Bergell
Hilfe aus dem Zürcher Unterland: Bagger und Sauger sind für Bondo bereit

Mit Spezialgerät aus dem Zürcher Unterland wird das Bündner Bergsturzgebiet wieder aufgeräumt.

Christian Wüthrich
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Vom Zürcher Unterland aus gelangt schweres Hilfsgerät wie dieser 100-Tonnen-Bagger ins Bergstutzgebiet bei Bondo im Bergell.

Vom Zürcher Unterland aus gelangt schweres Hilfsgerät wie dieser 100-Tonnen-Bagger ins Bergstutzgebiet bei Bondo im Bergell.

Sibylle Meier

Die Anfrage aus dem Bergsturzgebiet im Bergell ging am vergangenen Wochenende ein, sagt Silvan Eberhard. Er ist Geschäftsführer Logistik der gleichnamigen Baufirma mit Sitz in Kloten. Seither konnte er bereits etliche tonnenschwere Spezialmaschinen vom Standort Oberglatt ins Bergeller Bergdorf Bondo schicken. «Wir wollen die Einheimischen vor Ort nicht konkurrenzieren», sagt er und fügt an: «Aber solche grossen Maschinen haben sie dort halt einfach nicht verfügbar, da es sonst keine solch grossen Geräte braucht.»

Am Sonntag hat ein Teil der Eberhard-Belegschaft in Oberglatt eine Sonderschicht geleistet, damit weitere Spezialbagger transportbereit gemacht werden konnten. Ins Bergell verfrachtet wird die schwere Last aus dem Flachland nämlich auf Tiefladern von der Partnerfirma Feldmann. Im Laufe dieser Woche werden insgesamt drei Spezialbagger und zwei Dumper mit riesigen Ladebrücken für den Abtransport des Geschiebes in Bondo zur Verfügung stehen.

Ferngesteuerte Bagger sind rar

Noch immer fürchtet man weitere Felsabbrüche, die vom fast 3400 Meter hohen Pizzo Cengalo ins Val Bondasca hinunter stürzen und sich dort mit dem teils aufgestauten Bergbach innert Minuten in Form von Schlammlawinen bis in den Talboden auf gerade noch etwas über 800 Meter über Meer ergiessen.

Die Baggerführer, Chauffeure und Einsatzkräfte im Dorf müssen deshalb stets mit weiterem Unheil rechnen und bereit sein, das Einsatzgebiet schnell zu verlassen. Das weiss auch Silvan Eberhard. Deshalb ist der ferngesteuerte Raupenbagger aus dem Zürcher Unterland ideal für diesen gefährlichen Einsatz. «Meines Wissens gibts nur ganz wenige ferngesteuerte Bagger in der Schweiz. Möglicherweise sind wir momentan sogar die Einzigen, die einen solchen besitzen.» Gegenüber «TeleZüri» meinte der Logistikchef der Firma: «Klar wollen wir keinen verlieren – aber lieber einen Bagger, als einen Bagger samt Maschinisten.»

Angesichts der Wucht des Geschiebes und weil bereits Baumaschinen während Räumungsarbeiten im südbündnerischen Dorf von einem nachträglichen Murgang verschüttet wurden, ist das Risiko bei den laufenden Sicherungsarbeiten jedenfalls weiterhin nicht zu unterschätzen. Gestern wurde Eberhards grösster und schwerster Bagger zunächst von Wildegg nach Oberglatt gebracht. Hier im Unterland wird das 100-Tonnen-Ungetüm für den Tiefladertransport nach Bondo fertiggemacht.

In den nächsten Tagen wird dieser dritte Spezialbagger wie die bisherigen Konvois aus dem Zürcher Unterland via Thusis, Julierpass durchs Oberengadin und den Malojapass hinunter ins Einsatzgebiet gebracht. Dort soll das Schwergewicht dafür sorgen, dass die Geröllmassen möglichst rasch und effizient aus dem Weg geschafft werden. Sodass zunächst im Falle neuerlicher Schlammlawinen die Sicherheitsbecken wieder genügend Auffangkapazität hätten.

Schon in St.Moritz im Einsatz

Unweit des jetzigen Einsatzortes war Eberhard in diesem Jahr schon einmal zu einem Einsatz beordert worden. Und zwar nach St. Moritz, wo nach heftigen Gewittern und starken Regenfällen vor dem Pfingstwochenende der Bergbach Ovel da Staz über die Ufer ging. Das Bächlein hatte unweit der Jugendherberge eine rund 200 Meter lange Röhre mit Geschiebe gefüllt und somit den Abfluss verstopft.

Dort waren die Unterländer Spezialisten vor allem wegen ihres speziellen «Staubsaugers» gefragt. Damit können nämlich weit mehr als nur kleine Staubkörner mittels dicken Schläuchen aufgenommen werden: «Die Saugbagger entfernten während fünf Tagen insgesamt 420 Kubikmeter Schlamm, Sand und Geröll aus dem unterirdischen Bachlauf», berichtet die Firma auf ihrer Website über den Notfalleinsatz im Nobelkurort.

Silvan Eberhard sieht auch in Bondo bereits Einsatzmöglichkeiten für die Spezialsaugtechnik. Allerdings erst wenn die Räumung der betroffenen Häuser und Garagen ansteht, wo sich Schlamm, Sand und Geröll noch meterhoch türmen. Gerade Unwettereinsätze, aber auch Einsatze nach Unfällen mit beispielsweise Verschmutzungen durch Öl sind keine Seltenheit für das Bauunternehmen mit Hauptsitz in Kloten. Zusammen mit drei Partnerfirmen, die ebenfalls über Spezialgerätschaften verfügen, haben sie eine Schnelleinsatzgruppe, die SEG24, gegründet. «So werden wir ein bis zwei Mal pro Woche zu Notfällen überall in der Schweiz gerufen», erzählt Silvan Eberhard.