Mode
Haute Couture aus Zürich: Mit Diamanten prahlt man nicht

Die Designerin der Marke Roméo Rodin, Joanne Padachtpour, lanciert eine Schuhkollektion die durch «Ausgewähltheit und Kleinheit» brilliert.

Lina Giusto
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Joanne Padachtpour ist Designerin und Mitgründerin der Haute Couture Marke Roméo Rodin aus Zürich.
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Neben Schuhen aus italienischem Leder gehören Seiden-Regenschirme...
..und Handschuhe zur Kollektion von Padachtpour.
Die Haute Couture Marke Roméo Rodin verarbeitet in einer Kollektion 0,2-Karat-Diamanten
Der besondere HIngucker: Am Stiehl des Regenschirms ist ein in Weissgold gefasster 0,2-Karat-Diamant angebracht.
Bei den Schuhen befindet sich der edle Stein auf der Rückseite. Getreu Padachtpours Motto: "Es reicht zu wissen, dass der Diamant da ist."
Die Marke Roméo Rodin wurde im September in Zürich von Joanne Padachtpour und ihrem Ehemann Hugo Mar gegründet.

Joanne Padachtpour ist Designerin und Mitgründerin der Haute Couture Marke Roméo Rodin aus Zürich.

Sandra Ardizzone

Dass Diamanten nicht nur an Händen, Hals oder Ohren getragen werden können, davon ist Joanne Padachtpour überzeugt. Zusammen mit ihrem Ehemann Hugo Mar lanciert die 35-jährige französisch-iranische Businessfrau in Zürich die Marke Roméo Rodin. Die Modelinie besteht aus Damenschuhen, Handschuhen und Regenschirmen, die mit in Gold eingefassten 0,20-Karat-Diamanten bestückt sind.

Die Schuhe wie auch Handschuhe sind aus weichen, schwarzen Ledern, der Regenschirm ist aus wasserfest behandelter Seide. Während aus den Innenseiten der Handschuhe und des Regenschirms die silbern-schwarze französische Spitze blitzt, strahlt das filigrane Textil bei den Schuhen vom Rist.

Den kostbaren, in Weissgold gefassten Stein muss man bei jedem der Accessoires suchen. Beim Regenschirm ist er am Handgriff positioniert, bei den Handschuhen ist er aussen gegen die Armaussenseiten angebracht. Bei den Schuhen blitzt das kostbare Juwel hinten an der Ferse auf. «Es geht nicht darum, mit dem Diamanten zu prahlen. Es reicht zu wissen, dass er da ist», sagt Padachtpour.

Sie zierliche Frau mit braunen langen Haaren, die am Hinterkopf hochgesteckt sind und braun-grünen Augen, trägt ein schwarzes Kleid und weissgoldene Ohrringe. Die rosa Stilettos lenken den Blick bei der Begrüssung ab. Sie lacht: «Ja, auch diese Schuhe sind von meiner Marke.» Seit mehr als sechs Jahren lebt sie in Zürich. Trotzdem wünscht die Designerin, das Gespräch in Englisch oder Französisch führen zu können. Ihre Haltung ist kerzengerade, die Hände legt sie bedacht übereinander. Mit dieser Begegnung öffnet sich die Tür zum Raum des Reichtums.

Wenn ein Traum wahr wird

Bereits ein Leben lang, wie sie sagt, sei sie von Stoffen, Leder, Spitze und Diamanten fasziniert. In Frankreich ist die Designerin der Marke Roméo Rodin aufgewachsen. In der Stadt der Liebe entflammte ihre Leidenschaft für die Mode.

Doch bis sie den Weg in diese Welt fand, dauerte es einige Jahre. Genauer gesagt, begann ihr Abenteuer in der Modeindustrie erst vor wenigen Wochen. Seither lebt sie ihren Traum von der eigenen Schuhlinie – und zwar Teilzeit. Nach wie vor ist sie in der Zürcher Finanzbranche tätig.

