Der Junge beugt sich tief über das Formular auf dem Tisch. Zu seiner Linken und Rechten sitzen heute ausnahmsweise beide Beraterinnen des Solidesk. Normalerweise führt nur eine Person die Beratung durch. Das Angebot des freiwilligen Vereins Solinetz gibt es erste seit Ende August, dennoch wird das neue Angebot bereits rege genutzt. Trotzdem ist Projektleiterin Mirjam Pfyl von der grossen Nachfrage überrascht. «Solidesk ist eine Anlaufstelle. Mittlerweile gibt es unzählige Angebote im Bereich der Migration und Integration. Wir helfen hier den Flüchtlingen, eine Übersicht zu bekommen», sagt Projektleiterin Pfyl.

Anlaufstelle für alle

Das Angebot von Solidesk umfasst die Kontaktaufnahme mit Ämtern oder Anlaufstellen für Integrationsangebote. «Das Solidesk hat sich zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit der hilfesuchenden Person aktiv einen ersten Schritt hin zur Problemlösung zu machen.» Die Recherche, welche Beratungsstellen und Integrationsangebote es in Zürich gibt, hat Solinetz bereits im Frühling diesen Jahres gestartet. Die Beschaffung dieser Hintergrundinformationen leisten die Beraterinnen parallel zur eigentlichen Unterstützung der Flüchtlinge. Die recherchierten Informationen werden zudem in einer Datenbank abgelegt und laufend aktualisiert.

In der Regel sind jeweils freitags zwei Beraterinnen im Büro der Kirchgemeinde Stauffacher anwesend. Parallel zum Solinetz Gratis-Deutschkurs (siehe Kontext). Aber das Angebot gilt nicht nur für jene, die schon einen der Integrationskurse nutzen. Hier dürfen alle vorbeikommen, die Unterstützung im schweizerischen Bürokratie-Dschungel benötigen. So half das Solidesk gerade letztens einer Frau mit abgewiesenem Asylgesuch. Da sie ein Härtefallgesuch stellte, musste sie einen Deutschtest ablegen, der 100 Franken kostete.

Die finanziellen Mittel aber fehlten ihr. Die Beraterin am Solidesk suchte Organisationen und Beratungsstellen heraus, die bereit waren, der Frau finanziell unter die Arme zu greifen. Ein anderes Beispiel war eine mittelalte Frau, eigentlich ausgebildet als Lehrerin. Seit Jahren lebt sie mit einer B2-Aufenthaltsbewilligiung hier. Den Beruf als Lehrerin kann sie wegen zu schlechten Deutschkenntnissen aber nicht ausüben. Trotzdem will sie arbeiten. Solidesk also vermittelt ihr eine Laufbahnberatung bei der Stadt Zürich. Dort gibt es Beratungen, die speziell auf Migranten ausgerichtet sind.

Die Beratungen sind begehrt

Die Beratungen sind kurz – zwischen 20 und 30 Minuten dauern sie in der Regel. «Wir sind eine Triage-Stelle», fasst Pfyl die Aufgabe von Solidesk zusammen.
Seit Ende August nun läuft das Projekt «Solidesk». Am ersten Beratungstag wurde das kleine Büro beinahe überrannt. Insgesamt 14 Beratungen führten die beiden freiwilligen Mitarbeiterinnen an jenem Freitagmorgen durch. In den letzten beiden Wochen pendelte sich die Nachfrage zwischen sechs und acht Beratungen ein. «Es braucht noch eine gewisse Zeit, bis sich das Angebot herumspricht. Wenn es sich etabliert hat, kommen wohl noch mehr Personen», ist Pfyl überzeugt.

Die Anmeldung für eine Beratung erfolgt nach dem Prinzip «wer zuerst kommt, der darf zuerst». An der Tür des Deutschkurses, der im gleichen Gebäude stattfindet, hängen zwei Listen. Dort kann sich in ein offenes Zeitfenster eintragen, wer eine Beratung möchte. Wenn die Liste schon voll ist, kann sich laut Pfyl dennoch kurzfristig die Möglichkeit für ein Gespräch ergeben. Ansonsten muss man sich eine Woche gedulden.

Die Projektarbeit macht die 28-jährige Pfyl ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Hauptberuflich ist sie beim Staatsekretariat für Migration in Zürich tätig. «Das Thema Migration und Flüchtlinge hat mich schon immer sehr bewegt. Zudem habe ich bei diesem Projekt sehr nahen Kontakt zu den einzelnen Flüchtlingen», erklärt sie ihre Beweggründe für das freiwillige Engagement.