Schützenswerte Bauten
Heimatschutz fordert sorgfältigeren Umgang mit Schutzobjekten

Doppelter Erfolg für den Zürcher Heimatschutz: In Bassersdorf und in Hombrechtikon hatten die Behörden Liegenschaften aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte entlassen. Das Baurekursgericht hat beide Entscheide aufgehoben.

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Diese Liegenschaften wurden von der Gemeinde Bassersdorf aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung entlassen
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Ein Bild aus dem Jahr 1970
Toble-Rank, ein Aquarell von E.E. Schaffner

Diese Liegenschaften wurden von der Gemeinde Bassersdorf aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung entlassen

zvg

In Bassersdorf ging es um eine ganze Häuserzeile an der Möslistrasse/Steinligstrasse. Trotz eine anders lautenden Empfehlung eines Fachgutachtens entschied der Gemeinderat, keines der fünf betroffenen Gebäude im Inventar zu belassen, wie der ZVH am Mittwoch mitteilte. Der Beschluss fiel im Rahmen einer Inventarbereinigung.

Das Zürcher Verwaltungsgericht hat dazu einen Leitentscheid gefällt, auf den sich das Baurekursgericht nun stützt, wie es in der Mitteilung heisst. Danach sei über die Frage der Unterschutzstellung konkreter Objekte nicht im Rahmen einer Inventarbereinigung zu befinden, sondern im Rahmen einer "Interessenabwägung".

Der Gemeinderat von Bassersdorf wäre dazu verpflichtet darzulegen, weshalb dem betreffenden Gebäude bereits die Schutzfähigkeit abgehe. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn es "gänzlich oder fast vollständig abgebrochen oder zerfallen" oder "durch Umbauten seiner Schutzwürdigkeit unstreitig beraubt" sei, wie es in der Mitteilung heisst.

Weil dies nicht der Fall ist, hob das Gericht den Gemeinderatsbeschluss auf. Die Verfahrenskosten muss die Gemeinde tragen. Dies ist auch in Hombrechtikon der Fall.

"Fahrlässiger Umgang"

Hier wollte der Gemeinderat das Wohnhaus mit der ehemaligen Gastwirtschaft "Alte Mühle" an der Rütistrasse aus dem Inventar entlassen. Laut Gericht ist die Schutzwürdigkeit des Gebäudes gemäss Fachgutachten unbestritten. Das Schutzobjekt sei zwar sanierungsbedürftig, aber durchaus auch sanierungsfähig.

Für den ZVH zeigen beide Fälle, "dass viele Gemeinden heute mit ihrem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte fahrlässig umgehen", sagte ZVH-Präsident Thomas Müller. Gemeinden würden manchmal allzu schnell Inventarentlassungen beschliessen.

Dagegen müsse der ZVH jeweils Rekurs führen und diese Verfahren seien aufwändig und kostspielig. Um dies zu vermeiden, mahnte Müller einen "sorgfältigeren Umgang der Gemeinden mit ihren Schutzobjekten" an.