Zürich
Hitzewelle verschlechtert Luftqualität – empfindliche Personen sollten sich schützen

Trotz anhaltender Hitze und Trockenheit ist die Schadstoff-Belastung in Zürich für die Bevölkerung derzeit gering – trotzdem kann sie gesundheitliche Folgen haben.

Lina Giusto
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Bei hohen Ozon-Belastungen sollen empfindliche Personen ihre Tagesaktivitäten vorsichtshalber anpassen.

Bei hohen Ozon-Belastungen sollen empfindliche Personen ihre Tagesaktivitäten vorsichtshalber anpassen.

Keystone

Für die nächsten Tage sagt SRF Meteo Temperaturen von 30 Grad und drüber voraus. Damit geht die anhaltende Trockenperiode weiter und verschärft sich teilweise sogar. Hitze und Trockenheit beeinflussen neben Landwirtschaft, Wäldern und Stromproduktion auch die Luftqualität und damit die Gesundheit.

Die aktuellen Messwerte von Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon in der Stadt Zürich an den Stationen Stampfenbachstrasse im Kreis 6, Schimmelstrasse im Kreis 3 und Rosengartenstrasse im Kreis 6 weisen für alle drei Faktoren derzeit an den Vormittagen eine geringe Belastung für die Bevölkerung aus. Trotzdem wird hinsichtlich der Ozon-Grenzwerte für den laufenden wie auch die beiden Folgetage eine Grenzüberschreitung prognostiziert.

Gerade beim Ozon werden in der Stadt Zürich im laufenden Jahr die höchste Zahl an überschrittenen Grenzwerten verzeichnet. Dies zeigt die Statistik des Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Stadt Zürich. Alleine im Jahr 2018 kam es an der Stampfenbachstrasse zu über 170 Grenzwertüberschreitungen. Nur jene beim Heubeeribüel nahe des Zoo Zürichs liegen deutlich höher. Dort wurden bislang über 400 Überschreitungen gezählt.

An der Rosengarten- wie auch der Schimmelstrasse lagen die Überschreitungen seit Jahresbeginn bei unter 80 Fällen. Diese Werte beschreiben allesamt die Kurzzeit-Belastung. Davon unterscheidet sich laut Jürg Brunner, Leiter Messung Luftqualität des Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Stadt Zürich, die chronische Belastung.
Während bei den Kurzzeit-Grenzwerten das Ausbleiben ausserordentlicher Wetterlagen zu tiefen Überschreitungszahlen führe, können die chronischen Belastungen deshalb trotzdem über den Langzeit-Grenzwerten liegen.

Am Morgen Sport treiben

Damit ist klar: Das Wetter beeinflusst die Luftqualität – über kurze und lange Zeit – massgeblich. «Auf die Luftbelastung durch Feinstaub und Stickstoffdioxid hat die Sommerhitze einen unwesentlichen Einfluss. Sie hat aber vermehrt Überschreitungen des Ozon-Stundengrenzwerts zur Folge», sagt Brunner.

Dass Ozon, das vor allem bei hohen Temperaturen und hoher Sonneneinstrahlung entsteht, deutlich öfters die Grenzwerte überschreitet als Stickstoffdioxid oder Feinstaub, hat laut Brunner aber noch andere Gründe: «Ozon hat in der freien Atmosphäre eine sehr grosse Lebensdauer und kann entsprechend über grosse Distanzen verfrachtet werden.» Dies führe bei länger anhaltenden Heisswetterlagen – wie es in diesen Tagen der Fall ist – dazu, dass die Ozon-Belastung täglich etwas höher ausfallen könne. Die Vortage und damit das verfrachtete Ozon leisten laut Brunner einen wesentlichen Beitrag dazu.

Aber der Fachmann für Luftqualität sieht auch Verbesserungen: «Trotz der hohen Überschreitungszahlen sind heute die Spitzenbelastungen wesentlich tiefer als noch vor zwanzig Jahren.» So habe auch die Beschränkung des Schadstoff-Ausstosses die Luftbelastung merklich verbessert.

Trotzdem könne die Überschreitung der Ozon-Grenzstundenwerte bei empfindlichen Personen gesundheitliche Auswirkungen haben: «Gereizte Atemwege führen zu Einschränkungen der Lungenfunktion und können beispielsweise Asthma-Anfälle auslösen. Kratzen im Hals, tränende Augen und Kopfschmerzen sind oft auch Begleiterscheinungen bei hohen Ozon-Belastungen», sagt Brunner. Besonders Senioren, Kleinkinder und Personen mit einer Atemwegserkrankung seien gefährdet.

Entsprechend empfiehlt der städtische Umwelt- und Gesundheitsschutz, sich der Hitze entsprechend zu verhalten: Es lohnt sich auf körperliche Höchstleistungen am Nachmittag zu verzichten oder diese auf den frühen Morgen zu verlegen. Die Tagesaktivitäten solle man so legen, dass man der Hitze respektive hohen Ozon-Konzentration ausweichen könne. Für Interessierte bietet die Stadt Zürich über das SMS-Abo kostenlose Informationen zu den Ozonwerten an.

Tipps: Die Luftbelastung persönlich verbessern

- Weniger Motoren-Abgase produzieren: Wenn möglich auf den öffentlichen Verkehr oder das Velo umsteigen oder zu Fuss gehen. Mit dem Auto treibstoffsparend fahren oder auf ein umweltfreundliches Fahrzeug mit Naturgas-Antrieb, Diesel mit Partikelfilter und entsprechenden Katalysator umschwenken. Auch Kurzstreckenflüge gilt es zu vermeiden.

- An Luft und Umwelt denken: Mehr Materialien wiederverwerten und Umweltschutz-Papier benutzen. Energie sparen und auf umweltfreundliche Technologien umstellen. Heiz-, Verbrennungs- und Prozesswärme-Anlagen auf modernsten Stand bringen. Güter wenn immer möglich, mit dem Zug transportieren.

- Richtig heizen: Temperatur in Schlaf - und Nebenräumen reduzieren. Regelmässig kurz und kräftig durchlüften. Fenster und Türen gut isolieren.

- Zu Hause beginnen: Produkte ohne organische Lösungsmittel wählen. Abfälle vermeiden und trennen. Regionale Produkte kaufen. Energie-effiziente Geräte und Leuchtmittel kaufen. Elektrogeräte nutzen statt solche mit Benzinmotor. (GIU)