Auf der Landiwiese, auf der die Landesausstellung vor 75 Jahren die ländliche Schweiz in die Stadt brachte, findet heuer zum zwanzigsten Mal das Freestyle.ch statt – ein Event, das Outdoor- und Extremsportarten in die Stadt bringt. Markenzeichen der Veranstaltung ist die sogenannte Big-Air-Schanze, die hohe und weite Sprünge ermöglicht. Sie ist 32 Meter hoch, 100 Meter lang, hat oben einen Neigungswinkel von 40 Grad, wiegt 150 Tonnen und wird 250 Tonnen Schnee tragen, wenn am Samstag und Sonntag Snowboarder und Freeskier ihre Kunststücke zeigen. Es ist ein Koloss von einem Sportgerät.

Neil Morgan, der als Projektleiter für die Schanze verantwortlich ist, arbeitet mit seiner Crew seit Tagen an der Anlage. Zehn Tage braucht der Aufbau, seit Montag steht das Gerüst. Danach wurde die Schanze – oder wie Morgan sie nennt: der Kicker – verkleidet, um den Schnee darauf zu verteilen. «Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir am Kicker etwas verändert», sagt Morgan. Es wird zwei Schanzen geben, eine herkömmliche und eine, bei der an die Absprungkante eine Art Geländer, ein sogenanntes Rail, anschliesst.

(Quelle: freestyle.ch Zürich)

Freestyle Zürich 2014

Höchste Konzentration

Damit bieten sich den Snowboardern und Freeskiern mehr Möglichkeiten für Tricks. Während sich die Mountainbiker dieses Jahr mit nur einem Sprung begnügen müssen, hat Morgan mit seinen Leuten die Sprünge für die Motocrosser überarbeitet. Zwei Sprünge werden die waghalsigen Töfffahrer quer über die Landung der Big-Air-Schanze katapultieren. Die Anfahrt auf einen davon passiert erhöht auf zweieinhalb Metern. Morgan sagt: «Die werden brutal hoch in der Luft sein.» Er erzählt, der Anlass sei mit den Jahren Schritt für Schritt gewachsen. Die Big-Air-Schanze sei mal 15, mal 20 Meter hoch gewesen. Aber er hält fest: «Zu der jeweiligen Zeit war das Freestyle immer gross.» Heute zieht es jeweils über 30 000 Zuschauer an.

Seit der ersten Veranstaltung 1995 hat der Trendsportanlass einen weiten Weg zurückgelegt. Damals hiess das Freestyle.ch noch «Néscafé Züri Inline» und auf der Landiwiese zeigten Inlineskater, Skateboarder und BMX-Fahrer ihr Können. Bereits im darauffolgenden Jahr erweiterten die Organisatoren das Repertoire um die Disziplin Snowboard. Der grosse Sympathieträger der damals noch jungen Schweizer Snowboardszene tritt an: Fabien Rohrer.

1997 dann die grosse Sensation: Über-Skater Tony Hawk und BMX-Legende Mat Hofmann nehmen an dieser ungewöhnlichen, unzürcherischen Veranstaltung am Seeufer in Wollishofen teil. Das Event bekommt gleichzeitig einen neuen Namen und wird fortan Freestyle.ch heissen. Der Rest ist Geschichte. Tony Hawk wird in Zürich erstmals einen «900» stehen – ein Sprung mit dem Skateboard, bei dem sich der Fahrer zweieinhalb Mal um die eigene Achse dreht. Das Publikum vervielfacht sich, Konzerte finden statt neben den sportlichen Wettbewerben, die bekannten Marken der Szene sind mit Verkaufsständen auf der Landiwiese präsent – das Freestyle wird zu einem Festival, zu einem Open-Air, oder: zu einer Züspa für junde Trendsportler.

2002 findet die erste sogenannte Crossover-Session statt in der die Athleten aus allen am Event vertretenen Sportarten gegeneinander antreten. Wer das Publikum am meisten begeistert, holt sich den Sieg. Nun zeigt auch das Schweizer Fernsehen Live-Bilder von der Landiwiese und überträgt den Snowboard-Final.

Lange vor der Premiere an den Olympischen Spielen von Sotschi, bereits 2003, bekommen die Freeski-Rider eine Chance, ihre Sportart am Freestyle.ch vorzustellen. Gleichzeitig entfernen die Veranstalter die Skateboard-Halfpipe vom Gelände – wie die Szene, die das Event bedient, definiert sich Freestyle.ch immer wieder neu.

Die Legende aus der Westschweiz

Dazu gehört auch, dass die Veranstalter viele Schweizer Sportler präsentieren können. Angefangen bei Fabien Rohrer, Gian Simmen und Nicolas Müller auf dem Snowboard, über Mat Rebeaud, den tollkühnen Freestyle-Motocrossfahrer aus der Westschweiz, bis hin zu den Freeskiern Elias Ambühl und Kai Mahler, die an den Olympischen Spielen zwar Lehrgeld bezahlten, aber durch ihre Art erfrischten.

(Quelle:freecaster)

Motocrossfahrer Mat Rebeaud aus der Westschweiz wurde Crossover Champion 2013.

Derzeit schwebt aber Iouri Podlatchikov über allen. Der Lokalmatador gehört zur Weltspitze im Snowboard und bewies das zuletzt mit dem Olympiasieg in der Halfpipe in Sotschi. Nach wie vor nimmt er am Freestyle.ch teil.

Wer den Zürcher Ausnahmesnowboarder sehen will, sollte am Samstag zwischen 15 und 16.15 Uhr die Style-Session der Snowboarder besuchen. Podlatchikov startet am Sonntag in den Big-Air-Bewerben nicht. Und eine Teilnahme an der Crossover-Session vom Samstag abend hängt mitunter davon ab, wie es dem Olympiasieger in der Style-Session läuft: Sie gilt als interne Qualifikation für einen Start an der viel beachteten Crossover-Session.