Das Universitätsspital Zürich (USZ) hat am Dienstag sein neues Herzzentrum eröffnet. Herzpatienten werden dort an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr betreut. Teams verschiedener Fachrichtungen arbeiten Hand in Hand. Gleich bei der Notfallstation liegt die schweizweit erste zertifizierte Chest Pain Unit.

In einem hellen, freundlichen Zimmer stehen vier Betten. Die Bettwäsche ist nicht in spitalweiss gehalten: Duvet- und Kissenbezüge sind pastellfarben gewürfelt. Grosse Fenster bieten eine schöne Aussicht auf den Spitalpark.

Jedes Bett ist umstellt von Apparaten und Monitoren. Das Zimmer gehört zur neuen Abteilung für Intermediate Care. Hier werden Patientinnen und Patienten betreut, die nicht mehr in die Intensivabteilung aber auch noch nicht auf die normale Bettenstation gehören.

Die Abteilung umfasst 22 Betten. In dieser Art und Grösse sei sie einmalig in der Schweiz, sagte Volkmar Falk, Chef der Herz- und Gefässchirurgie, der zusammen mit dem Leiter der Kardiologie, Thomas Lüscher, das Herzzentrum leitet.

Man habe bewusst in diese personalintensive Abteilung investiert, umso selbstständiger seien die Patienten dann, wenn sie auf die Bettenstation wechselten, sagte Falk. Bis anhin habe es nur eine "Mini-Mini-Abteilung" für Intermediate Care gegeben - "eingequetscht zwischen Büros". Via Monitore kann der Herzrhythmus auch von Patienten überwacht werden, die im Haus unterwegs sind.

Neue Brustschmerz-Abteilung

Gleich bei der Notfallstation liegt die Chest Pain Unit mit fünf Betten. Patienten mit ungewissen Brustschmerzen werden umgehend für weitere Abklärungen dorthin gebracht. Bloss wenn klar ist, dass sie einen Herzinfarkt erlitten haben, werden sie direkt zur Behandlung gebracht - denn dann zählt jede Minute.

Hinter einem Vorhang ist ein Patient zu hören, der einem Arzt oder einer Ärztin seine Symptome schildert. Im Unterschied zur Abteilung Intermediate Care, die noch nicht bezogen ist, ist die Chest Pain Unit seit rund einem Jahr in Betrieb, wie der zuständige Oberarzt sagt. Vor drei Monaten sei sie von der Schweizerischen und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifiziert worden.

Am kommenden Wochenende wird das Herzzentrum vollständig in Betrieb genommen. Die "Züglete" der Patienten werde so gestaltet, dass es für sie nicht belastender sei, als der Transport zu einer Untersuchung - bloss mit Koffer, wie die Chefin des zuständigen Pflegedienstes, Judith Schürmeyer, sagt. Der neue Trakt sei "ein grosser Gewinn" für Patienten und Mitarbeitende.

Für alle Herzbeschwerden

Abgedeckt wird die gesamte Palette der Herzmedizin - von ambulanten Sprechstunden etwa zu Bluthochdruck über den Einsatz eines Bypass bis zur Implantation von Kunstherzen und zur Herztransplantation.

Fachleute verschiedener Fachrichtungen arbeiten Hand in Hand, wie Ko-Leiter Lüscher ausführt. Jeden Abend besprechen sie an neu eingeführten Treffen einzelne Fälle - auch Spezialisten des Kinderspitals nehmen daran teil.

Das Universitäre Herzzentrum Zürich bietet denn auch das umfangreichste Angebot an Spitzenmedizin im Raum Nordost- und Zentralschweiz.

120 Betten, 350 Mitarbeitende

Insgesamt umfasst das Herzzentrum 120 Betten auf 5200 Quadratmetern. 350 Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonen, Kardio-Techniker und weiteres Personal kümmern sich um die Patienten.

Das neue Zentrum befindet sich im Osttrakt des USZ. Dessen Umbau und die Ausstattung des Zentrums kosteten gut 88 Millionen Franken. Die Gesamtkosten der Sanierung des Bettenhauses Ost - das wie andere USZ-Gebäude unter Denkmalschutz steht - beliefen sich auf 123,5 Millionen Franken.

Instandsetzung und Umbau des Bettenhauses wurden etappenweise realisiert, wie Projektleiterin Sonja Kaplan von der Kantonalen Baudirektion sagte. Bis 2015 werden noch letzte Anpassungen vorgenommen. Das Gebäude sei baulich und punkto Einrichtung in schlechtem Zustand gewesen. Entstanden seien nun Räume "mit einer super Atmosphäre".