Sauriermuseum
Hier wohnt einer der weltgrössten Dinosaurier

In Aathal wird gerade einer der längsten Dinos der Welt ausgestellt. Museumsdirektor Hans-Jakob Siber freut sich. Er bangt aber um die Zukunft privater Ausgräber.

David Kilchör
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«Ein Höhepunkt der Karriere»: Präparator Aart Walen und Museumsdirektor Hans-Jakob Siber vor den Knochen des Langhalssauriers im Zelt beim Museum.

«Ein Höhepunkt der Karriere»: Präparator Aart Walen und Museumsdirektor Hans-Jakob Siber vor den Knochen des Langhalssauriers im Zelt beim Museum.

Seraina Boner

Die geschwärzten Knochen eines Langhalssauriers liegen im Zelt auf dem Parkplatz des Sauriermuseums. Es handelt sich um eines der grössten je gefundenen Saurierskelette der Welt. Museumsdirektor Hans-Jakob Siber freut sich: «Der Dino ist für mich wie eine Goldmedaille an Olympia», sagt er. Der Langhalssaurier, dessen Name er noch nicht verraten will, bedeutet ihm viel. «Ein absoluter Karrierehöhepunkt. Und nun finden die spannendsten Momente der Entstehung des fertigen Dinos direkt vor der Museumstür statt.»

Dino soll Geld bringen

Siber und sein Grabungsteam fanden den Saurier vor sieben Jahren in den USA im Bundesstaat Wyoming. Bis 2014 dauerten die Ausgrabungsarbeiten – über 400 Knochen habe er in die Schweiz gebracht. Die Präparation dauerte vier Jahre – und was hier nun in den nächsten zehn Tagen geschieht, bezeichnet Siber als «Puzzlen». Es ist ein Zusammensetzspiel aus über 200 originalen Knochen, die am Ende ergänzt durch einige künstliche Nachbildungen einen fixfertigen Langhalssaurier ergeben sollen. Der wird 25 bis 27 Meter lang – länger als die längste Wand im Museum.

«Die genauen Masse kennen wir erst, wenn wir ihn zusammengesetzt haben», sagt Siber. Deshalb auch das 30 Meter lange Zelt auf dem Parkplatz. «Wir hatten zunächst vor, die Arbeiten extern und unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu erledigen. Dann kam uns die Idee mit dem Zelt.» Sie ist natürlich besser, da die Werkstatt gleich nebenan im Museum liegt. «Zudem können wir so den Besuchern einen Blick auf den entstehenden Saurier ermöglichen.»

Eingeweiht wird der fertige Saurier am anderen Ende der Schweiz – im naturhistorischen Museum Genf, Ende September, zu dessen 50-Jahr-Jubiläum. «Der Museumsdirektor kam als Geologiestudent mit uns auf Grabungen. Wir blieben danach in Kontakt – nun ist unser Dino das Highlight der Jubiläumsausstellung», erzählt Siber. Das halbe Jahr in Genf wird der Auftakt einer Tournee sein, die der Riesensaurier hinter sich bringt, um dem Aathaler Museum Geld in die Kassen zu spülen.

Für Ausgrabung und Präparation des Sauriers leisteten 25 Mitarbeiter rund 15 000 Arbeitsstunden. Allein eine Partie aus drei Körperwirbeln habe zwei bis drei Monate benötigt, sagt Siber. Die genauen Ausgaben kann er nicht beziffern. Er bezeichnet sie aber als «finanziell waghalsig». Allerdings seien diese Auslagen bereits bezahlt und das Geld, das der Saurier ins Museum bringe, für neue Projekte vorgesehen.

Zeitgleich schwirren Siber andere Pläne im Kopf herum: Museumsvergrösserungen, die letzten Endes auch dem bis auf weiteres tourenden Riesensaurier eine dauerhafte Bleibe ermöglichen sollen. «Klar, ich will das Skelett irgendwann im eigenen Museum zeigen können. Aber das wird noch viele Jahre dauern.» Denn zuvor würde er gerne ein Projekt im Eingangsbereich realisieren – Kostenpunkt 2,5 Millionen. «Das Geld dafür haben wir nicht.»

Für den Langhalssaurier denkt er über die Verlegung der Parkplätze in den Untergrund und einen Hallenbau auf dem heutigen Parkplatz nach. «Aber dieses Projekt ist noch völlig unkonkret. Und auch das würde grosse Kosten verursachen.» Er winkt ab. «Alles was mit Sauriern zu tun hat, braucht Zeit. Viel Zeit.»

Akademikern vorbehalten

Doch bleibt ihm diese überhaupt? Siber ist 74 Jahre alt. Und in seinem Kopf gibts noch so viele Ideen fürs Museum. Dazu kommen neue Grabungspläne, etwa in Madagaskar. «Ich konnte dieses Jahr einen Monat lang testgraben. Da könnte schon etwas drinliegen, wenn man sich für fünf bis zehn Jahre jährlich einige Wochen lang dahintermacht.»

Dabei wird die Situation für Sauriergrabungen zunehmend schwieriger. Neue Gesetzgebungen werden eingeführt – nur noch Akademiker dürfen graben, die Funde bleiben im Staatsbesitz. «Das macht privat organisierten Paläontologen den Garaus. Und letztlich sind sie die einzigen, die überhaupt graben. Akademiker bringen das Geld nicht zusammen und der Staat unternimmt ohnehin nichts.» Die Konsequenz: «Die Knochen verrotten in der Erde und werden irgendwann für immer verloren sein. Ich sehe schwarz für die nächste Generation von Ausgräbern.»