Flüchtlinge

Hilfe für Calais - Eine Kurznachricht löste Spendenflut aus

Eine Zürcherin hat eine private Hilfsaktion lanciert – bereits am ersten Sammeltag ist ihr Lager voll.

Erst zweieinhalb Wochen ist es her. Diana Brasey twitterte an jenem Montag und bat um Hilfe für Flüchtlinge, die seit Monaten in Calais ausharren.

Die Zürcherin wusste damals nicht, welche Reaktionen sie mit ihrer ersten Kurznachricht auslösen würde. Für sie war vor zweieinhalb Wochen ob all der Bilder in den Medien einfach klar: «Nur zuschauen, das geht nicht mehr.» Also rief die 41-Jährige über die sozialen Kanäle unter dem Stichwort «Hilfe für Calais» zu Sachspenden auf (auf Twitter heisst das: #hilfefürcalais).

Heute Nachmittag hat die 41-Jährige in Zürich Altstetten zum ersten Mal öffentlich Kleider und weitere Spenden entgegengenommen. Weitere Sammeltage waren noch eingeplant. Doch nach wenigen Stunden war das Lager in der Tiefgarage der Autonomen Schule Zürich an der Bachmattstrasse voll. Brasey kann nun vorerst keine Spenden mehr annehmen.

Der Erfolg der klein gestarteten privaten Aktion hatte sich abgezeichnet. Denn «Hilfe für Calais» war in den vergangenen Tagen durchgestartet. Unzählige Personen sicherten Spenden zu. Und viele von ihnen wollten es nicht dabei belassen, sondern sie engagierten sich gleich aktiv. In ihren Wohnungen in Basel, Bern, Luzern und vielen weiteren Städten haben sie, um Brasey zu unterstützen, zusätzliche, dezentrale Sammelpunkte eingerichtet.

Das Echo war überwältigend. «Die enorme Welle der Solidarität, die wir zurzeit erleben dürfen, ist einfach unfassbar», schrieb eine Basler Mit-Initiantin am vergangenen Freitag auf ihrem Internetblog. Und einen Tag später ergänzte sie: «Meine Wohnung füllt sich rasant. Es ist wunderbar, auf all die herzlichen Menschen zu treffen, die bereit sind, zu spenden.»

Unerwartet grosser Zuspruch

Bis gestern war es in diesem Stile weitergegangen. Und damit trat ein Problem auf – die Solidaritätswelle war derart gross, dass die Räume nicht mehr ausreichten. Die verschiedenen Aussenlager, eben die privaten Wohnungen, waren so voll, dass die Helferinnen am Dienstag einen Sammelstopp erlassen mussten. «Mit Eurem immensen Zuspruch und dieser Solidarität hätten wir nicht in diesem Ausmass gerechnet», teilten Diana Brasey und ihre Mitstreiterinnen auf ihrem Internetblog mit.

Und die grosse Hilfsbereitschaft führte nun auch heute im zentralen Lager in Altstetten zum selben Problem. Die Tiefgarage, die den engagierten Frauen zur Verfügung steht, füllte sich rasch.

Ein Junge hatte sein Fahrrad (mit Velohelm) gespendet. Es sei fast neu, meinte er. Und: «Man muss allen helfen». Eine Frau, die verschiedene Winterkleider in einen Koffer gepackt hatte, sagte, dass sie in ihrer kleinen Wohnung keine Flüchtlinge aufnehmen könne. Aber diesen Beitrag könne sie leisten. «Und ich bin froh, etwas tun zu können.» Ähnlich äusserten sich viele weitere Personen, die einzelne Kleidersäcke nach Altstetten brachten oder gleich mit vollen Gelände- und Lieferwagen vorfuhren.

Auch das Geld reicht bereits

Die Kleider und weiteren Sachspenden werden Brasey und weitere Personen mit zwei oder drei Lastwagen persönlich nach Calais fahren. Die beiden Fahrzeuge können wie erhofft gemietet werden. Am Dienstag war dank Spenden der erforderliche Betrag zusammengekommen. Auf Facebook hielt Brasey gleich fest: «Deshalb, bitte ab sofort nicht mehr einzahlen.»

Vorgesehen ist, dass die Lastwagen um den 2. und 3. Oktober herum an die französische Nordküste abfahren. Dort, wo mehrere Tausend Flüchtlinge leben und hoffen, irgendwann irgendwie durch den Eurotunnel nach England zu gelangen, werden die Spenden dann von einer lokal verankerten Hilfsorganisation verteilt. Bis die beiden Fahrzeuge an den Ärmelkanal abfahren, müssen nun die Kleider und Spenden noch sortiert werden.

Denn für ihre Aktion suchten die privaten Helferinnen vor allem warme Kleider und Schuhe für Männer und Frauen (in Calais befinden sich derzeit eher weniger Kinder unter den Flüchtlingen). Auch Zelte und Schlafsäcke sind in den Flüchtlingslagern willkommen – wie auch Velos, da die Flüchtlinge für die Wasserbeschaffung teilweise lange Strecken zurückzulegen haben.

Überzählige Spenden spenden

Kinderkleider und Spielsachen, die gespendet wurden und allenfalls in Calais nicht benötigt werden, wollen die privaten Helferinnen und Helfer anderen Projekten zukommen lassen. «Einen Teil werden wir allenfals über ein anderes Projekt direkt nach Syrien in die Flüchtlingscamps vor Ort senden können», sagt Brasey.

Was nun bis Anfang Oktober passieren wird, ist noch offen. Einzelne Helferinnen hofften heute, dass weitere Lastwagen organisiert – oder finanziert – werden könnten, andere wünschten sich weitere Lagermöglichkeiten. Was auch immer noch kommen mag: Das erste Ziel, zwei Lastwagen zu füllen, ist nach knapp zweieinhalb Wochen erreicht. «Tausend Dank», teilten Diana Brasey und ihre Mitstreiterinnen heute auf Facebook mit. «Wir melden uns mit News!»

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