Rapperswil-Jona

«Hitlers Nachttopf»: Der mysteriöse Chiemsee-Goldkessel wird verkauft

Der heilige Gral oder bloss ein Nachttopf? Der 2001 gefundene Goldkessel hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Der heilige Gral oder bloss ein Nachttopf? Der 2001 gefundene Goldkessel hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

In Rapperswil-Jona will das Konkursamt St. Gallen den rätselhaften Goldtopf verkaufen, der 2001 im bayerischen Chiemsee gefunden wurde.

Weiter auseinander könnten die Erklärungsversuche gar nicht liegen. Die einen glauben, den Heiligen Gral vor sich zu haben, das Gefäss, welches das Blut Christi aufgefangen haben soll. Die anderen sprechen von Hitlers Nachttopf. Das Objekt der Begierde ist knapp 30 Zentimeter hoch, hat einen Durchmesser von einem halben Meter und wiegt fast elf Kilogramm. Und es ist aus Gold, verziert mit keltisch inspirierten Motiven.

Vom Chiemsee kam der Goldtopf 2005 über einen deutschen Sammler an den Zürichsee, zu einem Meilemer Geschäftsmann. Dieser soll 300 000 Euro für die Schüssel hingeblättert haben in der Hoffnung, durch geschicktes Marketing später ein Vielfaches dafür zu lösen. Finanzlöcher, die er mit dem Geld stopfen wollte, gab es in seiner Firma genug. Doch die hoch fahrenden Träume platzten. Der Meilemer wurde 2006 wegen Betrugs verhaftet und zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig. Seine Firma ist längst bankrott. Der Goldkessel wurde vom Kanton Zürich beschlagnahmt. Weil die Firma des Verurteilten ihren Sitz in Jona hatte, ist das Konkursamt St. Gallen beziehungsweise seine Zweigstelle Rapperswil-Jona jetzt für die Verwertung zuständig.

Sie habe etliche Angebote erhalten, sagt Konkursbeamtin Katharina Kuster auf Anfrage. Bei den Interessenten handelt es sich um Privatpersonen, aber auch um Museen. Über die Seriosität der Interessenten wollte Kuster vorerst keine Angaben machen. Sie habe diese noch nicht geprüft. Vorher geht die Suche nach einem Käufer nun in eine neue Runde. Die Höchstbietenden können ihr Angebot in den nächsten Tagen noch einmal nachbessern.

Anonymer Käufer

Der Preis für den goldenen Chiemsee-Kessel steht demnach noch nicht fest. Sein Materialwert liegt derzeit bei rund 350 000 Franken. Auch wenn der Kessel einmal verkauft ist, wird es vom Konkursamt keinerlei Details zu erfahren geben. Sie werde weder den neuen Eigentümer noch den Verkaufspreis nennen, erklärt Katharina Kuster. Der Erlös geht an die Geschädigten der Firma des Meilemer Geschäftsmannes.

Die Ursprünge des Goldkessels liegen auch zwölfeinhalb Jahre nach dessen Auftauchen im Dunkeln. Die Fachleute in München mussten all jene enttäuschen, die an ein Fundstück aus keltischer Zeit geglaubt hatten. Das Gefäss sei wohl um 1925 gefertigt worden, hiess es. Das wiederum liess Gerüchte aufkommen, der Topf stamme aus Nazibeständen und sei für SS-Chef Heinrich Himmler bestimmt gewesen. Diese Diskussion brachte dem Goldschatz den Übernamen «Hitlers Nachttopf» ein. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wäre dieser dann wohl zusammen mit anderen Schätzen im Chiemsee versenkt worden. Endgültige Beweise für diese Theorie gibt es allerdings nicht.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1