Parade. Dass die Raver ein Herz für Tiere haben, zeigte sich, als sie die Vogelvolière passierten.

Am Hauptbahnhof ist von der Technomusik noch nichts zu hören. Die Bahnhofstrasse ist voller Menschen. Sie streben in Richtung See. Der Strassenrand ist schon Ende Nachmittag übersät von leeren Getränkedosen, Bierflaschen und zerknülltem Einwickelpapier. In der nächsten Parallelstrasse dagegen ist gar nichts los - ruhig und fast menschenleer liegt sie da.

Ab Paradeplatz ist die Musik zu hören - und zu fühlen: Die wummernden Bässe lassen das Zwerchfell vibrieren. Auf der zwei Kilometer langen Strecke vom Seefeld bis zum Hafen Enge sorgen 30 Lovemobiles und sechs fest installierte Bühnen für den nötigen ohrenbetäubenden Sound.

Beim Bürkliplatz und auf der Quaibrücke zum Bellevue ist kaum ein Durchkommen. Die Stimmung ist fröhlich und locker. Hunderttausende Techno-Fans tanzen rund um das Seebecken. Spärlich bekleidete, bunt bemalte oder schrill kostümierte Raver sind zwar die beliebtesten Fotosujets. Die meisten allerdings geniessen die gigantische Party in ganz gewöhnlichen Freizeitkleidern.

Hochbetrieb im Sanitätsposten

Konzentriert und professionell geht es im Sanitätsposten gleich nebenan zu. Schlag auf Schlag werden hier "Alkoholleichen" hereingeschleppt, kleine Wunden verarztet und ernste Fälle für den Transport ins Spital bereitgemacht.

Eine junge Frau lässt sich den blutenden Fuss verbinden - sie trägt entgegen allen Ermahnungen der Veranstalter Riemchensandalen. Ein junger Mann kriegt ein Pflaster übers Knie, ein zweiter einen Verband über ein Auge.

Mehrere Leute liegen auf den Liegen im Zelt. Einem wird soeben eine Infusion gesteckt, bei einem wird der Blutdruck kontrolliert. Ein junger Mann erhebt sich nach einer Weile mit noch etwas verquollenen Augen. Er bedankt sich überschwenglich bei den Sanitätern und geht weiter feiern.

Auftakt zur Street Parade 2014

Auftakt zur Street Parade 2014

Zwei üppig Tätowierte schleppen einen Kollegen herbei, mit rotem Gesicht, die Augen zugedrückt und offensichtlich von heftigen Schmerzen geplagt. Der eine der Begleiter wendet sich vor Sorge aggressiv an die Sanitäter, wird vom anderen aber zurechtgewiesen.

Der Patient hat Pfefferspray in die Augen bekommen. Er wird behandelt, und als es ihm nach einer Weile wieder besser geht, zieht er mit seinen Kollegen ab - im kampflustiger Stimmung, so scheint es. "Jetzt gibts Rache", murmelt die Ärztin im Vorbeigehen.

Insgesamt sieben Sanitätsposten sind entlang der Umzugsroute eingerichtet. Der ständige Betrieb täusche aber, relativiert Tabea Rüdin, Sprecherin von Schutz&Rettung Zürich, gegenüber der Nachrichtenagentur sda: Angesichts der Hunderttausenden benötige nur ein verschwindend kleiner Teil Hilfe. Kurz vor 20 Uhr twittert Schutz&Rettung, bisher seien rund 270 Patienten versorgt worden.

Ruhe für die Vögel

Die diesjährige Street Parade stand unter dem Motto "Enjoy the Dancefloor - and save it". Die Teilnehmenden sollen die Veranstaltung friedlich und fröhlich geniessen - und sie schützen mit anständigem, rücksichtsvollem, tolerantem und überlegtem Verhalten.

Dass die Teilnehmer und Verantwortlichen dies ernst nahmen, zeigte sich bei der städtischen Volière am Mythenquai: Wie Ohrenzeugen berichteten, stellten die Lovemobiles dort die Lautsprecher auf Bitten der Volièren-Verantwortlichen leise. Grund: Bei den seltenen Kronentokos sollten ausgerechnet am Street-Parade-Wochenende Junge schlüpfen, und die Mutter sollte ob des Lärms keine Panik bekommen.

Nach dem Umzug feierten die Unermüdlichen an zahlreichen Partys weiter bis in den Sonntagmorgen hinein. Für die An- und Abreise zur Street Parade setzten die SBB mehr als 100 Extra- und Nachtzüge ein. Auch in der Region Zürich fuhr der öffentliche Verkehr die ganze Nacht.

Die Street Parade 2014 aus der Vogelperspektive

Die Street Parade 2014 aus der Vogelperspektive

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