Frau Trachsel*, die Schweiz liegt neu auf Rang 9 im weltweiten Gleichstellungsranking. Sind Sie zufrieden mit diesem Resultat?

Helena Trachsel: Erst bin ich gespannt darauf, was die Analyse der Daten in Bezug auf den Kanton Zürich aussagen wird. Grundsätzlich sollte es in einem Land mit unserer Demokratie und Wirtschaftskraft aber selbstverständlich sein, dass wir noch weiter vorrücken können.

Vor sechs Jahren lagen wir noch auf Platz 40. Warum dieser Sprung nach vorne?

Der Sprung ist vor allem deshalb so gross, weil dazwischen einige neue Frauen in politische Exekutiven gewählt worden sind, wir also zusätzliche Bundesrätinnen und Regierungsrätinnen haben.

Heisst das diesjährige Resultat nun, dass wir uns verbessert haben, oder kann es auch sein, dass es um die Gleichstellung in anderen Ländern schlechter steht?

Einige Länder haben sich tatsächlich verschlechtert, vor allem in den Bereichen Bildung und politische Mitwirkung von Frauen. Andererseits haben gerade asiatische Länder Fortschritte gemacht. Das liegt vor allem an Frauen, die in der Wirtschaft Führungspositionen übernommen haben. Ein positiver Ausblick für die Schweiz ist, dass die skandinavischen Länder an der Spitze in den nächsten Jahren stagnieren werden, ihre Kurve zeigt nicht weiter nach oben.

Was machen denn die vier skandinavischen Länder auf den vordersten Plätzen der Rangliste besonders gut?

Sie sind sehr engagiert in der Familienpolitik und weit fortgeschritten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In Schweden und Norwegen zum Beispiel herrscht das Prinzip der Fairness zwischen Männern und Frauen, etwa in Sachen Elternurlaub. Norwegen hat auch eine Frauenquote für Führungspositionen. Und Island wird schon seit Jahren von einer Frau regiert. Das sind alles Faktoren, die dazu beitragen, dass diese Länder die Spitzenplätze bekleiden.

Die Untersuchung stammt vom WEF. Dessen Gründer Klaus Schwab sagt, viele Länder müssten umdenken, was Frauen in Führungspositionen angehe. Hier scheint die Schweiz aber auch noch nicht am Ziel zu sein.

Das ist richtig. Wir haben über alles gesehen in KMU und Grossunternehmen weniger als fünf Prozent Frauen auf Geschäftsleitungsstufe. Es waren mal etwas mehr vor Beginn der Finanzkrise.

Wie kann man das ändern?

Einerseits müssen Frauen, die heute bereits in Kaderpositionen tätig sind, bei ihrer Karriereplanung auch Eigenverantwortung übernehmen und sagen: «Ja, ich will an die Spitze.» Andererseits brauchen wir Fortschritte bei der Vereinbarkeit, für beide Geschlechter. Das wäre eine grosse Chance, denn wir steuern unweigerlich auf einen Arbeitskräftemangel zu.

*Helena Trachsel leitet die Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich.