Allerheiligen
Heute gedenkt man der Verstorbenen – Zeit, dem Tod in Zahlen zu begegnen

Täglich sterben in der Stadt Zürich zehn Personen. Insgesamt 3400 Todesfälle gab es 2015. Damit lag die durchschnittliche Zeitspanne zwischen zwei Todesfällen bei zwei Stunden vierunddreissig Minuten und fünfunddreissig Sekunden.

Lina Giusto
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Die Mehrheit der Befragten gibt an, zu Hause sterben zu wollen – nur ein Fünftel tut dies am Ende.Keystone

Die Mehrheit der Befragten gibt an, zu Hause sterben zu wollen – nur ein Fünftel tut dies am Ende.Keystone

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Diese Angaben stammen aus einem Beitrag zur Ausstellung «Der Leichnam» im Friedhof Forum.

Von einem Todesfall sind meist nicht nur direkte Angehörige betroffen. Beinahe jeder Verstorbene hat auch entfernte Verwandte, Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunde. Weil es viele Fragen zum Sterben, Bestatten und Trauern gibt, hat die Stadt Zürich das Friedhof Forum im Jahr 2012 ins Leben gerufen. Das «Büro für die letzte Reise» ermögliche die zeitgemässe Auseinandersetzung mit dem Tod, so Christine Süssmann, Leiterin des Friedhof Forums. Mittels Veranstaltungen sollen Fachwissen und konkrete Informationen zum Tod weitergegeben werden. Bei Bedarf vermittelt das Friedhof Forum Kontakt zu externen Fachpersonen. Nicht zuständig ist es hingegen für die Anmeldung von Todesfällen oder die Organisation von Bestattungen. Dafür ist das Friedhof- und Bestattungsamt der Stadt Zürich zuständig.

Süssmann sagt: «Das Friedhof Forum richtet sich vor allem an Menschen ohne aktuellen Todesfall in ihrem Umfeld. Wir werden von ganz unterschiedlichen Personenkreisen besucht. Es hängt sehr davon ab, worum es bei unseren Veranstaltungen gerade geht.» Das Angebot würde von Menschen jeden Alters genutzt, die sich für das Thema Tod interessierten. Manche möchten einfach im Rahmen einer Führung über den Friedhof spazieren. Andere möchten sich konkret mit dem eigenen Tod auseinandersetzen. Zudem können auch Firmen, Organisationen und Schulen Führungen im «Büro für die letzte Reise» buchen.

Begegnung mit dem Leichnam

Der Veranstaltungskalender des Friedhof Forums ist vielseitig. Es werden praktische wie auch kulturelle Fragen zum Thema Tod aufgegriffen. Heute Abend beispielsweise findet im Stadthaus ein Podium zum Thema «Was Sterbende am meisten bereuen» statt. Zudem bietet das Büro auch Kurse und jährlich eine Ausstellung an: Im November zum Beispiel einen Kurs über Rituale zum Abschied. Parallel dazu läuft gerade eine Ausstellung, die sich dem Leichnam widmet, «dem die meisten Menschen kaum mehr begegnen», wie einleitend auf der Website des Friedhof Forums zu lesen ist. In der Ausstellung erfährt man, dass sich die Art des Abschiednehmens im Laufe der Zeit verändert hat. Nur noch gut die Hälfte der Bevölkerung wählt beispielsweise eine Abdankung in einer Friedhofskapelle oder einer Kirche. 30 Prozent nehmen am Grab Abschied. 17 Prozent der Verstorbenen werden ohne Abdankung beerdigt. Dass der Sarg an der Trauerfeier dabei ist und die verstorbene Person erst anschliessend bestattet wird, kommt fast nicht mehr vor.

Gemeinschaftsgräber beliebt

Rund 89 Prozent der verstorbenen Stadtbewohner liessen sich im vergangenen Jahr kremieren, teilt Statistik Stadt Zürich auf Anfrage mit. Diese Art der Bestattung wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Jedoch lag die Zahl der Kremierungen um 1910 bei knapp 16 Prozent. Die Feuerbestattung war zu dieser Zeit noch relativ unüblich, fand aber schnell Zuspruch. Gründe dafür waren, dass sie als die hygienischere und kostengünstigere Bestattungsart galt. Andere wiederum wählten diese Form, um sich vom Christentum abzugrenzen. Die katholische Kirche hob erst in den 1960er-Jahren das 1886 erlassene Verbot der Feuerbestattung wieder auf. An Bedeutung gewann in den letzten 15 Jahren das Gemeinschaftsgrab. Bis heute hat sich diese Zahl verdoppelt und stellt mittlerweile die grösste Gruppe der Beisetzungsarten dar. Insgesamt 1323 der 3400 verstorbenen Personen im vergangenen Jahr liessen sich so beerdigen. Seit 2004 können sich die Zürcher in zwei städtischen Wäldern auch bei einem Familienbaum bestatten lassen.

Pflege zu Hause

Rund 79 Prozent der Zürcher Bevölkerung wünschen sich, zu Hause sterben zu können. Tatsächlich tun dies aber nur 19 Prozent. Häufigster Sterbeort ist mit 38 Prozent das Spital. Je ein Fünftel der Zürcher sterben im Kranken- oder Pflegeheim. Die Zürcherin wurde im Jahr 2015 durchschnittlich 83,7 Jahre alt. Der Zürcher dagegen erreicht im Durchschnitt ein Alter von 77,2 Jahren. Grund für den häufigen Tod im Spital oder Heim ist, dass die Zürcher erst im höheren Alter ins Altersheim ziehen. Gerade weil Frauen im Schnitt sieben Jahre älter werden, sterben Männer häufiger zu Hause. Die Frauen übernehmen oftmals die Pflegen ihre Partner im eigenen Heim. Die Untersuchung von Statistik Stadt Zürich bestätigt denn auch: Ein Grossteil dieser Männer war verheiratet.