Der Entscheid, den Schritt in die Selbstständigkeit und das Luxussegment zu wagen, fiel in New York. Drei Monate lebte das Ehepaar wegen einer Jobrotation in der Metropole. «Vielleicht war es die Grösse der Stadt, vielleicht auch die Distanz zu Zürich», beschreibt Padachtpour vage den Auslöser. Sie könne nicht genau sagen, warum jetzt, nur dass sie wusste: «Jetzt oder nie.» Vielleicht wäre sie vor zehn Jahren aber auch noch nicht bereit gewesen, dieses Risiko auf sich zu nehmen. «Schliesslich investiert man viel und unter Umständen kommt nichts dabei heraus», sagt sie schulterzuckend.

Warum es Diamanten braucht

Das hält Padachtpour aber nicht davon ab, ihre erste Kollektion gleich mit der grossen Kelle anzurühren. 25 Stück von jedem der drei mit dem kostbaren Rohstoff verzierten Accessoires gibt es zu kaufen. «Die Diamanten stammen aus konfliktfreien Zonen. Aus Brasilien genauer gesagt», sagt sie.

Damit beim Einkauf, dem Schliff des Steines und der Goldfassung von der Qualität bis zur Moral alles stimmt, lässt sich die Designerin von Gemmologen, Goldschmieden und Kunsthandwerkern unterstützen. «Wenn sie Qualität wollen, müssen sie sich dafür einsetzen», sagt Padachtpour. Nur warum brauchen Schuhe Diamanten? «Weil sie schön und wertvoll sind», sagt sie. Grundsätzlich achte sie bei jedem Stück ihrer Kollektion darauf, dass sie von «A bis Z von Hand und aus den besten Materialien gefertigt werden».

So stammt das Leder für die Handschuhe und Fussbekleidung wie auch die Seide aus Italien, die Spitze für Schuhe und Regenschirme kommt aus Frankreich. Dort werden auch die Diamanten von Hand geschliffen. Während auch Regenschirme und Handschuhe in Frankreich hergestellt werden, entstehen die Schuhe in einer kleinen Fabrik in Portugal.

Bei allen Herstellern handelt es sich um Betriebe, die zwischen fünf und zwölf Mitarbeitenden beschäftigen. Die Prozesse verfolgt Padachtpour gerne vor Ort mit. «Ich muss Materialien anfassen können. Ich muss das Design beim Entstehen beobachten können», sagt sie. «Werkstatt-Atmosphären faszinieren mich. Sie haben etwas Familiäres.»

Die Kleinheit macht es aus

Mit der Art, wie sie Konsumgüter betrachte, versuche sie gleichgesinnte Kunden anzusprechen. Es ist die Liebe zum Detail, die Anerkennung für handgefertigte Qualität, die in der Bereitschaft, einen hohen Preis dafür zu bezahlen, mündet. «Ausgewählt und von einer gewissen Kleinheit», so ist die Kollektion von Padachtpour und in etwa so dürfte es sich mit ihrer Käuferschaft verhalten. Über die Anzahl der Bestellungen gibt sie keine Auskunft.

«Die Menschen in Zürich ziehen sich gut an. Sie sind einfach nicht so expressiv wie vielleicht in Paris oder Mailand.»

Joanna Padachtpour, Designerin von Roméo Rodin

Nicht protzen, aber den Wert schätzen: Wohl deshalb ist Padachtpour sicher, dass Zürich der richtige Ort für das Haus Roméo Rodin ist. Zwar würden Schweizer immer wieder von sich behaupten, keinen Sinn für Mode zu haben. Padachtpours Beobachtungen überzeugen sie vom Gegenteil: «Die Menschen in Zürich ziehen sich gut an. Sie sind einfach nicht so expressiv wie vielleicht in Paris oder Mailand.»

Ausgewählt und klein sollen auch die künftigen Verkaufsflächen sein. «Wir befinden uns mit diversen kleinen Läden in der Innenstadt in Gesprächen», sagt sie. Um welche es sich handelt, könne sie nicht sagen. Sicher aber ist, dass sie nicht zwingend an der Bahnhofstrasse liegen. Für Padachtpour jedoch wäre der grösste Traum, in ihrem eigenen Laden arbeiten zu können.