Zürich

Heute startet die Expovina: Wie die Zürichsee-Schiffe zu Weinschiffen werden

Nach zweiwöchiger Vorbereitung in der Werft kann die Weinausstellung losgehen. Die Expovina lockt jeweils rund 70 000 Weinliebhaber auf die Zürichsee-Schiffe.

Im milchigen Herbstlicht gleitet die «MS Panta Rhei» von der Wollishofer Werft über den Zürichsee zum Landesteg Bürkliplatz. Einige ihrer Schwesterschiffe liegen schon vor Anker, bereit für die 62. Expovina, die heute um 13 Uhr für das Publikum eröffnet wird. Die traditionsreiche Weinausstellung dürfte auch dieses Jahr wieder rund 70'000 Weinfreunde auf ihre zwölf Weinschiffe locken. Doch wie werden aus Passagierschiffen eigentlich Weinschiffe? 

Aufbau Expovina in Zürich: Die Weinschiffe Kommen

Aufbau Expovina in Zürich: Die Weinschiffe Kommen

In der Kapitänskajüte der «Panta Rhei» sitzt Ernst Bosshard und telefoniert. Der Chefkapitän der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) bereitet sich allmählich auf den Ruhestand vor. Am Tag vor der Eröffnung der Expovina ist er aber noch einmal voll beschäftigt, dafür zu sorgen, dass die Schiffe startklar für die Weinausstellung werden.
Abwasserschläuche sind zu verlegen, Leitern für Fluchtwege auf den Schiffen aufzustellen, dicke Stromkabel am Landesteg anzuschliessen. «Der Hauptteil der Vorbereitungen fängt zweieinhalb Wochen vor der Expovina in der Werft an», sagt Bosshard, während wir raus aufs Oberdeck gehen. In der Kajüte ist es stickig, draussen in der Nachmittagssonne angenehm mild.

Oldtimer angeschleppt

«Gestern haben wir die ‹Stadt Rapperswil› angeschleppt», sagt Bosshard. Der Oldtimer der ZSG-Flotte erlitt kürzlich eine Havarie, die Schaufelräder des Raddampfers sind kaputt. Doch er war längst für die Expovina gebucht. So musste das jüngste Zürichsee-Schiff, die «Panta Rhei», den Oldtimer von der Werft zum Bürkliplatz schleppen.
Jetzt sind die Weinschiffe dort verankert, an Betonblöcken, die im See versenkt sind. Die Nylonseile der Schiffe wurden durch Drahtseile ersetzt, um die Brandgefahr zu mindern. «Sicherheit hat oberste Priorität», sagt Kapitän Bosshard. Zwischen den Schiffen, die eng nebeneinander parkiert sind, damit das Publikum direkt vom einen zum nächsten gehen kann, sind Prellböcke aus Eisen und Holz montiert.

Praktisch die ganze ZSG-Schiffs- und Werftcrew ist laut Bosshard für die Vorbereitungen zur Expovina im Einsatz. Das sind rund 30 Leute. Auch die Feuerlöscher auf den Schiffen haben sie ausgewechselt: Statt Pulver-Feuerlöschern sind jetzt Wasser-Schaum-Feuerlöscher an Bord. Pulver-Feuerlöscher würden im Ernstfall die Ambiance zu stark beeinträchtigen, der Weingenuss wäre arg getrübt.

«Mit der Ausstellung selbst haben wir nichts zu tun», sagt Bosshard. Doch einige ZSG-Leute seien immer anwesend, um helfen zu können, falls eine Panne passiert.
Wir verlassen die «Panta Rhei» und treffen auf dem Landesteg Thomas Bachmann. Er ist Aufbauchef für die Ausstellungsstände in den Schiffen und arbeitet für die Schreinerei Wieland. Die Möbelschreinerei, die seit 150 Jahren im Zürcher Seefeld ihren Sitz hat, ist seit 50 Jahren für die 170 Stände der Expovina zuständig. Alle sind massgeschreinert und das Jahr durch in der Wollishofer Werft eingelagert. Dort begann vor gut zwei Wochen der Einbau in den Schiffen.

Der Grossteil der Arbeit ist nun getan. Einige von Bachmanns Leuten sind am Tag vor dem Ausstellungsstart noch damit beschäftigt, die Stege zu montieren, über die das Publikum von Schiff zu Schiff gehen kann. Das Kreischen von Akkuschraubenziehern ist zu hören.

«Zum Teil sind die Stände schon 20 Jahre alt», sagt Bachmann. Doch jedes Jahr gleich nach der Expovina begutachte er mit Messechef Bruno Sauter, was zu ersetzen ist. Die Stände gehören der Expovina, die sie an die Aussteller vermietet.

Einer von ihnen ist Beat Eichmann. Im Oberdeck der «MS Linth» hat er seinen Stand mit australischen Weinen. Gefragt, was für ihn das Spezielle an der Expovina sei, sagt er: «Es ist eine Kultausstellung. Hier trifft man sich.» Der spezielle Ausstellungsort auf zwölf Schiffen habe auch Nachteile: Zwei Tonnen Material musste Eichmann auf das Oberdeck schleppen. Platz für einen Klimaschrank fehle, ein kleiner Kühlschrank für die Weissweine muss genügen. «Man muss flexibel sein», sagt Eichmann. Doch da sein Weindepot draussen an Deck sei, würden die Weine nachts im November gut vorgekühlt.

Die Expovina am Landesteg Bürkliplatz in Zürich ist ab heute, 13 Uhr, für das Publikum geöffnet. Sie dauert bis 12. November.

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