Der Off-Ort für Frauen ist ein geschützter Begegnungsort für geflüchtete Frauen und ihre Kinder. Bislang gibt es solche Aufenthaltsorte – für Frauen und Männer – in Luzern und St. Gallen. Der Verein Solidarus eröffnet ab Mitte November jeden Mittwoch von 10 bis 18 Uhr einen geschützten Raum für Frauen und ihre Kinder im ehemaligen Pfarrhaus in Zürich Seefeld. «Mit einem einfachen Angebot versuchen wir, Frauen und Kindern eine Tagesstruktur zu ermöglichen», sagt Esther Hirzel. Zusammen mit Tanja Simonett-Marinček lanciert sie nun den Off-Ort für Frauen.

Die beiden engagierten Freiwilligen haben sich vor zwei Jahren über den Verein Solidarus kennen gelernt. Dieser engagiert sich auf der Basis von freiwilliger Arbeit auf unterschiedlichste Weise für Flüchtlinge. Seit bald zwei Jahren gibt Hirzel Deutschunterricht für Flüchtlinge. Auch Simonett-Marinček unterrichtet und bringt zudem viel Berufserfahrung mit Migrantinnen mit.

Jahrelang hat sie geflüchtete Frauen und ihre Familien psychologisch beraten, Erziehungs- sowie Familienberatungen durchgeführt. «Wir beide sahen das Bedürfnis von Frauen nach einem sicheren und geschützten Raum», so Hirzel.

Das war vor zwei Jahren. Seither haben die beiden Köpfe hinter dem Off-Ort recherchiert, sich mit Organisationen aus dem Asylbereich ausgetauscht, ein Konzept entwickelt und Gelder gesucht.

Kinder werden separat betreut

All diese Arbeit mündet nun in der Eröffnung des Off-Ortes am 14. November. «Es soll ein Ort werden, wo Frauen ihren Bedürfnissen nachgehen können», sagt Hirzel. Sei dies vom gemeinsamen Einkaufen und Kochen bis hin zum Deutschlernen.

Es soll auch die Möglichkeit für Spaziergänge geben, damit die Frauen Orte in Zürich kennen lernen könnten, die gratis oder zumindest günstig seien. Die Frauen dürfen sich aber auch zurückziehen: «Für die Körperpflege oder einfach, um sich auszuruhen», so Hirzel. Die Kinder würden aus diesem Grunde auch separat betreut, «damit die Frauen wirklich auch mal Raum und Zeit für sich haben», sagt Hirzel weiter.

Das Angebot richtet sich an Frauen, die in Asylunterkünften, Durchgangszentren und Wohnheimen leben. «Uns werden von anderen Organisation auch Frauen vermittelt, die schon hier leben, aber Mühe haben, sich zu vernetzen», sagt Hirzel.

Unterstützt wird das neue Projekt von NAK-Humanitas, der Reformierten Kirche Zürich, der Paul-Schiller-Stiftung, von Migros Kulturprozent sowie vom Spendenparlament Zürich. Zudem lebt das Projekt von privaten Spenden. Und Geld sei etwas, das sie derzeit dringend benötigen, so Hirzel.

Die Räume im ehemaligen Pfarrhaus in Seefeld bieten Platz für 20 bis 25 Frauen und ihre Kinder. Zudem gibt es ab Januar die Möglichkeit, im Haus drei möblierte Zimmer zu beziehen. Die Ansprechperson vor Ort im Off-Ort ist Victoria Tecleab. Sie leitet auch den Betrieb und ist als einzige Person bei diesem Projekt fest angestellt. Tecleab hat bei Colors sans frontières und in der Halle 9 in Zürich Oerlikon bereits einige Erfahrung in der Freiwilligenarbeit gesammelt. Zudem ist sie im Mädchenhaus sowie als interkulturelle Dolmetscherin und pädagogische Assistentin an Zürcher Schulen tätig.

Derzeit suchen Hirzel und Simonett-Marinček noch nach freiwilligen Helferinnen, die jeweils während vier Stunden an einem Mittwoch die Anwesenden begleiten und betreuen. «Wir arbeiten nur für Frauen und mit Frauen», sagt Hirzel.

Einen entsprechenden Informationsabend für Freiwillige gibt es kommenden Mittwoch: Hirzel sagt: «Einen Pool von 20 Helferinnen zu haben, wäre optimal.»