Zürich
Hier werden junge Falken mit der Pinzette gefüttert

Glück im Unglück für drei junge Wanderfalken: Ihre Mutter starb vor dem Brutkasten, der sich am Hochkamin eines Stadtzürcher Kehrichtheizkraftwerks befindet. Allerdings wurde der Vorfall schnell bemerkt – dank einer Webcam, die dort installiert ist.

Reto Flury
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Die jungen Wanderfalken werden mit der Pinzette gefüttert

Die jungen Wanderfalken werden mit der Pinzette gefüttert

Limmattaler Zeitung

Der Wildhüter rettete die jungen Vögel und brachte sie nach Berg am Irchel in die Greifvogelstation. Sie wären sonst wohl verhungert, sagt Kaspar Hitz, Ornithologe und Leiter der Greifvogelstation. Denn bei Wanderfalken rupft nur das Weibchen das Futter in «schnabelgerechte» Happen. Zudem ist der Falkenvater in Zürich seit Längerem nicht gesehen worden.

Die jungen Wanderfalken werden jetzt in Berg am Irchel aufgezogen und möglichst bald ausgewildert. Es gehe ihnen gut, sagt Hitz. Sie legen an Gewicht zu, und das Federkleid gedeiht prächtig. Die drei Halbwaisen befinden sich in einer Box, die ähnlich gross ist wie die Brutnische in Zürich. Demnächst beginnen sie, zu flattern und ihre Flugmuskulatur aufzubauen. Dann zügeln sie in eine grössere Voliere, wo sie ein geschütztes Flugtraining absolvieren und das Beuteschlagen lernen. Hitz schätzt, dass die Aufzucht noch rund drei Wochen dauert. Die jungen Falken sind jetzt etwas älter als einen Monat.

Direkter Kontakt wird vermieden

Auf dem Menüplan stehen Wachteln, Eintagesküken sowie Muskelfleisch vom Rind. Bei der Fütterung vermeiden die Pfleger direkten Kontakt zu den Tieren. Sonst bestehe die Gefahr einer «Fehlprägung», so Hitz. Für ein Leben in der Wildbahn wäre es fatal, wenn sie Menschen als harmlos betrachten oder mit Futter verbinden würden.

Der Bestand an Wanderfalken in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren etwas erholt – dank Schutzmassnahmen und Verboten gewisser Pestizide. Trotzdem spricht Hitz von einem «empfindlichen Bestand». Insgesamt seien bloss rund 200 brutfähige Paare bekannt. Zum Vergleich: Bei den Mäusebussarden gibt es rund 25 000 Paare, die brüten könnten. Der Wanderfalke schätzt die offenen Lebensräume des Mittellands und der Voralpen.

Kollisionen auf der Jagd

Die Greifvogelstation pflegt pro Jahr drei bis fünf Wanderfalken. Grund für die Einlieferung sei meist eine Kollision auf der Jagd, sagt Hitz. «Oder es handelt sich um Jungvögel, die beim Ausfliegen Pech hatten.» Selten sei ein Fall aber so spektakulär wie der der drei Wanderfalken. «Uns telefonierten gleich mehrere Leute, die im Internet das tote Tier auf dem Anflugbrett bemerkt hatten.»

Der Vogel wurde in der Pathologie des Tierspitals untersucht. Dabei wurden keine Hinweise auf eine Vergiftung oder Infektion entdeckt. Hitz: «Vermutlich starb das Tier an einem Herz-Kreislauf-Versagen.»

Wie die Wanderfalken sich entwickeln, lässt sich online beobachten (www.paneco.ch). In der Greifvogelstation in Berg sind sie für Besucher aber nicht zu sehen.