Humlikon

Heilpädagogischen Schule am Pranger - sie soll Kindern Körperstrafen austeilen

Problemschule: Die Heilpädagogische Schule Humlikon hat offenbar massive Probleme in Sachen Führung und im Umgang mit den Kindern.

Problemschule: Die Heilpädagogische Schule Humlikon hat offenbar massive Probleme in Sachen Führung und im Umgang mit den Kindern.

In der Heilpädagogischen Schule im Zürcher Weinland liegt einiges im Argen: Laut einer Elterngruppe erhalten ihre behinderten Kinder Körperstrafen. Der Kanton wirft der Schule Führungsversagen vor. Der Leiter ist krankgeschrieben.

«Mein behindertes Kind wurde in der Heilpädagogischen Schule Humlikon von einer Lehrerin geohrfeigt», erzählt eine Mutter, die sich in einer Elterngruppe dafür engagiert, dass sich in der Schule etwas ändert. Offenbar ist dieser Übergriff kein Einzelfall. Auch andere Eltern sprechen davon, dass manche Lehrkräfte «wahrscheinlich aus Überforderung» ihre Kinder körperlich züchtigen würden. Neben Ohrfeigen gebe es Schläge auf den Mund und auf die Hände. Laut den Eltern wurde bis jetzt aber noch nicht Anzeige erstattet.

«Wir haben den Eindruck, dass seit einigen Jahren an der Heilpädagogischen Schule Missstände herrschen», schreiben die betroffenen Eltern in einer E-Mail an diese Zeitung. Denn neben den Körperstrafen gebe es auch einen «kaum geregelten Schulalltag und häufige Lehrerwechsel». Sie verweisen dabei auf einen kürzlich erstellten Evaluationsbericht der Bildungsdirektion, der die Qualität der Heilpädagogischen Schule in Humlikon unter die Lupe nahm.

In diesem Bericht werden die Körperstrafen jedoch nicht thematisiert. Es ist lediglich die Rede davon, dass ein respektvoller Umgang gegenüber den Schülerinnen und Schülern «nicht durchgängig» gepflegt werde oder dass der Umgang mit den Kindern «nicht immer wertschätzend» sei und dass sich viele unwohl fühlten. Für den Vorstand des Zweckverbandes der Schulgemeinden im Bezirk Andelfingen sind die Vorwürfe der Eltern völlig neu. Man sei aber diesbezüglich «jederzeit gesprächsbereit», schreibt der Vorstand auf Anfrage.

Kanton spricht Klartext

Der Evaluationsbericht der kantonalen Fachstelle für Schulbeurteilung liest sich wie eine Aufzählung von Versäumnissen und Fehlentscheidungen. Die Führungsmängel bei der Heilpädagogischen Schule (HPS) Humlikon scheinen auf jeden Fall gravierend zu sein. «Eine wirkungsvolle Führung der Schule ist zurzeit nicht gewährleistet», schreiben die Verfasser des Berichtes. «Zuständigkeiten und Rollen sind auf allen Ebenen ungeklärt. Die pädagogische Zusammenarbeit wird kaum gesteuert.»

Mehr als zwei Drittel der Mitarbeitenden seien mit der Schulführung unzufrieden, heisst es weiter. «Führungsentscheidungen werden hinausgeschoben oder an die Mitarbeitenden delegiert.» Dadurch sei ein eklatantes Führungsvakuum entstanden. Fazit: «Konflikte absorbieren die Energie des gesamten Schulteams.»

Die Leidtragenden in dieser schwierigen Situation sind nicht nur die 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HPS in Humlikon, sondern vor allem auch die etwa 50 Schülerinnen und Schüler. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von vier bis 18 Jahren haben eine geistige und/oder mehrfache Behinderung. Sie wären ganz besonders auf ein stabiles Umfeld angewiesen.

Doch auch in dieser Hinsicht stimmt einen der Evaluationsbericht nachdenklich. «Weniger als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler fühlen sich wohl oder sehr wohl in ihrer Klasse.»

Schulleiter krankgeschrieben

Klar ist, dass der Leiter der Schule bereits seit mehreren Wochen krankgeschrieben ist. Das Tagesgeschäft wird derzeit durch die stellvertretende Schulleiterin geführt. Für zusätzliche Massnahmen habe man «die nötigen Ressourcen zur Verfügung», schreibt der Zweckverband. Und weiter: «Die Problemfelder sind dem Vorstand des Zweckverbandes bekannt und im Evaluationsbericht aufgezeigt.» Man habe diesbezüglich bereits gehandelt und zusammen mit einer externen Fachperson erste Schritte in die Wege geleitet. «Mittels eines Massnahmenkatalogs wurden Schwerpunkte und ein Zeitprogramm festgelegt.» Der Kanton seinerseits verlangt vom Zweckverband innert vier Monaten konkrete Lösungen.

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